Allgemeine Berichte | 09.09.2021

Jessica Bälz betreibt zwei Buchläden in Bad Neuenahr-Ahrweiler – Beide wurden verheerend beschädigt

Weitermachen trotz doppeltem Totalschaden

„Wir sind da“: Jessica Bälz (Mitte) und ihr Team vor dem provisorischen Buchhandel in der Elligstraße. Foto: ROB

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es gibt Gegenstände, die mit Wasser nicht harmonieren. Zum Beispiel Bücher. Aber genau jene Ware ist das Geschäft von Jessica Bälz. Nach dem Hochwasser Mitte Juli ist sie gleich doppelt betroffen. Denn Bälz hat zwei Shops in der Kreisstadt, in dem sich die Kunden in normalen Zeiten mit Lesestoff für lauschige Abende eindecken. In beiden stand mannshoch das Wasser, alle Bücher wurden praktisch vernichtet. Besonders mitgenommen sieht die Ahrtor Buchhandlung aus, die in Ahrweiler zum Stadtbild dazu gehört, so wie die Pfarrkirche St. Laurentius oder der Weiße Turm. Mit Spanplatten sind die Schaufenster vernagelt. Doch ein Satz schürt den Optimismus bei jedem der an dem Buchladen vorbeikommt. „Wir machen weiter!“, prangt dort in plakativer roter Signalfarbe. Der Kerngedanke, nämlich kompromissloser Wille zum Durchhalten, könnte kaum besser formuliert sein .

Dennoch steht Bälz vor der Herausforderung ihres Lebens: Das Ergebnis ist schließlich ein doppelter Totalschaden. „Eine Kiste Bücher ist übrig geblieben“, sagt Bälz und zeigt auf eine graue Plastikbox, randvoll mit Romanen und Reiseführern. Scheinbar wurde die Kiste vom Wasser emporgehoben und vergleichsweise sachte wieder „abgesetzt“. Auch ein uralter Minicomputer im Keller hat die Katastrophe überraschenderweise schadlos überstanden. Die übrig gebliebenen Schmöker und der kleine PC bilden natürlich keine Zukunftsperspektive in Anbetracht der tausenden Bücher, die in den Fluten zerstört wurde.

Ein großer Hoffnungsschimmer

Ein anderes Erlebnis gab Bälz und ihrem Team Hoffnung. Nämlich ein Anruf, eine Frage und eine Antwort. Denn Bälz wollte weitermachen, das stand fest, und fragte deshalb bei der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler nach, ob sie nicht ihr Geschäft von zu Hause aus betreiben könne. Die Antwort der Verwaltung: Ja. „Für mich war das ein Hoffnungsschimmer“, sagte Bälz. „Und eine weitere Motivation.“ Nach zwei Wochen Schlammschippen, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit öffneten die Pforten für die Kundschaft. Aber eben an einem anderen Ort. So zieren jetzt Bücherregale das Erdgeschoss im Hause Bälz in der Elligstraße. Die Unterstützung von Kunden und Literaturfans ist gigantisch. Bemerkenswert sind die Ereignisse rund um die Schulbücher für das noch junge Schuljahr. Natürlich sind auch die neuen Mathebücher und Englischwörterbücher zerstört worden. Durch eine tolle deutschlandweite Aktion wurden jene Unterrichtsmaterialien gespendet und die Kids mit neuen Büchern für die Schule ausgestattet worden. „Die Hilfe war riesig“ so Bälz. Das gilt übrigens auch für die tatkräftigen Helfer in der Zeit unmittelbar nach dem Hochwasser. „Es wollten so viele anpacken – die Helfer passten kaum mehr in die Buchhandlung“, so die Bücherexpertin aus Ahrweiler. Motivation gab es auch vom Vermieter des Buchladens am Ahrtor. Hier stand nur die Frage im Raum: „Wollt ihr weitermachen?“ Als Bälz dies bejahte, wurde losgelegt. Auch die Buchhandlung am Ahrtor wird wieder die Türen öffnen. Wann das genau sein wird, ist nicht gewiss. Noch stehen zu viele Unklarkeiten im Raum und es gilt, wichtige Fragen zu beantworten. Denn es bleibt weiterhin fraglich, wann es in Ahrtal wieder Gas für den Betrieb der Heizung geben wird. Generell gilt, dass ein Wiederanschluss erst im März 2022 möglich sein könnte.

Ob Jessica Bälz auch wieder am zweiten Standort in Bad Neuenahr durchstartet, ist ebenfalls noch unklar. Hier gilt es noch einige Unwägbarkeiten aus dem Weg zu räumen. Die Frage, ob sich Buchhändlerin grundsätzlich wieder vorstellen könnte, auch dort neu zu beginnen, ist schnell beantwortet: „Auf jeden Fall“, sagt sie. ROB

Spanplatten und Optimismus in der alten Buchhandlung am Ahrtor. Foto: ROB

Spanplatten und Optimismus in der alten Buchhandlung am Ahrtor. Foto: ROB

„Wir sind da“: Jessica Bälz (Mitte) und ihr Team vor dem provisorischen Buchhandel in der Elligstraße. Foto: ROB

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