Allgemeine Berichte | 15.09.2025

Radsportveteran Hardo Diel beendet seine aktive Laufbahn

Bei einem Rennen Mitte der 70er Jahre führt Hardo Diel das Feld an.  Foto:Rainer Strack

Daubach. Fast genau vor 60 Jahren, am 28. August 1966, gewann Rudi Altig auf dem Nürburgring als bis heute letzter Deutscher die Straßen-Weltmeisterschaft der Radprofis. In einem legendären Rennen siegte der gebürtige Mannheimer vor den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Raymond Poulidor. Auch einige aufstrebende junge Sportler im Westerwald waren davon so fasziniert, dass es zum Startschuss für eine eigene (bescheidene) Karriere im Radsport wurde. Einer der in der Region bekannteren darunter war Hardo Diel aus Daubach. Nach 60 Jahren hat er seine aktive Laufbahn im höheren Radsportalter jetzt im Kreise seiner Radsportfreunde in der Equipe EuroDeK beendet.

Mit 18 Jahren startete er im April 1968 in Koblenz-Oberwerth erstmals bei einem Amateurrennen – und gewann! „Ich war unbekannt und das Fahrerfeld hat meinen Ausreisversuch nicht beachtet… habe das durchgezogen und raste als erster über die Ziellinie“, so der Radsportveteran bei einer kleinen Abschieds-Feier zu seinen Equipe-Radlern. Es sollte an dem Abend nicht die einzige interessante Geschichte aus einem bewegenden Radsportleben sein: so von einem Teamrennen, bei dem er nur deshalb nicht siegen konnte, weil die Ordner ihn auf der Strecke falsch eingewiesen hatten – trotz Umweg reichte es aber noch zu Platz 2! Für heutige mit bestem Material ausgerüstete Radsportler ungewohnt, als der den Col d’Aubisque als einen der bekanntesten Anstiege der Tour de France mit Start um 4 Uhr morgens im Dunkeln mit einer schwerfälligen Dynamobeleuchtung bewältigte.

Weitere Erfolge fuhr Diel 1970 als Bezirksmeister in Koblenz, beim Großen Preis von Nassau, den Rheinlandmeisterschaften und der Saarlandrundfahrt sowie bei Rennen in Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden ein. 1971 war er sogar für die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt nominieret, konnte aber verletzt nicht an den Start gehen. Bemerkenswert auch die Teamleitung der Westerwaldequipe für die Rennen während der Steglitzer Messewoche 1970 (Präsentation westdeutscher Regionen in Westberlin).

Unvergessen für den Wäller in dieser Zeit und danach Begegnungen mit Ikonen wie Rudi Altig und Erik Zabel sowie dem zweimaligen Tour de France Gewinner Bernard Thevenet. Auch von Verletzungen blieb er trotz aller Fahrkünste nicht ganz verschont: Sturzfolgen waren u.a. ein Kieferbruch, Bruch eines Unterarms sowie (fast zeitgleich mit Jan Ullrich) ein für Radsportler klassischer Schlüsselbeinbruch.

Aus familiären Gründen startete der Daubacher Anfang der 80er Jahre letztmals bei einem Rennen. Doch schon davor im Sommer 1977 begann seine zweite Radsport-Karriere mit einer Etappenfahrt im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft von Nassau in die Partnerstadt Pontchateau in der Bretagne. Dieses wegweisende Engagement mündete dann in der Gründung des heimischen Hobby-Radsportteams „Equipe France“, aus dem dann 2022 die heutige weithin bekannte „Equipe EuroDeK“ wurde. Natürlich war Hardo Diel 1970 auch Gründungsmitglied des RSV Oranien Nassau e.V. und 1988 der RSG Montabaur e.V. „Es ist sehr bedauerlich, dass beide heimischen Radsportvereine an der Lahn und im Westerwald, heute zunehmend an Bedeutung verlieren und kaum noch junge Radsporttalente fördern können“, so der Veteran.

Das gilt leider nach seiner Ansicht auch für den drohenden Bedeutungsverlust der vielen im Rennradsattel gelebten deutsch-französischen Freundschaftsfahrten im Rahmen der Städtepartnerschaften beispielsweise neben Nassau-Pontchateu auch zwischen Montabaur-Tonnerre, Bad Ems-Cosne, Wirges-Montchanin, Höhr-Grenzhausen-Semur und Nentershausen-Vieux-Berguin. Über 50 Partnerschafts-Etappenfahrten wie beispielsweise 2011 die RLP-Rundfahrt, 2015 die Friedensfahrt oder 2023 die Pro-EUROPA-Tour werden unvergessen bleiben.

Obwohl Hardo Diel jetzt im Kreise seiner Radsportfreunde seine Radsportschuhe und das Rennrad endgültig an den Nagel gehängt hat, wird er der Equipe EuroDeK weiter verbunden bleiben: „Ich kann zwar nicht mehr mit euch im Sattel sitzen, aber die Idee lebt weiter, Radsport mit der deutsch-französischen Freundschaft und Themen wie Europa, Demokratie und Klimaschutz zu verbinden!“ Bei einer kleinen Ansprache würdigte Equipe-Koordinator Uli Schmidt die Verdienste des Radsportfreundes für die deutsch-französische Freundschaft und wies darauf hin, dass er dafür mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille der Stadt Nassau und der Ehrenmdeaille der Stadt Pontchateau ausgezeichnet wurde.

 Foto: Uli Schmidt

Foto: Uli Schmidt

 Foto: Uli Schmidt

Foto: Uli Schmidt

Bei einem Rennen Mitte der 70er Jahre führt Hardo Diel das Feld an. Foto:Rainer Strack

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Hausmeister, bis auf Widerruf
Kleinanzeige Gartenpflege
Gläser
Einzelbuchungen  149180/0
Jakobsmarkt Remagen 2026
Image
Dipl.-Ing. bzw. Bachelors of Arts/Engineering (m/w/d)
Empfohlene Artikel
Im GOP findet jeder sein persönliches Unterhaltungserlebnis - für Direktor Florian Engel ist dies sehr wichtig.  Foto: privat
52

Bonn. Wer Florian Engel vor einigen Jahren erzählt hätte, dass er einmal Direktor eines der renommiertesten Varieté-Theater Europas werden würde, hätte vermutlich ein ungläubiges Lächeln geerntet. „Ich habe in der Schule sicher nicht gesagt: Ich möchte Zirkusdirektor werden“, erzählt er und lacht. Sein beruflicher Weg verlief zunächst alles andere als glamourös, sondern sehr bodenständig. Engel studierte...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Polizei
3624

Der Mann soll eine Seniorin um ihr Geld betrogen haben:

18.07.: Foto-Fahndung in Neuwied: Wer kennt diesen Mann?

Neuwied. Am 16.06.2026 wurde eine 76-jährige Seniorin in Neuwied Opfer eines Betrugs. Gegen 11:30 Uhr kontaktierte sie ein bislang unbekannter Täter telefonisch und gab sich als Mitarbeiter einer Bank aus. Kurz darauf erschien ein der Geschädigten unbekannter Mann an der Anschrift und erlangte ihre Bankkarte samt PIN.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
3270

Rhein-Sieg-Kreis. Nach dem eine Verkehrsunfall in der Nacht zu Sonntag (5. Juli) auf der Bundesautobahn 61 zwischen den Anschlussstellen Miel und Rheinbach ist die sechsjährige Tochter der verunfallten Familie am Mittwoch (15. Juli) in einer Klinik ihren schweren Verletzungen erlegen. Das Mädchen war unmittelbar nach dem Unfall notoperiert worden und befand sich seitdem in intensivmedizinischer Behandlung.

Weiterlesen