Allgemeine Berichte | 25.05.2023, 09:34 Uhr

Die letzte Dernauer Gemeinderatssitzung wurde zur Mammutsitzung

Bald kein Fußball mehr in Dernau?

Dernau. Zu einer über dreistündigen Mammutveranstaltung wurde die aktuelle Dernauer Gemeinderatssitzung im Bürgerhaus: Insgesamt enthielt die Tagesordnung 22 Punkte. Dabei hatten einige Themen durchaus Brisanz. So wurde nach einer Initiative der Tennisabteilung des Sportvereins Blau-Gelb Dernau, bei elf Zustimmungen sowie drei Enthaltungen, ein Planungsauftrag für insgesamt drei Tennisplätze nahe der Ahr der beschlossen. Die Plätze sollen fast auf dem alten Terrain entstehen, rücken jedoch etwas näher zum Hang hin, und bis kurz hinter den Flutlichtmast an der Mittellinie des ehemaligen Fußballplatzes in Richtung Sportlerheim nach oben. Außerdem will die Tennis-Abteilung dort auch den Aufenthalts- und Lagerraum wieder aufbauen. Die gesamten Maßnahmen unterliegen jedoch der Zustimmung durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz - waren diese Bereiche bei der Flutkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli 2021 doch hoch überschwemmt. Bis jetzt war es immer einmütiges Ziel, einen Standort für eine gemeinsame Sportanlage - für alle Abteilungen des SV Dernau - zu finden. Diskutiert worden sind hierbei zwei Standorte: Auf dem Plateau oberhalb von Marienthal - nahe des Standorts der Grundschule Dernau - sowie einen weiteren auf der Höhe direkt hinter Dernau in Richtung Esch an der K 35. Diese Bündelung habe sich aber nicht realisieren lassen, so die Tennis-Abteilung in ihrem Papier. Der Vereinsvorsitzende, Fred Surges, betonte die Bedeutung der Anlage für den Tennissport; zumal man ohnehin Nachwuchsprobleme habe. Dies rief Ratsmitglied und Abteilungsleiter Fußball des Sportvereins Dernau, Marco Kriechel auf den Plan: Der Fußball habe noch viele junge Mitglieder, die aber bei Heim- oder Auswärtsspielen mangels eigener Plätze immer reisen müssten. Selbst zum Training, ergänzte Ratskollege Oliver Mauer. So sei es absehbar, dass es die Fußballabteilung in zwei Jahren nicht mehr geben werde, befürchtet Marco Kriechel. Und auch im Vorfeld hatte es Unstimmigkeiten zwischen Rat und der Tennis-Abteilung gegeben: Mit Schreiben vom 20. April 2023 hatte der Tennis-Abteilungsvorstand Vorwürfe gegenüber dem Gemeinderat erhoben: „Es sind inzwischen fast zwei Jahre seit der Flutkatastrophe vergangen, und der Wiederaufbau der Sportanlage Dernau gestaltet sich immer noch schwierig. Im letzten Jahr haben wir den Rat zweimal angeschrieben, Vorschläge erarbeitet und unsere Mitarbeit oder Mithilfe bei dem Projekt angeboten. Nach derzeitigem Informationsstand wäre wohl ein Wiederaufbau der Sportstätten unseres Vereins an mehreren Standorten, die platzmäßig einzig realistische Variante. Leider, ohne eine Rückäußerung von Ihnen zu erhalten.“

„Stimmt so nicht“

Dies brachte Ortsbürgermeister Alfred Sebastian, der die Sitzung souverän leitete, auf die Palme: Dies stimme so nicht. Man habe an etlichen Gesprächen zu diesem Thema teilgenommen. Und Sebastian mahnte auch: Sollten die Plätze erneut zerstört werden, werde es keinerlei Zuschüsse für einen Wiederaufbau mehr geben. Zum Wiederaufbau von flutgeschädigten Gebäuden im unbeplanten Dernauer Innenbereich (i.S.d § 34 BauGB) wurde ein Grundsatzbeschluss für eine mit einer Hochwasser angepassten Bebauung gefasst. Die Steuerhebesätze für das Jahr 2023 wurden bei der Grundsteuer A von 310 auf 345 % erhöht, bei der Grundsteuer B von 370 auf 465 Prozent. Bei der Gewerbesteuer blieb es bei 380 Prozent, weil diese zuletzt schon erhöht wurde. Bürgermeister Sebastian betonte in diesem Zusammenhang, dass die Stärkung der Einnahmenseite bei Zuschuss-Gewährungen eine Rolle spielen würde. Hierzu werde man durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) quasi gezwungen. Zu den neuen Einheitswerten ab 2025 führte Alfred Sebastian aus, dass hier noch vieles im Dunkeln liege. Haushaltssatzung und Haushaltsplan wurden einstimmig beschlossen. Vor allem der Flutkatastrophe geschuldet, entstand ein Jahresfehlbetrag von 95.472 Euro. Für ein kommunales Nahwärmenetz wurde mit der Ortsgemeinde Mayschoß kürzlich eine GmbH gegründet. Haushaltsmäßig konzentriert man sich auf die Schadensbeseitigung und den Wiederaufbau. Der Ergebnishaushalt sei nur schwer planbar. So seien Parkgebühren, Pachten sowie der Tourismusbeitrag weggebrochen. Darüber hinaus beabsichtigt die Ortsgemeinde Dernau Grundstückserwerbe für Baugebiete sowie zur Schaffung zusätzlicher gemeindlicher Infrastruktur zu tätigen. Hierzu wurden 200.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Weitere Projekte sind Planungsleistungen Tiefbau Weinbrunnenplatz sowie den Weinbrunnenplatz mit Ausschankgebäude und Bühne, Planungsleistungen WC-Anlage Weinbrunnenplatz sowie Bauleistungen am Dorfplatz „Pfarrgarten.“ Kritik gab es an „Westnetz“ für den problembehafteten Fortgang bei der Ortsbeleuchtung.

Dorf-Kümmerer

In Marienthal wurden bereits zahlreiche Maßnahmen aus Spendenmitteln finanziert. So konnte der Marienthaler „Dorf-Kümmerer“ Rolf Schmitt bei der Ratssitzung verkünden, dass der kleine Ort insgesamt 560.000 Euro zweckgebundener Flutspenden erhalten habe. Für die umfangreichen Arbeiten am Dorfplatz wurden 223.000 Euro eingestellt, „dass es weiter geht, und dort etwas Schönes entsteht,“ lobte Alfred Sebastian das große Engagement in dem mittlerweile zur Gemeinde Dernau gehörenden kleinen Ort. Das „Freundschaftshaus Marienthal Donauries“ war eine Spende aus dem Donau-Ries-Kreis. Der Platz erhielt bei der Ratssitzung jetzt auch offiziell seinen Namen „Donau-Ries-Platz.“ Bei der Ratssitzung wurde für das Gebäude eine Nutzungsvereinbarung getroffen. Zusätzlich wurde vom Rat eine „Priorisierung Dorferneuerung Dorfmitte Marienthal“ beschlossen.

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