Politik | 10.05.2022

Stadtrat gab geänderte Entwurfsplanung für die Konzerthalle samt Stadtbibliothek frei

Bei der Konzerthalle bleiben noch Fragen offen

Denkmalgeschützte Orchestermuschel verhindert zeitgemäßen Energiestandard für die Konzerthalle

 Quelle: Pilhatsch.Architekten PartGmbB

Bad Neuenahr. Vor der endgültigen Planung für den Wiederaufbau der Konzerthalle im Bad Neuenahrer Kurpark müssen die Architekten noch einige offene Fragen klären. Das gab der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Verantwortlichen auf. Vor allem müsse die Frage beantwortet werden, ob die unter Denkmalschutz stehende Orchestermuschel tatsächlich in den Konzertsaal eingebaut werden muss, denn die Muschel hatte durch die Flut nicht nur schwere Schäden davongetragen, die ihre Sanierbarkeit fraglich erscheinen lassen. Sie verhindert nach Aussage von Architekt Wilfried Pilhatsch (Bonn) auch, dass die Konzerthalle einen zeitgemäßen Energiestandard erreicht, was der Landesrechnungshof schon vor der Flut bemängelt hatte.

Außerdem soll mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) geklärt werden, ob auf dem Dach der Konzerthalle eine Photovoltaikanlage errichtet werden kann. Dies befürworten alle Fraktionen im Rat auf Antrag von Wolfgang Schlagwein (Grüne) ebenso wie die Stadtverwaltung, während die Denkmalschutzbehörde dies bislang ablehnt. „Die GDKE muss uns nun sagen, ob der Denkmalschutz wichtiger ist als der Klimaschutz“, fasste Bürgermeister Guido Orthen (CDU) zusammen. Angesichts der Folgen der Starkregenkatastrophe vom 14. Juli 2021 sei die Stadt angehalten, jede sich bietende Möglichkeit zu nutzen, um die Energiewende bei den eigenen Bauten voranzubringen. Nicht zuletzt müsse auch noch mit der SGD Nord geklärt werden, wie ein „hochwasserangepasstes Bauen“ bei dem Projekt verwirklicht werden könne.

Komplett weißer Anstrich für die Konzerthalle

Fragen über Fragen, die allesamt im Rahmen der Leistungsphase 4 – diese beinhaltet die Erarbeitung aller für die Genehmigung erforderlichen Vorlagen – geklärt werden sollen. Damit beauftragte der Stadtrat das Architekturbüro Pilhatsch (Bonn) bei zwei Gegenstimmen. Zugleich gab das Gremium dessen deutlich geänderte Entwurfsplanung zum Neubau der Konzerthalle nebst Stadtbibliothek frei. Gegenüber den ursprünglichen Planungen stellt sich das Gebäude nun wesentlich schlichter dar und soll zudem einen komplett weißen Anstrich erhalten – welches Weiß genau zum Zuge kommt, müsse noch in der weiteren Planung erörtert werden. Damit erhalte die Außenansicht der Konzerthalle mit ihren Nebengebäuden mehr Räumlichkeit und Klarheit, so Architekt Wilfried Pilhatsch. Die ursprünglich in einem rötlichbraunen Geigenkorpus-Farbton gehaltene Verkleidung aus Bernstein wurde aus Kostengründen gestrichen. Ebenso sollen die Bodenbeläge nun nicht mehr aus edlem Stein, sondern aus Industrieparkett bestehen, was zum einen deutlich preiswerter und zum anderen strapazierfähiger sei. Die ganze Architektur passe sich nun ein in die Leitbilder der europäischen Kur- und Badestädte, war der Architekt überzeugt.

Kosten steigen um 1,5 Millionen Euro

Dennoch werde das ganze Projekt damit nicht billiger, zumal bei der ursprünglichen Kostenschätzung von 16,8 Millionen Euro einige Kostenfaktoren noch nicht berücksichtigt gewesen seien. So müsse aus nachvollziehbaren Gründen der Hochwasserschutz deutlich ausgebaut werden, etwa indem das Gebäude in einer wasserdichten „weißen Wanne“ stehen soll. Außerdem sei nun die Medientechnik, Lichttechnik und Veranstaltungstechnik mit in der Kalkulation berücksichtigt, denn sowohl bei Konzerten wie auch bei Reden sollen die 455 möglichen Zuschauer eine optimale Akustik im Konzertsaal erleben. Alles in allem rechnet Pilhatsch derzeit mit Baukosten von 18,3 Millionen Euro, also sogar 1,5 Millionen Euro mehr als in seiner ersten Kostenschätzung – wovon etwa die Hälfte allerdings auf die genannten Zusatzleistungen zurückzuführen sei. Die aktuellen exorbitanten Kostensteigerungen bei den Materialien sei allerdings nicht berücksichtigt, da derzeit noch niemand wissen, wie sich die Preise in zwei oder drei Jahren entwickelten, wenn das Projekt tatsächlich vor der Ausführung stehe.

Der Wiederaufbau der Kurparkliegenschaften einschließlich der Konzerthalle samt Stadtbücherei soll indes von der „Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH“ (ABMG) gesteuert werden, das beschloss der Stadtrat ebenfalls mit großer Mehrheit bei zwei Gegenstimmen. Die Gesellschaft habe sich im technischen Bereich bereits personell verstärkt und sei daher auch fachlich in der Lage, die Projektsteuerung zu übernehmen, erklärte Orthen. Die ABMG soll die Architekten bei der Klärung der offenen Fragen unterstützen und zudem auch noch die mögliche Kombination bestehender Finanzierungsmöglichkeiten klären, im Zweifelsfall sogar ein vollständig neues Finanzierungskonzept des Neubaus erarbeiten.

Auf die Gesellschaft kommt viel Arbeit zu

Auf die Gesellschaft kommt zudem auf Beschluss des Stadtrats die Umsetzung der Wiederaufbaumaßnahmen rund um den Kurpark zu, wobei man sich überwiegend an den Planungen für die abgesagte Landesgartenschau 2023 orientieren will. Demnach soll die bereits provisorisch hergerichtete Kurparkfläche nun dauerhaft wiederhergestellt werden. Allerdings müsse man dafür die Planungen zum künftigen Verlauf der Ahr abwarten. Weiterhin in die Planungen integriert werden sollen die Mühlenteiche von Kurpark bis zum Kaiser-Wilhelm-Park, offen ist dabei eine künftige Nutzung der Uferbereiche als Retentionsraum. Nach dem Abbruch der Tourist-Info in der Kurgartenstraße soll eine provisorische Anlaufstelle für Besucher entstehen, bis die Neubauten der Kurparkliegenschaften, die auch ein Haus des Gastes am Rande des Kurparks beinhalten sollen, abgeschlossen sind.

Auch mit dem ehemalige Kurpark-Café muss etwas geschehen. Überprüft werden soll, ob eine Sanierung oder ein Ersatzneubau wirtschaftlicher wäre. Fürs erste seien in den Obergeschossen temporäre Büros für die ABMG nebst einer provisorischen „Kleinen Bühne“ vorgesehen, während das von der Flut zerstörte Erdgeschoss von Grund auf saniert werden müsse. Weil die zerstörte Brunnentechnik des Großen Sprudels im Kurpark und im Thermalbadehaus ohnehin vollständig erneuert werden müsse, denkt man über eine Zusammenführung in einer einzigen Brunnenkammer nach. Nicht zuletzt soll der Parkplatz in der Oberstraße saniert und eventuell erweitert werden, sofern dies im Rahmen des Gesamtbauablaufs der Kurparkmaßnahmen sinnvoll erscheint. JOST

Quelle: Pilhatsch.Architekten PartGmbB

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