Ein Jahr Flutkatastrophe:

IHK zieht Bilanz über Wirtschaft im Ahrtal

08.07.2022 - 14:19

Koblenz/Ahrtal. Am 14. Juli 2022 jährt sich die Flutkatastrophe im Ahrtal. Rund 800 IHK-Mitgliedsbetriebe wurden stark beschädigt oder zerstört. Wie die Wirtschaft heute dasteht, darum ging es im Gespräch mit der IHK Koblenz.

„Im letzten Jahr sind zahlreiche Ideen für den Wieder- bzw. Neuaufbau bei den Zukunftskonferenzen entstanden „, erinnert sich IHK-Vizepräsident Jörg Schäfer, der mit seinem REWE Markt in Bad Neuenahr ebenfalls von der Flut betroffen war. „Bei all den guten Ideen ist es nun entscheidend, dass sie nicht vergessen, sondern zeitnah umgesetzt werden.“ Schnelle Umsetzung sei auch in Bezug auf die Infrastruktur das Stichwort: „Straßen, Wege, Kanalisation und Fernwärme müssen jetzt in Stand gesetzt werden. Nur so können Handel und Tourismus wiederbelebt werden.“


Frist endet Mitte nächsten Jahres


Die Unternehmen ruft Jörg Schäfer dazu auf, ihren Antrag auf Wiederaufbauhilfe zeitnah bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) einzureichen. Insgesamt sind 265 Anträge von betroffenen Unternehmen und Freiberuflern aus ganz Rheinland-Pfalz bei der ISB eingegangen. „Das ist viel zu wenig. Die Zeit drängt“, so Schäfer. Die Frist zur Antragsstellung endet am 30. Juni 2023. „So ein Jahr vergeht wie im Flug, Unternehmen sollten nicht unterschätzen, wie lang allein die Erstellung des Gutachtens dauern kann.“

Mit Blick auf den komplizierten Beantragungsprozess der Wiederaufbauhilfe appelliert der IHK-Vizepräsident an die Unternehmen: „Wir lassen Sie mit der Antragsstellung nicht allein – melden Sie sich bei der IHK und holen Sie sich Unterstützung!“. Insgesamt hat die IHK im Laufe des Jahres mehr als 3000 Beratungsgespräche geführt, sowohl über die IHK-Hochwasser-Hotline als auch in der IHK-Regionalgeschäftsstelle oder bei den Betrieben vor Ort. Individuelle Fälle bespricht die IHK in regelmäßigen Austauschrunden direkt mit der ISB, dem Wirtschaftsministerium und weiteren Kammern. In dreißig Betrieben konnten ehrenamtliche IHK-Lotsen mit ihrer Expertise als ehemalige oder auch aktive Geschäftsleute und Führungskräfte, Hilfe vermitteln, wo sie dringend gebraucht wird.

Speziell für Unternehmen, die bisher noch keinen Antrag auf Aufbauhilfe gestellt haben, führt die IHK gemeinsame, kostenfreie Beratungstage mit der HwK, dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz sowie der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) in der Ahr-Akademie in Bad Neuenahr-Ahrweiler durch.

Das von der Politik gegebene Versprechen von unbürokratischer und schneller Hilfe habe hohe Erwartungen geweckt. „Doch mittlerweile merken die Unternehmen, dass diese nur teilweise erfüllt werden und vieles wieder den gewohnten, bürokratischen Genehmigungsprozessen nachgeht,“ berichtet IHK-Regionalberaterin Anne Glück. Vor allem im Baurecht müssten Entscheidungen schneller getroffen werden.


Entlastung für die Unternehmen


Eine Entlastung für die Unternehmen wäre eine Verlängerung der Unterstützungszahlungen, wie das Kurzarbeitergeld oder der Ausgleich der Einkommenseinbußen. „Die Fristen von zwölf bzw. sechs Monaten reichen nicht aus. Viele Unternehmen können wegen der großen baulichen Herausforderungen erst nächstes Jahr wieder eröffnen. Doch hier versteckt sich die Politik hinter EU-Richtlinien, statt Perspektiven, wie beispielsweise neue Sonderförderprogramme, zu eröffnen,“ so Glück.

Ein weiterer Faktor, der den Wiederaufbau für Unternehmen erschwert, sei die Kostenerstattung von lediglich 80 Prozent des Zeitwerts: „Es ist unrealistisch, damit ein Unternehmen wieder aufzubauen, die Betroffenen müssen hohe Kredite aufnehmen“, erklärt die Regionalberaterin.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Ahrtal: „Vor allem Betriebe aus dem Hotel- und Gastronomiebereich haben hohe Kredite aufgenommen, um ihren Gästen ein Wohlfühlerlebnis zu ermöglichen und das Ahrtal in neuem Glanz erscheinen zu lassen. Überall gibt es Angebote zu neuen Wanderwegen oder Ausflugszielen, die nicht von der Flut betroffen waren, da alles andere zu lange dauert.“

Für den Handel ist es nun besonders wichtig, dass das touristische Angebot wieder angenommen wird. „Viele haben neue Konzepte ausgearbeitet, mit denen sie an den Start gehen oder auch den Onlinehandel stärker in den Fokus genommen,“ ergänzt Jörg Schäfer. „Hier ist es besonders wichtig, dass Straßenzüge nicht genau dann wieder aufgerissen werden, wenn die Händler gerade wieder startklar sind.“


Hochwassersichere Standorte dringend benötigt


Die Industrie ist auf hochwassersichere Gewerbegebiete angewiesen. Auch hier klagen die Unternehmen über zu lange Entscheidungswege. Außerdem machen sich Lieferschwierigkeiten bei den Maschinen bemerkbar: „Hier geht der Dank an viele überregionale Betriebe, die sich sehr solidarisch gezeigt haben und selbst ihre Mitbewerber mit Lagerflächen und Maschinenkapazität unterstützt haben. Nun gilt es aber auch vor Ort neue Gewerbeflächen auszuweisen,“ so Glück.

Unternehmen, die Unterstützung bei der Antragsstellung benötigen oder sonstige Anliegen zum Wiederaufbau haben, können sich an die IHK-Regionalgeschäftsstelle Bad Neuenahr-Ahrweiler, an die zentrale Hotline (0261-106-502) oder per E-Mail unter fluthilfe@koblenz.ihk.de wenden. Die nächsten Beratungstage finden am 27.7., 14.9., 26.10. 2022 oder auf Nachfrage statt.

Außerdem bietet die IHK - auch in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern - zahlreiche Veranstaltungen für die Unternehmen im Kreis Ahrweiler zum Thema Wiederaufbau nach der Flut an: www.ihk.de/koblenz/andieahrbeit.

Pressemitteilung

IHK Koblenz

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Stellenmarkt
Weitere Berichte

Sportwoche des SV Eich

Ein Fest für Sport und Ehrenamt

Eich. Vom 1. bis 7. Juli veranstaltet der SV Eich wieder eine Sportwoche, um die Liebe zum Sport und Ehrenamt zu feiern. Nach der Eröffnung am Montag um 17:30 Uhr auf dem Eicher Horeb mit 30 Litern Freibier gibt es am Montag und Dienstag Einlagespiele der JSG. Am Mittwoch laden die Alten Herren zum Kleinfeldturnier ein und spielen den 2. AH-Horeb-Cup aus. Weiter geht es am Donnerstag in der Turnhalle... mehr...

Hangsicherungsmaßnahme an der B 49 zwischen Moselweiß und Lay

Bauarbeiten für den neuen Steinschlagschutzzaun

Koblenz. Bereits im Jahr 2021 ereignete sich ein größeres Steinschlagereignis, in dessen Folge die B 49 im Bereich des ersten Parkplatzes zwischen Koblenz und Lay, Fahrrichtung Lay, durch zum Schutz der Fahrbahn aufgestellte Betongleitwände eingeengt wurde. Nach Begutachtung durch das Landesamt für Geologie und Bergbau wurde die Notwendigkeit zur Errichtung eines Steinschlagschutzzauns gesehen. Im... mehr...

Regional+
 

Ameisenschutzwarte und Forstwirte schützen Waldameisen

Ameisenschutz im Fokus

Andernach-Kell. Wuselig geht es im Forstrevier Andernach-Kell zu, denn überall wo man auf den Erdboden schaut, sieht man die Kahlrückige Waldameise laufen. Das entstandene Gewusel kommt von Arbeiten, die nicht von den Ameisen selbst vollzogen werden, sondern von einem ganz besonderen Team, das im Sinne der Ameisen handelt. Drei Mitglieder der Deutschen Ameisenschutzwarte siedeln mithilfe der Forstwirte des Forstrevieres Laacher See den Staat der Ameisen um. mehr...

Fairer Handel beim „Sprudelnden Sinzig“

Sinzig. Es gehört schon zu den fest eingeplanten Terminen des Fördervereins Fairer Handel Sinzig e.V., sich in Kooperation mit dem Bürgerforum Sinzig am Stadtfest „Sprudelndes Sinzig“ zu beteiligen. Viele Besucherinnen und Besucher machten Halt am Stand und informierten sich über die fair gehandelten Waren. Die Aktiven der Fairtrade-Gruppe freuten sich über das große Interesse und den guten Umsatz.... mehr...

Anzeige
 
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte
Pkw zerkratzt und Reifen zerstochen

Vandalismus in Vettelschoß: Unbekannte Täter beschädigen Fahrzeug

Pkw zerkratzt und Reifen zerstochen

Vettelschoß. Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht auf Donnerstag einen in der Straße Am Walde in Vettelschoß abgestellten Pkw zerkratzt und den linken Vorderreifen zerstochen. mehr...

Beamtin deckt dreisten Schwindel auf

24-Jähriger versucht Polizei mit falscher Verlustmeldung zu täuschen.

Beamtin deckt dreisten Schwindel auf

Troisdorf. Am Mittwochabend, 12. Juni gegen 21 Uhr erschien ein 24-jähriger Kölner auf der Polizeiwache Troisdorf. Der junge Mann gab an, einen Termin bei seinem Steuerberater in Bonn wahrgenommen zu haben. mehr...

Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren können sich bewerben

Jugendmedienworkshop im Deutschen Bundestag

Region. „Wer Lust hat, bei einem spannenden und abwechslungsreichen Workshop-Programm zum medialen und politisch-parlamentarischen Alltag in der Bundeshauptstadt mitzumachen, sollte sich unbedingt für... mehr...

Alexander Weber
folgt auf Werner Spitzley

Neuer Ortsbürgermeister in Ettringen gewählt

Alexander Weber folgt auf Werner Spitzley

Ettringen. Am 9. Juni waren die Bürgerinnen und Bürger der Ortsgemeinde Ettringen aufgerufen, einen neuen Ortsbürgermeister zu wählen. Alexander Weber von der CDU stellte sich als einziger Kandidat zur Wahl. mehr...

Radsportfestival „MyEifelRide“ in Mayen

Am 22. und 23. Juni findet die neue Breitensportveranstaltung des RSC Eifelland Mayen statt

Radsportfestival „MyEifelRide“ in Mayen

Mayen. Nach 40 Jahren Erfahrung mit der klassischen „Eifellandrundfahrt“ geht der RSC Mayen mit dem Radsportfestival „MyEifelRide“ neue Wege und bietet ein modernes Angebot für verschiedene Zielgruppen. mehr...

Tennis im TuS Kehrig 1926 e.V.

Platzeröffnung und Schleifchen-Turnier

Kehrig. Am 13. Juli lädt die Tennis-Abteilung des TuS Kehrig zur Platzeröffnung sowie zum Schleifchen-Turnier nach Kehrig ein. Um 11 Uhr startet das Doppel-Schleifchen-Turnier. Die Paarungen hierzu werden vor jedem Spiel ausgelost. mehr...

LESETIPPS
GelesenNeueste
Kommentare
Amir Samed :
Die Ampel-Regierung in Berlin ist moralisch und inhaltlich vollkommen am Ende, warum da noch irgendwelche Versprechen umsetzen? Wer diesen Leuten auch nur noch ein Wort glauben schenkt, dem ist nicht mehr zu helfen....

Prinz Metfried zu Wied verstorben

Jörg Israel:
Metfried zu Wied (1935-2024) war der Bruder vom 7. Fürst zu Wied, Friedrich Wilhelm (1931-2000). Sein Sohn, der 8. Fürst zu Wied, war Carl (1961-2015) und dessen Sohn, Maximilian (*1999) ist der 9. Fürst zu Wied. Somit war Metfried der Großonkel von Maximilian zu Wied. Fragen ist immer besser, als Desinteresse....
Robert Kowallek:
@Robin Klöppel: Metfried war der Bruder von Maximilians Großvater Friedrich Wilhelm, daher ist Großonkel korrekt. Der Vater von Maximilian war Friedrich Wilhelms Sohn Carl....
Robin Klöppel:
Wieso Großonkel, war er nicht der Bruder seines Vaters?...
Werner Dahms:
Wer den Pfad zwischen Burg Eltz und der Ringelsteiner Mühle kennt, weiß, das dort Radfahrer eigentlich nichts verloren haben. Der Pfad ist schmal, mit teils steilem Hang zum Bach hinunter, auch der Begegnungsverkehr mit Wanderern ist dort immer problematisch....
Haftnotiz+
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Service