Hochwasser: Die zentrale Sinziger Sportstätte ist ein kompletter Totalschaden

Über 100 Helfer packten im Rhein-Ahr-Stadion mit an

23.08.2021 - 16:27

Sinzig. Am frühen Samstagmorgen heulen die Motorsägen kreischend auf dem „heiligen Rasen“ im Sinziger Rhein-Ahr-Stadion. Der SC Rhein-Ahr Sinzig und der TV Sinzig hatten am vergangenen Samstag zum Anstoß zur großen Aufräum-Aktion im Stadion im Grünen Weg aufgerufen. Und weit über 100 Helferinnen und Helfer, darunter sehr viele junge Menschen, folgten diesem Aufruf zur zentralen Sportstätte der Stadt Sinzig.

Mit ihrem oft so hochgelobten heiligen Rasen ist übrigens nicht mehr weit her. Das Grün im Rhein-Ahr-Stadion gleicht eher einer dörflichen Blumenwiese.

Allenthalben wird geräumt: Schweres Gerät zieht Dutzende von angeschwemmten oft kompletten Bäumen aus dem Gelände, die dann anschließend per Kettensäge zerkleinert werden. Es gilt jede Menge Schutt, Geröll, Schlamm und Müll wegzuräumen. Aus den Umkleidekabinen schaffen Helfer den noch sehr feuchten und über die Knöchel hoch stehenden Schlamm heraus. Das Sportplatzgelände hat immense Schäden erlitten. Betroffen vor allen Dingen Sinzigs größter Verein, der TV Sinzig, denn nicht nur dessen Leichtathleten sind in diesem Stadion zu Hause. Gleiches gilt natürlich für die Kicker des SC Rhein-Ahr Sinzig.


Weitreichender Flurschaden


Beim TV Sinzig gab es zunächst ein kleines Pflänzchen Hoffnung. Nämlich, dass die Flut die beiden Stadionköpfe doch nicht komplett geschädigt hat. Der Tartanbelag ist unter einer dicken Schlammschicht nicht mehr zu sehen, doch das Ergebnis der ersten Inspektion ist mehr als ernüchternd. Der Unterbau der Tartan-Konstruktion ist durch die Fluten der Ahr komplett beschädigt. Die Arbeit ist damit auch komplett vernichtet. Mitten im eifrigen, engagierten Gewusel stets sehr gefasst TV-Vorsitzende Waltraud Thormann. Die Chefin des größten Sinziger Sportvereins zieht eine erste Bilanz. Im Rhein-Ahr-Stadion und an der direkt auf dem anderen Ufer liegenden großen Rudi-Altig-Halle hat der größte Sinziger Sportverein wohl Material im Wert von rund 100.000 Euro verloren. Ein kompletter und verschlossener Lagercontainer ist mit den Fluten davon geschwommen. Aber auch die Bälle, Trainingsgeräte und die Ausrüstung des SC Rhein-Ahr Sinzig sind entweder in den Wassermassen verschwunden oder nicht mehr zu gebrauchen. An mehreren Stellen ist die Ahr vom Grünen Weg her durch Hecke und Zäune gebrochen und hat riesige Mengen Schlamm abgelagert, die Laufbahnen im Stadion sehen wellenförmig aus wie ein einziger großer Sandkasten. Unermüdlich räumen am Samstag die Helfer. Der Nebenplatz des Rhein-Ahrstadions sieht dagegen fast schon gut aus. Doch auch hier gibt es einen Trugschluss. Denn der Platz ist mit schwerem Gerät planiert worden, um große Container für Wasser Abwasser und Wasser-Öl-Ggemische aufstellen zu können. Der Platz selbst und seine Ausstattung sind ebenfalls komplett zerstört.

Noch vor Wochen beherrschte die Diskussion über eine neue Tartanbahn im Stadion die Sinziger Kommunalpolitik. Doch so richtig sanieren lässt sich das Stadion wohl auch nicht mehr. Letztlich steht wohl ein kompletter Neubau an. Und da sieht dann Stefanie Jüris vom TV 08, die mit Ehemann und fast der gesamten Familie zum Helfen angerückt ist, auch eine Chance. „Wenn man neu baut, dann aber richtig mit neuem Rasen neuer Tartanbahn und einem Kunstrasenbelag auf dem Nebenplatz“.

Bei den Aufräumarbeiten im Rhein-Ahr-Stadion sind so viele Helfer und so viel schweres Gerät gekommen, dass auch gleich erste Aufräumarbeiten in den benachbarten Straßenzügen Grüner Weg, Am Teich und Kripperstraße vorgenommen werden konnten. Dort türmte sich immer noch der Sperrmüll und der Bauschutt an den Straßenrändern meterhoch. Zumindest teilweise konnte hier Abhilfe geschaffen werden. Die Sinziger Feuerwehr verteilt vor der Sportstätte Handschuhe aller Art, Eimer, Schippen und Masken. Aber auch hochwertige Akkus und Stromaggregate aller Größen sind im Angebot. Die Verpflegung der zahlreichen Helfer und Helferinnen wurde zum großen Teil über private Initiativen den ganzen Tag über sichergestellt.


Zerstörte Infrastruktur


In unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadion lässt sich aber auch beobachten, wie die Flutkatastrophe in die gesamte Infrastruktur nicht nur der Stadt, sondern auch überregional hineingeschlagen hat. An der nur wenigen 100 Meter entfernten zentralen Kläranlage des Abwasserzweckverbandes laufen die Instandsetzungsarbeiten auf Hochtouren. Die Richtungsfahrbahn Koblenz der Ahr-Brücke der B9 ist mittlerweile abgerissen, zerkleinert und entsorgt. In direkter Nachbarschaft liegt das arg geschundene Vereinsheim der Spielleute von Freiweg und auch an der auf dem anderen Ahr-Ufer gelegenen Rudi Altig Halle sind ebenso wie an der großen Sporthallen des Kreises (Rheingymnasium) umfangreiche Sanierungsarbeiten vonnöten. Auf dem anderen aber Ufer hatte in den vergangenen Jahren das Sinziger Bürgerforum mit Relaxliegen und Baumpflanzungen zahlreiche Verschönerungsarbeiten geleistet, die durch die Fluten nun ebenfalls dahin sind. Es ist die Bandbreite und das Ausmaß der Zerstörungen und Schäden die auch Wochen nach der Flutkatastrophe immer noch fassungslos machen. Und natürlich ist es viel zu früh, über Geld zu reden. Aber alleine der Neubau des Stadions und die Behebung der Schäden an der Infrastruktur in seiner unmittelbaren Nachbarschaft werden viele Millionen Euro kosten. Und zwar richtig viele, wenn man alleine an die Kläranlage und die B9 Brücke denkt. Aber auch der Neubau des Stadions und seines Nebenplatz dürfte richtig viel Geld kosten.

Den meisten der Helfer, die ja oft auch in den beiden großen Sinziger Vereinen TV Sinzig und SC Sinzig engagiert sind, ist klar, dass sie mit ihren Aufräumarbeiten einen Totalschaden etwas aufhübschen. Aber der Schlamm muss ja erst zunächst einmal weg. Dann kommt wohl die Zeit der Gutachter und Fachleute. Für die aktiven Sportler in Sinzig bleibt zu hoffen, dass die großen Worte der großen Politik von schneller und unbürokratische Hilfe auch wirklich schnell und unbürokratisch umgesetzt werden. Denn sonst dürfte es Jahre dauern, bis in einem neuen Rhein-Ahr-Stadion tatsächlich wieder Sport getrieben werden kann oder die Fußballer dann wieder auf einem neuen „heiligen Rasen“ auflaufen können. BL

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