Allgemeine Berichte | 07.08.2022

376 Tage nach der Flut öffnete die Bäckerei und Konditorei Schragen in Ahrweiler wieder ihre Türen für die Kundschaft

Neustart nach der Flut: „Schön, dass Ihr wieder da seid!“

Es geht wieder weiter: Jacqueline und Volker Schragen mit ihrem neuen Holzbackofen.Foto: ROB

Ahrweiler. In Ahrweiler ist das Handwerk eine Nummer für sich. Allseits geschätzt, prägen doch die vielen Unternehmen das Ortsbild und stiften Identität. Und das gilt auch für die Ahrweiler Bäcker, die in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert haben. So hoch, dass bereits zwei größere Back-Ketten, die einst in der urigen Altstadt Fuß fassen wollten, die Segel streichen mussten. Einer der Handwerksmeister hier ist Volker Schragen. Gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline betreibt er die gleichnamige Bäckerei und Konditorei in der Ahrhutstraße. Die Nähe zum namensgebenden Fluss wurde der Familie, die ihren Wohnräume über der Backstube hat, zum Verhängnis: Am 14. Juli 2021 drückten die Wassermassen in ihren Laden und des Resultat war ein Totalschaden. Die Innenräume waren zerstört, Schaufenster geborsten und die Maschinen im Backraum kaputt. Doch heute geht es wieder weiter und Schragens Tür steht wieder offen.

Dass die Bäckerei etwas mehr ist als eine Möglichkeit zur Nahversorgung zeigt sich schnell. Passanten grüßen freundlich in den Verkaufsraum. „Schön, dass ihr wieder da seid“, heißt es immer wieder. Das bestätigt auch Jaqueline Schragen, die den Verkauf leitet und süße Tortenstücke und kernige Brotlaibe an die Kunden ausgibt. „Wir haben eine tolle Resonanz bekommen, als wir wieder aufgemacht haben“, weiß sie.

Wasserfall im Keller

Doch bis hierhin war der Weg steinig. Und die Flutnacht hat ihre Eindrücke hinterlassen. Als die Flutmassen kamen, beobachteten Schragens das einbrechende Wasser, das vor allem aus Richtung des nahen Blankartshof anrauschte, mit Fassungslosigkeit. Besonders die Geräusche, als der Keller geflutet wurde, blieben in Erinnerung. „Das hörte sich an wie ein Wasserfall“, erinnert sich Volker Schragen. Erwartet hätte man so ein Unglück nicht. Allerdings kam die Freiwillige Feuerwehr Ahrweilers durch die Straße und hat mit Durchsagen gewarnt. Als Folge besorgten sich die Familie Sandsäcke und füllte diese am nun mehr nicht mehr existenten Abenteuerspielplatz auf der anderen Ahrseite. Auch die Autos parkten sie noch um.

Als am nächsten Tag die Sonne das Chaos offenbarte, musste sich die Familie zunächst den Weg aus dem Gebäude bahnen, da alles mit Möbeln versperrt war. Erlebt hatten die Schragens so etwas noch nie und auch in der 120-jährigen Historie der alterwürdigen Bäckerei gab es kein vergleichbares Unheil. Nun stellte sich die Frage: Wie macht man weiter? Und: Macht man jetzt überhaupt weiter?

Motivation kam schrittweise

Volker Schragen sagt, dass die Motivation kurz nach der Flut durchwachsen war. Doch wie Puzzleteile kamen mehrere Faktoren zusammen, die die Bäckerfamilie zum Weitermachen anspornten. „Sehr wichtig war, dass die Regierung die Hilfe über 30 Milliarden Euro zugesagt hat,“ erinnert sich der Bäckermeister. „Da wussten wir, dass wir nicht auf den Schäden sitzen bleiben.“ Auch kleinteilige Hilfe gab es: Kollegen stifteten neue Maschinen und auch die Erlöse des „Flutbrot“, das zu Gunsten von flutbetroffenen Bäckern verkauft wurde, kamen bei Schragens an. Dann war da noch die umfassende Hilfe von Handwerkern, Handwerkskammer und natürlich auch vielen Freiwilligen. Besonders wichtig war auch eine Aussage von Tochter Kimberley. Die 29-Jährige möchte irgendwann die Bäckerei übernehmen, aber nahm gleich den Druck von den Schultern der Eltern. „Ihr müsst nicht für mich wiederaufbauen,“ sagte sie. Ein Zwang, für die nachfolgende Generation zu sanieren, gab es also nicht. Dies und die Vielzahl der genannten Hoffnungsschimmer sorgte dafür, dass sich am 26. Juli 2022 und somit genau 376 Tage nach der Flut wieder die Türen öffneten. Volker und Jacqueline Schragen nutzten die Gelegenheit: Vieles ist neu in der beliebten Bäckerei. Der Verkaufsraum wurden modernisiert und das absolute Highlight befindet sich in der Backstube: Ein Holzbackofen. In diesem Unikat werden nun die beliebten „Pflastersteine“, ein klassisches Roggenbrot, gebacken, die Volker Schragen angesichts des alten Straßenbelags der Ahrhutstraße einst ersann. ROB

Es geht wieder weiter: Jacqueline und Volker Schragen mit ihrem neuen Holzbackofen. Foto: ROB

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