Allgemeine Berichte | 28.03.2022

Es wird dringend Wohnraum gesucht

Ukraine-Flüchtlinge: Die Herausforderungen für den Kreis Neuwied sind groß

Symbolbild.  Foto: pixabay.com

Kreis Neuwied. Auf allen Ebenen wird unter Hochdruck gearbeitet – Landrat Achim Hallerbach: „Müssen realistisch sein, dass viele nicht in ein zerbombtes Land zurückgehen werden“

Der grausame russische Angriffskrieg gegen die Ukraine treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Das stellt auch den Kreis Neuwied vor große Herausforderungen. Bislang sind schon rund 1100 Flüchtlinge im Kreis Neuwied angekommen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 hatte die Ausländerbehörde 1030 Asylbewerber gezählt, 2020 „nur“ 198.

Höchstzahl von 2015 wird übertroffen

Rechnet man aktuell hinzu, dass dem Kreis Neuwied im ersten Quartal auch noch Flüchtlinge aus anderen Ländern zugewiesen worden sind, so lässt sich leicht prognostizieren, dass auch die bisherige Höchstzahl von 1680 Flüchtlingen aus dem Jahr 2015 übertroffen werden dürfte. „Genau kann das aber nach wie vor niemand vorhersagen. Viel zu viel hängt vom weiteren Verlauf des Krieges ab“, weiß Landrat Achim Hallerbach. So oder so ist ihm klar: „Die Aufgabe ist groß und wird es bleiben.“ Denn dem Landrat ist durchaus bewusst, dass zumindest ein Teil der Ukrainer auch nicht mehr zurückgehen wird. „Das habe ich in meinen Gesprächen mit Helfern, zum Beispiel aus den Mennonitischen Gemeinden, öfter gehört. Die fragen mich auch, wo die Menschen denn hinwollen sollen, wenn in ihrer Heimat alles zerbombt ist. Da müssen wir realistisch sein“, macht er deutlich.

Innerhalb der kommunalen Familie des Kreises Neuwied laufen die Bemühungen auf Hochtouren, der Herausforderung gerecht zu werden. Sowohl auf Ebene der Behördenleiter als auch zwischen den verschiedenen Fachabteilungen und mit Helfern jagt derzeit eine Videokonferenz die nächste. „Vernetzen, koordinieren, gemeinsam helfen“ – lauten dabei die Schlagworte. Erfreut kann Achim Hallerbach dabei feststellen, dass die Zusammenarbeit funktioniert.

Erfassung und Registrierung

Die Menschen, die visumfrei einreisen durften und zum ganz überwiegenden Teil von Verwandten, Bekannten oder freiwilligen Helfern geholt wurden, müssen erfasst und registriert werden. Um eine gerechte Verteilung zu garantieren, ist ein noch genauerer Überblick nötig. Das gilt nicht nur innerhalb des Kreises, sondern auch im Land. „Nach bisherigen Erkenntnissen sieht es so aus, als ob der Kreis Neuwied mit seinem vergleichsweise hohen Anteil an Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion schon überproportional viele Ukrainer aufgenommen hat“, sagt Landrat Achim Hallerbach, der weiß, dass sich das - wenn belegt - auch dahingehend auswirken sollte, dass das Land weniger Menschen aus seinen Erstaufnahmelagern zuweist. „Trotzdem müssen wir immer damit rechnen“, macht Hallerbach deutlich und berichtet, dass am Donnerstag plötzlich ein Bus mit 20 Ukrainern vor dem Kreishaus stand. Einige davon waren kurzfristig avisiert worden, andere völlig unangekündigt.

„Das war in dieser Form hoffentlich ein Versehen des Landes“, sagt Hallerbach, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass Mainz angekündigt hat, dass die „Vorwarnzeit“ generell nur noch drei Tage beträgt. „Wir müssen uns also immer darauf einstellen, dass wir am Freitagnachmittag eine Mail bekommen, in der uns für Montag ein Kontingent Flüchtlinge zugewiesen wird, das wir dann unterzubringen haben“, macht Stefan Henzel als zuständiger Referatsleiter „Asyl“ bei der Kreisverwaltung deutlich, was das praktisch bedeutet.

Unterkünfte werden gesucht

Die vordringlichste Aufgabe ist und bleibt, Unterkünfte zu finden. Nachdem Landrat Achim Hallerbach die (Ober-)Bürgermeister der Stadt Neuwied und der sieben Verbandsgemeinden des Kreises vor rund einer Woche eindringlich gebeten hatte, jeweils mindestens 100 weitere Wohneinheiten zur Verfügung zu stellen, sind an vielen Stellen bereits Resultate sichtbar. Nur ein Beispiel: In der Turnhalle von Niederbieber sind bereits die ersten Flüchtlinge aufgenommen worden.

Parallel dazu wird daran gearbeitet, auch ehemalige Hotels und Gaststätten herzurichten, um den Menschen eine längerfristige Unterkunftsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden Containerstandorte vorbereitet. Ein großes zentrales Camp soll es dabei aber nicht geben, sondern mehrere dezentrale Standorte.

Bei all dem gibt es viel zu beachten. Container, aber auch selbst Feld-/Stahlrohrbetten sowie Zubehör sind auf dem Markt hoch begehrt und entsprechend schwierig zu bekommen. Lange Lieferzeiten müssen einkalkuliert werden.

Auch Krankenhilfe ist entscheidend

Es geht aber nicht nur um die reine Unterbringung. Die Menschen müssen betreut werden, brauchen Krankenhilfe. Tuberkulose ist genauso ein Thema wie Corona und Masernimpfungen. Viele Flüchtlinge haben ein Haustier dabei, das versorgt werden muss. Auf der Homepage des Kreises sind zu all dem viele Informationen jetzt auch in ukrainischer Sprache abrufbar.

Insgesamt dankt Landrat Achim Hallerbach den vielen freiwilligen Helfern auf den verschiedenen Ebene. „Wie die Leute sich engagieren ist wirklich bewundernswert. Ohne sie würden wir es nicht schaffen“, macht er deutlich.

Pressemitteilung

des Kreis Neuwied

Symbolbild. Foto: pixabay.com

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Boomerang : Wenn man sich so intensiv um verarmte Kinder oder alte Menschen kümmern würde....
  • Tanja Busch : Ich kaufe am liebsten nachhaltig und finde es mehr als schade, dass Inpetto schließen musste. Es war immer ein Erlebnis dort einzukaufen und ich würde mir wünschen, dass sich ein neuer Platz in Bendorf anbietet für Second Hand Ware.

Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger

  • Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
  • Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.
Helfende Hände gesucht
Betriebselektriker
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Titelanzeige (Januar)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Wir helfen im Trauerfall
Empfohlene Artikel

Bermel. Pünktlich um 14.33 Uhr startete in Bermel der diesjährige Kinderkarneval des SV Bermel-Niederelz e.V. – und der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Insgesamt standen beeindruckende 145 Kinder auf der Bühne und sorgten für ein buntes, fröhliches Programm, das bei kleinen wie großen Gästen für beste Stimmung sorgte.

Weiterlesen

Bermel. Jetzt hieß es wieder „Bühne frei!“ in Bermel: Punkt 19.11 Uhr fiel der Startschuss für die Karnevalssession im Elztal. Eingeladen hatte der SV Bermel-Niederelz, und zahlreiche Tanzgruppen, Gardisten und Närrinnen und Narren sorgten für ein stimmungsvolles, buntes Programm, das den Auftakt der närrischen Zeit gebührend feierte. Nach dem gemeinsamen Einmarsch in die vollbesetzte Gemeindehalle,...

Weiterlesen

Mayen. Mit der Erweiterung des bestehenden Fernwärmenetzes im Stadtkern, der Umstellung von Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen sowie dem Bau von Windkraft- und Solaranlagen kann die Stadt Mayen die gesteckten Klimaziele erreichen. Das ist das zentrale Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die jetzt fertig auf dem Tisch liegt. Vor dem Beschluss des Stadtrats haben die Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, den Plan einzusehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel

„Jauchzet und frohlocket“: Adventskonzert erbringt beachtliche Spenden

8.000 Euro für wohltätige Zwecke

Koblenz. Das Benefizkonzert „Jauchzet und frohlocket“, das im Advent unter der Schirmherrschaft des Rotary Clubs Koblenz – Deutsches Eck stattfand, erzielte eine Spendensumme von insgesamt 8.000 Euro.

Weiterlesen

Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Image
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Januar 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Stellenausschreibung "Sachbearbeiterin" - Auftraggeber Regina Elsting
Stellenanzeige SB Straßenreinigung
Neueröffnung
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Wir helfen im Trauerfall
Nachruf Kurth
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Bürgermeisterwahl 2026
Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagogen/innen