Allgemeine Berichte | 21.10.2021, 08:17 Uhr

Seelsorge in Hochwassergebieten - Das Kirchenmobil ist regelmäßig in Bad Neuenahr-Ahrweiler unterwegs

Ahrtal: „Die Not wird nicht geringer“

Bad Neuenahr. Neben dem Verkaufswagen des Metzgers und vor der Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr steht ein weißer Transporter. Die Markise ist ausgefahren, zwei Campingstühle stehen darunter und auf den Tischen stehen zwei volle Obstkörbe, den dritten hält gerade Christoph Storb in der Hand und geht auf eine ältere Dame zu: „Ich habe eine Stärkung für Sie“. Ein wenig unsicher greift die Frau zu einer Banane. „Einfach so?“, fragt sie. Ja, denn der Diakon aus dem Dekanat Völklingen und sein Team von „kirche:mobil!“ sind zwar von der katholischen Kirche, aber sie sind nicht hier, um Menschen im allgemeinen Verständnis zu missionieren. Sie haben ein offenes Ohr oder wünschen einfach einen guten Tag. 200 Passanten werden sie an diesem Tag so begegnen.

Oder sie helfen der älteren Dame weiter, die den Mosesparkplatz sucht. Eine junge Frau kommt gerade aus einer Arztpraxis mit einer Diagnose, die sie noch nicht richtig einzuordnen weiß. Martina Zimmer (Pastoralreferentin im Dekanat Losheim-Wandern), Hans-Josef Puch (Diakon mit Zivilberuf in der Pfarreiengemeinschaft Schweich) und eben Christoph Storb hören mitfühlend zu. Aus diesen kurzen Moment können sich durchaus längere Gespräche ergeben, wissen die Team-Mitglieder, die rund um Christoph Storb in wechselnder Besetzung dabei sind. „Es ist ganz anders als Seelsorge daheim“, sagt Storb. „Es ist drastischer und die Probleme existenzieller. Da gibt es die, die sich freuen, dass sie wieder Gas haben, aber dann haben sie keinen Installateur, der es einschließt.“ Das bedeutet im Umkehrschluss weiterhin kalt zu duschen.

„Viele ältere Menschen sind nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gezogen, weil zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten fußläufig zu erreichen waren. Jetzt funktionieren Aufzüge nicht, Geschäfte sind geschlossen und überall hört man Baulärm – alles ist zerstört“, gibt Martina Zimmer einige Gesprächsthemen wieder. „Als Kirche haben wir die besondere Pflicht auf die Menschen zu achten, die nicht so hinterher kommen, die beispielsweise kein Internet oder Smartphone haben“, so Storb. „Und immer wieder ist die Flutnacht Thema“, ergänzt Martina Zimmer. „Wenn die Menschen etwas Zeit haben, dann kommen die schmerzlichen Erinnerungen hoch“, spricht Puch von seinen Erfahrungen während vergangener Einsätze im Ahrtal.

Das Engagement wird in den nächsten, kälteren Wochen fortgesetzt. „Die Not wird nicht geringer“, weiß Storb. Im wöchentlichen Wechsel ist das Mobil an der Rosenkranzkirche (das nächste Mal am Montag, 25. Oktober) oder am Bahnhof in Ahrweiler (Freitag, 5. November) zu finden. Informationen rund um die Arbeit des Bistums Trier angesichts der Flutkatastrophe sind unter t1p.de/hochwasser-hilfe zu finden.

Bei kirche:mobil! handelt es sich um ein Projekt der katholischen Kirche im Dekanat Völklingen, das finanziell durch das Bistum Trier und die Bischof-Stein-Stiftung gefördert wird. Im Saarland steht das Mobil seit Anfang 2020 unter anderem auf Wochenmärkten oder an Spielplätzen. Es ist ausgestattet mit einer Kaffeemaschine, gemütlichen Sitzmöbeln und auch Spielen sowie Impulsen. Bei den Einsätzen an der Ahr gibt es zusätzlich noch Informationskärtchen mit Angeboten der katholischen und evangelischen Kirche sowie Impulse. Pressemitteilung Bistum Trier

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