Allgemeine Berichte | 12.03.2022, 15:48 Uhr

Hilfsaufruf des Deutschen Tierschutzbundes

Nicht-humanitäre Katastrophe rollt auf die deutschen Tierheime zu

Der Staat muss dringend präventiv handeln

Symbolbild. Foto: Alexas_Fotos/Pixabay
477

Bonn/Region. Der Krieg in der Ukraine sorgt für eine humanitäre Katastrophe, wie sie Europa seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Zugleich rollt aber auch eine nicht-humanitäre Katastrophe auf uns zu, die die deutschen Tierheime überfordern wird, wenn der Staat nicht handelt. Immer mehr Flüchtlinge kommen mit ihren Tieren nach Deutschland. Die Flüchtlingsunterkünfte verbieten aber Tierhaltung. Das führt dazu, dass Tiere in den örtlichen Tierheimen untergebracht werden sollen. Das bringt die ersten Tierheime in Not und sorgt bei den geflüchteten Familien, aber auch bei den Tieren für weiteres Leid durch die Trennung.

In den Tierheimen gibt es nicht genügend Aufnahmekapazitäten, zumal einige der Tiere zuerst in Quarantäne gehen müssen. Zudem sorgt die Betreuung der Tiere für Zusatzkosten, die bisher nicht ausreichend bis gar nicht durch die Kommunen erstattet werden. Darüber hinaus spüren die Tierheime die gestiegenen Kosten, etwa für Futter oder Heizung. Es ist zu befürchten, dass die Infrastruktur des praktischen Tierschutzes zusammenbricht, wenn nicht rasch gehandelt wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Tiere, die keiner Privatperson zuzuordnen sind, an der Grenze der Ukraine auf Rettung warten. Diese Tiere mussten zum Teil zurückgelassen werden, weil die Ausnahme für das erleichterte Verbringen von Tieren aus der Ukraine in die EU lediglich für private Transporte gilt und hier nur maximal fünf Tiere mitgenommen werden dürfen. Das Leid dieser Tiere wächst täglich, das gilt auch für die noch in der Ukraine befindlichen Tiere.

Die Tierschutzvereine und Tierheime wollen helfen: den Menschen und den Tieren. Daran besteht kein Zweifel. Wir fordern dafür aber massive Unterstützung durch Kommunen, Länder und den Bund.

Der Deutsche Tierschutzbund und seine Landesverbände und Mitgliedsvereine fordern die Kommunen und die politische Verantwortlichen zur sofortigen Umsetzung eines 7-Punkte-Maßnahmenkataloges auf:

  • In den Flüchtlingsunterkünften muss die Haltung von verträglichen Tieren, deren Gesundheitsstatus von einem Tierarzt überprüft wurde, sofort zugelassen werden.
  • Die vorgeschrieben Tollwutquarantäne sollte bundesweit mit tierärztlicher Beratung auch in Privathaushalten ermöglicht werden.
  • Für die Tiere, die vorübergehend in die Obhut eines Tierheimes gegeben werden, muss die zuständige Kommune eine Erstattung der Kosten zusagen.
  • Entstehende Tierarztkosten (z. B. Laborkosten für die Bestimmung der Tollwut-Antikörper-Titer oder Materialkosten für das Setzen eines Mikrochips) müssen geregelt sein und behördlich übernommen werden.
  • Kommunen und Länder müssen umgehend zusätzliche Quarantäneunterbringungen schaffen oder dafür sorgen, dass vorhandene, aber bislang nicht zugelassene Unterbringungsmöglichkeiten entsprechend umstrukturiert werden.
  • In der Europäischen Union muss ein Sonderhilfstopf aufgesetzt werden, aus dem Tierrettungen insbesondere entlang der Grenze finanziert werden.
  • Auch Tierschutztransporte von Tieren aus der Ukraine und private Transporte von mehr als fünf Tieren sollten unter die Einfuhr-Ausnahmeregelung fallen. Notfalls müsste vorausgesetzt werden, dass vor der Einreise das Ziel und die Unterbringung der Tiere geklärt sind.

Angesichts des Leids, das der von Wladimir Putin begonnene Krieg bedeutet, brauchen wir sofortige und unkomplizierte Lösungen, bei denen der Schutz von Menschen und Tieren im Vordergrund steht.

Brief an die Politik

Sehr geehrte Bürgermeister*innen,

sehr geehrte Landrät*innen,

sehr geehrte Ministerpräsident*innen,

sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

wir wollen helfen. Aber um helfen zu können brauchen wir Ihre Hilfe. Den Tierheimen wurden in der Vergangenheit immer wieder zusätzliche Aufgaben aufgelastet, ohne dass dafür eine kostendeckende Erstattung erfolgt ist. Angesichts dieser auf uns zurollenden Hilfswelle sind wir an unseren Grenzen angekommen.

Wir lassen die Menschen nicht alleine, aber genauso wenig die Tiere. Und wir danken den vielen Tierfreund*innen in Deutschland von Herzen, die bereits mit Spenden helfen. Das berührt uns sehr und wir wissen, dass sie auch weiterhin für uns und die uns angeschlossenen Tierheime da sind. Das macht Mut. Aber das alleine wird nicht reichen.

Pressemitteilung Deutscher Tierschutzbund

Symbolbild. Foto: Alexas_Fotos/Pixabay

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Innovatives aus Weißenthurm
Innovatives aus Weißenthurm
Stellenanzeige Personal & Orga, Presse & Wirtschaftsförderung
Premium-Titel 1
Anzeige Lagerverkauf
Empfohlene Artikel
Durchtrennen gemeinsam das Eröffnungsband im Konrad-Adenauer-Gymnasium, von links: Bert Sluyter, Dirk Bahrouz, Bürgermeister Sven Schnieber, Notburga Kunert sowie die Technische Beigeordnete Bianca Lorenz und der Erste Beigeordnete Hans Dieter Wirtz. Fotos: Stadt Meckenheim
659

Meckenheim. Im Rahmen eines feierlichen Akts und im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Verwaltung, Schulen und der am Bau beteiligten Unternehmen hat Bürgermeister Sven Schnieber die Neubauten am Schulcampus Meckenheim eingeweiht. In seiner Ansprache hob er die herausragende Bedeutung des Projektes hervor und dankte allen Akteurinnen und Akteuren für den gemeinsamen Erfolg.

Weiterlesen

achtung baustelle
831

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
129

Plaidt. Am 12.10.2026 gegen 16:10 Uhr ereignete sich ein Verkehrsunfall auf der Bundessstraße 9 in Fahrtrichtung Koblenz, im Bereich der Auffahrt von der B 256/Plaidt aus kommend. Ein derzeit nicht näher bekanntes Gespann, bestehend aus einem Zugfahrzeug und einem Anhänger, befuhr die besagte Auffahrt und verlor im Kurvenbereich Teile seiner unzureichend gesicherten Ladung in Form von zwei Betonblöcken.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die neue Ahrufermauer in Mayschoß nimmt Gestalt an
724

In Mayschoß läuft der Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe 2021 schwer beschädigten Ahrufermauer auf Hochtouren. Zwischen dem Waagplatz und der Winzergenossenschaft entsteht eine neue, hochwasserangepasste Ufermauer auf tief gegründeten Bohrpfählen. Die Fertigstellung ist bis Sommer 2027 vorgesehen.

Von Nicolas Bäcker aus Dernau

Weiterlesen

Los gehts! Die Ehrenamtlichen des foodsharing-Bezirks Mayen machen sich auf, die übrigen Lebensmittel der Lukasmarktstände vor dem Wegwurf zu bewahren.
68

Mayen. Wenn die Lichter des traditionellen Lukasmarkts ausgehen und das Abschlussfeuerwerk verklungen ist, beginnt für ein ganz besonderes Team die wichtigste Schicht. Auch in diesem Jahr – und damit bereits im vierten Jahr in Folge – waren die Ehrenamtlichen von **foodsharing Mayen** am Sonntagabend im Einsatz, um übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.

Von foodsharing Mayen Lebensmittelrettung aus Mayen

Weiterlesen

Kater Carlo
120

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.

Kater Carlo sucht Für-immer-Zuhause

Der stattliche Scottish Fold-Mix Kater Carlo (*ca. 1.6.2023 - Freigang oder Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon) tauchte eines Tages im Garten einer katzenfreundlichen Dame auf, die ihn auch gerne aufgenommen hätte, aber die dort lebende Katze hatte erhebliche Einwände.

Von Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. aus Schalkenbach

Weiterlesen