Gelebter Tierschutz im Krisengebiet

Flutgebiete: Tierschützer retten 110 Tiere

Flutgebiete: Tierschützer retten 110 Tiere

Auch diese sehr alte Flutopferkatze wurde gerettet. Foto: privat

22.09.2021 - 09:33

Kreis Ahrweiler. Was die ehrenamtlichen Helfer der zwei Tierschutzvereine seit Wochen leisten, ist unvorstellbar. 110 Tiere insgesamt konnten von den Vereinen Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. und dem Tierschutz Wachtberg e.V. gerettet werden.


„Wir gehen an unsere Grenzen und noch darüber hinaus“, so Andrea Brezina, Vorsitzende der Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. und Iris Tenorth, Vorsitzende des Tierschutz Wachtberg e.V. Die Tierschützer warten nicht bis ein Tier gebracht wird, sondern gehen auf die Suche. Aber genau das ist unglaublich anstrengend und fordert den Ehrenamtlern alles ab.

Denn mit dem Anlegen, Pflegen und Überwachen der ca. 20 Futterstellen beginnt die Arbeit und geht weiter mit den zahlreichen Nächten, in denen Fallen gestellt und die ganze Nacht überwacht werden. Wird eine hilfesuchende Katze gesichert, folgt die sofortige Erstversorgung - diese demnach auch meistens nachts. Evelyn Stieber, Schriftführerin der KSF, die die Fangaktionen von Tag eins leitet nahm zwei Wochen Urlaub und folgte dem Gefühl, unbedingt Katzen retten zu müssen. Keine Fahrt war zu viel und an Schlaf war kaum zudenken. Das zehrt an den Kräften der Tierschützer, die diese ehrenamtlich, oftmals auch neben ihrer regulären Arbeit, nachgehen. Der Zusammenhalt und das gefühlvolle Miteinander dieser Ehrenamtler sind hervorzuheben.

Glücklicherweise werden weiterhin noch Tiere gefunden, die sich entweder an höher gelegene Regionen retten konnten oder flussabwärts in anderen Ortschaften durch die Tierschützer gefunden wurden.

Zahlreiche Katzen konnten die Katzenschutzfreunde in den Wochen nach der Flut aus der katastrophalen Umgebung im Krisengebiet retten. Es konnten 51 Besitzer wieder mit ihren Katzen vereint werden, die ihr geliebtes Haustier bereits Tod glaubten. Wunderbare Glücksmomente für Retter, Besitzer und Tier, oftmals liefen Freudentränen, Begegnungen die Niemand so schnell vergisst. Und genau diese Momente sind es, die die Ehrenamtler trotz größter Erschöpfung weitermachen lassen und zeigen, dass sich die Anstrengungen aller Helfer und Unterstützer in den letzten Wochen mehr als gelohnt haben.


Auch negative Erlebnisse


Leider haben die Tierschützer auch Negatives erleben müssen. Nicht ortsansässige Vereine, die aktuell werbewirksam mit Prominenten im Ahrtal unterwegs sind, beauftragten die zwei Tierschutzvereine, die von ihnen gefangenen Tiere in Obhut zu nehmen, leider ohne vorherige Absprache. Natürlich wurde im Sinne des Tieres geholfen. Doch die Spenden gingen leider an die prominenten Vereine und nicht an die eigentlichen Helfervereine, die die ganzen Unkosten hatten. Die größte Arbeit beginnt nach den Einfangaktionen. Beispielsweise wurden Degus gefunden und der Wachtberger Verein musste auf die Schnelle Volieren bauen lassen, um die Tiere unterzubringen. Pflegestellen für Hunde mussten überraschend eingerichtet werden, ohne vorherige Informationen über deren Charakter/Wesen, oder Ernährungsgewohnheiten zu haben. Traumatisierte Tiere sind sehr schlecht einzuschätzen und die Tierschützer brauchen für diese gebeutelten Tiere nicht nur Geduld, viel Zeit, sondern auch Sachverstand. Gerade das, was die Unterbringung bei Hunden sehr schwierig macht. Hier hätte man sich eine weitaus bessere und sensiblere Zusammenarbeit mit den nicht ortsansässigen Vereinen gewünscht. Nicht zu vergessen ist, dass das „Alltagsgeschäft“ der Tierschützer fortgeführt werden muss. Die in Not geratene Tiere, unabhängig von der Flut werden natürlich weiter aufgenommen und versorgt, wenn aber die Gelder nicht vorhanden sind, kann keinem Tier mehr geholfen werden.

Deshalb haben beide Vereine eine Bitte: „Spendet weiterhin auch an die Vereine, die seit dem ersten Tag nach der Flut agieren, auch wenn diese Vereine nicht so häufig in den Medien erscheinen. Diese sind bestimmt gerade wieder für die Tiere im Einsatz und setzen sich mit all ihren Kräften ein, hilfesuchende Tiere zu retten, zu versorgen und sie wieder mit ihren Besitzern zu vereinen.“

Vielen Dank.


Weitere Informationen


Hotline: 02646/915928 oder info@katzenschutzfreunde.de

HP: www.katzenschutzfreunde.de

Hotline: 0151/61689537 oder info@tierschutz-wachtberg.de

HP: www.tierschutz-wachtberg.dederelefon

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Kommentare
Klaus Rinke:
Sehr guter erster Schritt für die Betroffenen.Und der Vorschreiben oben ......nur Rummotzen sonst nichts?Anstatt das zu Unterstützen erstmal nieder machen.Lachhaft so etwas.Es wird etwas Gutes Geschaffen und nur das zählt....
J.Thul:
Ich kann dem G. Friedrich zustimmen , das sind mehr Fertig- Garagen als was zum wohnen ! Da könnte man sich mehr einfallen Lassen ! Da wird man wirklich depressiv drin ! Ist ok für Bauarbeiter auf Großbaustelle in Afrika , aber nicht für die Senioren im Ahrtal..........
Manfred Jackl:
Was soll bitte der Negative Kommentar Hr/Fr Friedrich? Waren sie schon vor Ort und haben Sie es in Augenschein genommen? Anstatt dieses Engagement zu würdigen, fällt Ihnen nichts besseres ein, als es mies zu machen! Ich freue mich für die Senioren, dass diesen eine solche Möglichkeit geboten wird....
juergen mueller:
Ich bin auch dafür, dass unsere Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, eine Vergangenheit u. deren Vergessen, an die wir wohl ein Leben lang immer wieder erinnert werden u. mit uns Generationen. Doch das sollte Grenzen haben, da es, wie andere Geschehnisse, zur deutschen Geschichte gehört, wie...
A.Hoffmann:
Ergreifende Bilder aber der Bildanzeige hätte man eine Funktion zum ausblenden hinzufügen müssen...
 
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