Aufräumen im Ahrtal: Während es in den Dörfern in großen Schritten voran geht, ist dies nicht überall der Fall
Bad Neuenahr: Warum die Kurstadt beim Aufräumen hinterherhinkt
Bad Neuenahr. In den Dörfern an der Ahr ist der Fortschritt sichtbar. Überall wird aufgeräumt, Schutt abtransportiert und Sperrmüll verladen. Freiwillige Helfer, Handwerker aus dem ganzen Land und Einwohner packen gemeinschaftlich mit an. Das funktioniert sichtbar gut, ein Vergleich mit der Situation in den ersten Wochen nach der Flut ist kaum haltbar. Alles ist sortierter, aufgeräumter und weniger chaotisch. Fast überall. In Bad Neuenahr wirkt es mancherorts so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Auf die Frage, ob der kurstädtische Teil der Hauptstadt des Kreises Ahrweiler, beim Aufräumen hinterherhinke, hat Ortsvorsteher Richard Lindner nur eine Antwort. „Ja, das ist so.“ Gerade im südlichen Bereich der Ahr sieht es teilweise immer noch recht wild aus. Auch, obwohl es hier ebenfalls täglich vorwärts geht, ist die jetzige Situation nicht unbedingt mit der in den Ahrdörfern - oder auch im Nachbarstadtteil Ahrweiler - vergleichbar. Lindner weiß warum: „In Bad Neuenahr herrschen oftmals andere Eigentumsverhältnisse in Sachen Wohnraum.“ Gemeint sind jene Immobilien, in denen mehrere Parteien in Miets- oder Eigentumswohnungen unter einem Dach leben. Hier erliegt Bad Neuenahr dem Großstadt-Dilemma, das Miteinander ist anonymer. Mitunter kennen sich die Nachbarn kaum und sind nicht selten in betagtem Alter. Gemeinsames Anpacken ist nicht möglich. Auch die Affinität zur Technik ist nicht so vorhanden, wie es bei jüngeren Menschen der Fall wäre. Jene helfen sich mit den Sozialen Medien und ordern per Mausklick eine Truppe des Helfer-Shuttles aus der Grafschaft. Für Menschen im Alter von 70 plus ist dieses Werkzeug oft nicht greifbar. Außerdem sind die Immobilien vielerorts im Besitz von Eigentümern, die nicht an der Ahr ansässig sind. Der direkte und persönliche Kontakt fehlt oder sei sehr eingeschränkt, sagt Lindner. Gerade dann, wenn es um essenzielle Fragen bezüglich der Versicherung gehe, verstreiche Zeit, bis die geklärt wären. Zeit, in der nicht aufgeräumt werden kann. Besitzer von Einfamilienhäusern, die es gerade in den kleineren Ahrgemeinden massig gibt, haben das Problem nicht. Hier konnte ab „Stunde Null“ nach dem Hochwasser nicht nur mit dem Räumen begonnen werden, sondern auch mit dem Wiederaufbau als solches.
Auch der 1. Beigeordnete des Kreises Ahrweiler, Horst Gies,äußerte sich dazu. „Je größer die Struktur, desto langsamer geht das Aufräumen“, sagt Gies im Interview mit BLICK aktuell. Das sehe man an den Dörfern. Hier kenne man sich und hilft sich gegenseitig. Engagierte Bürgermeister und Ortsvorsteher packen mit an, scharen Freiwillige um sich und organisieren Krisenstäbe.
Diese Strukturen fehlen manchmal in der Kurstadt Bad Neuenahr, in der viele Zugezogene leben. Weiter geht es trotzdem. Ein Zeichen dafür sind die Fortschritte bei der Gasversorgung. Südlich der Ahr kann bald wieder geheizt werden. ROB
Schuttberg in der Felix-Rütten-Straße, Mitte Oktober. Foto: ROB
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Vielleicht liegt es ja auch an Herrn Lindner. Selber anzupacken ist ja nicht jedermanns Sache. Nur große Worte reichen hier nicht.
Es sind einfach die falschen Signale und das dann auf die Anonymität einer Stadt zu schieben ist doch sehr platt.
Ahrweiler macht’s doch vor. Und Bad Neuenahr besteht auch nicht nur aus alten Leuten. Vielleicht ist der Gute einfach damit überfordert. Hier zeigt es sich, ob man dem Amt gerecht wird oder nicht. Machen Sie sich selbst ein Bild davon.