Teilnahme am Smart-Cities-Förderprogramm bringt Digitalisierung in MYK mit großen Schritten voran
So smart soll Mayen-Koblenz werden
Kreis Mayen-Koblenz. Der Landkreis Mayen-Koblenz gehört zu deutschlandweit 32 Kommunen, die in das Förderprogramm „Smart Cities – made in Germany 2020“ des Bundesinnenministeriums aufgenommen wurden. Unter dem Motto „Gemeinwohl und Netzwerkstadt / Stadtnetzwerk“ sollen die ausgewählten Kommunen digitale Strategien für das Leben der Zukunft entwickeln und erproben. Doch was heißt eigentlich „Smart City“, welche Chancen ergeben sich daraus für den Landkreis und wie wird das ganze ablaufen? Die Kreisverwaltung beantwortet die wichtigsten Fragen zum Modellprojekt.
1 Was bedeutet „Smart City“?
Aus dem Englischen übersetzt bedeutet Smart City so viel wie „schlaue Stadt“. Es ist ein Sammelbegriff für Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, umweltfreundlicher und sozial inklusiver zu gestalten. Im Landkreis Mayen-Koblenz soll sich die Smart-City-Idee in der gesamten MYK-Region widerspiegeln. Städtische Bereiche werden genauso betrachtet wie der ländliche Raum. Aus diesem Grund ist in diesem Fall auch die Rede von einer Smart Region, also einer „schlauen Region“.
2 Welche Chancen eröffnet das für MYK?
„Ich sehe eine riesige Chance für unsere Region in der Digitalisierung weiter voranzukommen – insbesondere im ländlichen Raum“, sagt Landrat Dr. Alexander Saftig. Der Prozess zur Erarbeitung und Umsetzung einer umfassenden Digitalisierungsstrategie wird als tiefgreifender Änderungsprozess verstanden, der in die Gesellschaft, Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung hineinwirken wird. „Digitalisierung wird dabei nicht um seiner selbst willen betrieben“, betont der Landrat. Vielmehr wird es als ein Vehikel gesehen, das einen analogen Nutzen zur Steigerung der Lebensqualität für die gut 214.000 Menschen im Landkreis hat. „Denn mit technologischen Entwicklungen ergeben sich auch für die Menschen neue Möglichkeiten im Alltag“, weiß Alexander Saftig. Diese Möglichkeiten werden sich in erheblichem Maße auf alle Daseinsbereiche auswirken – vom Gesundheits- und Bildungswesen über Kommunikationsinfrastruktur, Verkehrssysteme, Energieanwendungen bis hin zu Umweltanforderungen.
3 Welche konkreten Projekte stehen zunächst im Fokus?
Die Grundidee liegt in der Installation von fünf sogenannten „Hubs“ – aus dem Englischen übersetzt bedeutet es sinngemäß Knotenpunkte:
1. Regio Hubs sind Arbeitsräume. Die neuen, in leer stehenden Gebäuden in der Ortsmitte eingerichteten, sozialen Zentren führen durch einen multifunktionalen Ansatz zu einem regionalen Wandel. So könnten beispielsweise Co-Working-Spaces, Pop-Up-Arztpraxen – Praxen, die sich schnell in freien Immobilien vor Ort neiderlassen –, Betreuungsangebote, temporäre Bürgerbüros, dezentrale Firmenbüros, Dorfläden oder auch Logistiksammelpunkte entstehen.
2. Medical Hubs sind virtuelle Pflegeplattformen, die der Sicherstellung der hausärztlichen und pflegerischen Versorgung dienen sollen. Denkbare Inhalte sind dabei Telesprechstunden, Entlassmanagement und Nachsorge, Informationsaustausch oder auch Angebote für Fahrdienste und Medikamentenlogistik.
3. Mobil Hubs sind übergreifende Datenplattformen für verschiedenste Mobilitätsanbieter und weitere vernetzbarere Infrastrukturen. Dabei stehen die Schaffung einer nutzerfokussierten, bedarfsgerechten und flächenwirksamen Mobilitätsplattform und die Förderung öffentlicher Mobilitäts- beziehungsweise Logistikketten für unterschiedliche Nutzergruppen wie Bürger, Pendler oder Touristen im Vordergrund.
4. Beim Competence Hub geht es um den Aufbau einer Informations-, Kommunikations- und Zusammenarbeits-Plattform für regionales Wissensmanagement mit mobiler Anwendung.
5. Mit dem Pulse Hub entsteht eine Smart-Region-Plattform, die als zentrale Online-Informations- und Partizipationsplattform für das Gesamtprojekt dienen soll. Dabei steht ganz klar die Vernetzung, Partizipation und das Projektmanagement für alle Bürger, Akteure und Projektpartner im Fokus.
4 Welche Projektpartner sind am Umsetzungsprozess beteiligt?
„In erster Linie sind natürlich unsere kreiseigenen Kommunen beteiligt. Denn die kommunale Familie im Landkreis Mayen-Koblenz ist das Fundament, auf dem die smarte Region entstehen soll“, betont der Landrat. Nicht umsonst wurde als Projekttitel „MYK10 Network in Region“ ausgewählt. Dabei steht die hochgestellte 10 sinnbildlich für die zehn kreisangehörigen Städte und Verbandsgemeinden. Darüber hinaus sind weitere 50 lokale Partner beteiligt. Hinzu kommen 14 externe Partner auf Bundesebene sowie ein zwölfköpfiger Expertenbeirat.
5 Wie sieht der Zeitplan aus?
Das Modellprojekt besteht aus zwei Phasen: „In der ersten, bis zu zwei Jahren dauernden Startphase werden kommunale Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Gestaltung der Digitalisierung entwickelt. Die zweite Phase beinhaltet die Umsetzung der Ziele, Strategien und Maßnahmen in einem bis zu fünf Jahre dauernden Prozess“, erläutert der Landrat. Darüber hinaus sollen zwei der besagten Projekte – der Competence Hub und der Pulse Hub – bereits in den ersten beiden Jahren der Startphase umsetzt werden. „Es ist uns wichtig, dass die Bürger im Landkreis und alle Beteiligten möglichst zeitnah in den Genuss der neuen Angebote kommen.“
6 Wie läuft die Finanzierung ab?
Für den Landkreis Mayen-Koblenz ist ein Gesamtvolumen von 17,5 Millionen Euro in einer Laufzeit von sieben Jahren vorgesehen. 11,4 Millionen Euro davon kommen vom Bund. „Ich bin dem Kreistag dankbar, dass er beschlossen hat, die entsprechenden Haushaltsmittel zur Finanzierung des Eigenanteils in Höhe von 6,1 Millionen Euro für das Förderprogramm bereitzustellen“, betont Landrat Saftig.
Neuer Digitalisierungsbeauftragter soll die Fäden ziehen
Um im Smart-Region-Projekt im Landkreis Mayen-Koblenz erfolgreiche Strategieentwicklung und -umsetzung ermöglichen zu können, sind auch organisatorische Maßnahmen im Vorfeld und begleitend vorgesehen. So schafft die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz unter anderem eine neue Vollzeitstelle und sucht einen projektverantwortlichen Digitalisierungsbeauftragten, den sogenannten Chief Digital Officer (CDO). Der Digitalisierungsbeauftragte ist federführend für den Prozess der Digitalisierungsstrategie und deren Umsetzung verantwortlich und steuert gemeinsam mit einem Smart-Region-Team auf operativer Ebene den Gesamtprozess. Eine entsprechende Stellenausschreibung wird derzeit vorbereitet.
Pressemitteilung des
Landkreis Mayen-Koblenz.
Landrat Dr. Alexander Saftig (rechts), WFG-Geschäftsführer Henning Schröder, Rita Emde (hinten links), Prokuristin der WFG, und Selina Weimer vom Zukunftsbüro des Landkreises freuen sich über die Zusage aus Berlin, die einen Meilenstein für die Digitalisierung in Mayen-Koblenz darstellt.Foto: Kreisverwaltung/Morcinek
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