Gemeinsame Hilfsaktion von Johannitern, ASV, Maltesern und Help
50 Notheizungen für das Ahrtal übergeben
Dernau. „Sie glauben gar nicht, wie vielen Menschen sie mit ihrer Aktion helfen.“ Das sagte Hartwig Baltes, geschäftsführender Bürgermeister von Mayschoß, im Dernauer „Handwerkerdorf“. Dort fand die offizielle Übergabe der ersten von insgesamt 50 Notheizungen für das Ahrtal statt. Die mit Holz optisch ansprechend verkleideten Anlagen in der Größe einer Telefonzelle werden Familien in Dernau, Rech und Mayschoß zur Verfügung gestellt, deren Heizungen von der Flut zerstört wurden und noch nicht wieder funktionstüchtig sind. Hinter dem Projekt steht ein Zusammenschluss der Hilfsorganisationen Johanniter, ASB, Malteser und Help.
Hintergrund der Aktion: Im flutgeschädigten Ahrtal gibt es auch im zweiten Winter nach der verheerenden Flutkatstrophe noch immer zahlreiche Häuser ohne hinreichende Heizmöglichkeiten. Daher haben in einem Gemeinschaftsprojekt unter Leitung der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) e.V. Regionalverband Mittelrhein die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) e.V., Malteser Hilfsdienst e.V. und Help – Hilfe zur Selbsthilfe e. V. insgesamt 50 Notheizungen anfertigen lassen, um diese betroffenen Familien in den Gemeinden Dernau, Rech und Mayschoß zur Verfügung zu stellen. Die ersten Heizungen sind in Dernau eingetroffen und werden in den nächsten Tagen installiert. „Wir Johanniter sind seit dem ersten Tag der Flutkatastrophe mit unterschiedlichen Hilfs- und Unterstützungsangeboten im Ahrtal im Einsatz. Von der Wiederaufbaugesellschaft Zukunft Mittelahr, die sich vor Ort für die Errichtung eines Nahwärmeversorgungsnetzes einsetzt, wurden wir gezielt zur akuten Heizproblematik angesprochen“, erläutert Christian Görg, Regionalvorstand Johanniter Mittelrhein, den Projekthintergrund. Da der Ausbau des Netzes stocke, müssten alternative Lösungen gefunden werden und man habe beschlossen, zu helfen. Mit dem ASB, den Maltesern und Help hätten sich schnell verlässliche Partner gefunden, um das Notheizungsprojekt voranzutreiben.
Eine Heizung kann drei Häuser versorgen
Finanziert wurden die Notheizungen aus Spendengeldern der Aktion Deutschland hilft (ADH). Gebaut wurden sie in Niedersachsen von einem Zusammenschluss aus Großhandel sowie Anlagen- und Heizungsbauern. Die Kosten pro Anlage belaufen sich auf rund 14000 Euro.
Die Heizleistung liegt bei je 24 Kilowatt (KW). „Jede Anlage kann bis zu drei Häuser mit Heizung und Warmwasser versorgen, da sie dezentral, im Garten oder in der Einfahrt, in einem kleinen Holzcontainer aufgestellt wird“, erläutert Christian Görg. Geplant sei aber zunächst ein Schlüssel von ein zu eins, das heißt je Haushalt eine Anlage.
Sparsam, mobil und flexibel einsetzbar
Betrieben werden die Notheizungen auf Öl-Basis, eine Umrüstung auf Gas und Flüssiggas ist möglich. „Der große Vorteil der Notheizungen: Sie sind recht sparsam, mobil und daher flexibel einsetzbar“, sagt Armeen Kolians, Projektleiter Hochwasserhilfe des Arbeiter-Samariter-Bund e.V. „Die Anlagen sind zur Überbrückung des akuten Versorgungsproblems gedacht. Wir rechnen damit, dass sie die kommenden zwei bis drei Jahre vor Ort zum Einsatz kommen“, ergänzt Wolfgang Heidinger, Bundesbeauftragter Fluthilfe des Malteser Hilfsdienst e.V. Sollte am aktuellen Bestimmungsort kein Bedarf mehr bestehen, ließen sich die Container nebst Heizanlage jederzeit abbauen, zwischenlagern und/oder an einem neuen Bestimmungsort einsetzen. Konkrete Pläne dazu gebe es bis dato allerdings noch nicht, wie Dirk W. Pieck, Programmkoordinator Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. zusammenfasst.
Alle Haushalte, die in den kommenden Wochen eine Notheizung erhalten, wurden über die jeweiligen Gemeinden und die Wiederaufbaugesellschaft Zukunft Mittelahr ermittelt. „Sollten weiterer Bedarfe bestehen, bemühen wir uns, auch hier schnellstmöglich zu helfen“, so Christian Görg. Betroffene Haushalte könnten sich an ihre Gemeinde in Dernau, Rech und Mayschoß wenden.
Die Notheizungen sind nach Angaben der Hilfsorganisationen auf Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit ausgerichtet. Wenn sie im Ahrtal nicht mehr gebraucht würden, könnten die Geräte ohne großen Aufwand bei Notsituationen an anderen Orten eingesetzt werden. So könne man sich durchaus vorstellen, die Notheizungen auf die Bundesländer zu verteilen, um so im Ernstfall schnellstmögliche Hild leisten zu können. Gelte es dabei, ganze Hauskomplexe zu beheizen, könnten dafür die Anlagen auch miteinander gekoppelt werden. Die für das Ahrtal entwickelten Notheizungen dienen folglich auch als Grundstock für künftige Hilfsaktionen.
GS
So sehen die mit Holz verkleideten Heizungshäuschen von innen aus.
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