Allgemeine Berichte | 19.04.2022, 08:35 Uhr

Zweite Auflage der Veranstaltung „Zukunft Tourismus und Gastgewerbe im Ahrtal“

Ahrtal: Der Tourimus soll nach der Flut wieder aufblühen

Eine der Rednerinnen des Nachmittags: Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.  Fotos: ROB

Eine der Rednerinnen des Nachmittags: Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt. Fotos: ROB

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Ahrweiler. Um den Neuaufbau des Ahrtals nach der verheerenden Flutkatastrophe zu bewerkstelligen, benötigt es vitale, touristische Angebote. Darüber herrscht im Tal allgemeiner Konsens. Wie die Gastgeberlandschaft wieder erblühen kann, war Thema bei der zweiten Auflage der Veranstaltung „Zukunft Tourismus und Gastgewerbe im Ahrtal“ im Helmut-Gies-Bürgercentrum in Ahrweiler. Rund 80 Interessierte, insbesondere Vertreter von Gastronomie, Hotellerie und Weinwirtschaft besuchten den Vortrag, der erneut von dem Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz ausgerichtet wurde. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie an die großen Tourimuszeiten vor der Flut, aber auch der Corona-Pandemie, anzuknüpfen sei. 2019 meldeten die Hoteliers noch 1,5 Millionen Übernachtungen. Insgesamt 3,4 Tagesgäste kamen hinzu. Die Besucher machten insgesamt einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro in Ahrtaler Kassen. Dies erklärte Horst Gies, der als Kreisbeigeordneter in Vertretung für Landrätin Cornelia Weigand, sprach. „Der Tourismus ist das wirtschaftliche Rückgrat des Ahrtals,“ so Gies. Der Kreis Ahrweiler werde bei der Wiederherstellung der touristischen Infrastruktur helfen, wo immer es möglich sei. Dass der Neuaufbau eine große Herausforderung, aber gleichzeitig eine große Chance sei, betonte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt. Um dieses Ziel zu erreichen müssen alle Akteure in einem Schulterschluss gemeinsam anpacken. Gemeint sind hier das Land, Kreis und Kommunen, der Ahrtal-Tourismus, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD), die Investions- und Strukturbank (ISB), die Energieagentur Rheinland-Pfalz, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) und die Industrie- und Handelskammer.

„Achtsame Neugierde“ statt Katastrophentourismus

Erste positive Signale ließen sich bereits feststellen, sagte Schmitt. Das Bedürfnis, das Ahrtal zu besuchen, keime langsam wieder auf. Katastrophentourismus sei dies jedoch nicht, wie Schmitt betont, sondern vielmehr „achtsame Neugierde“.

Um den auswärtigen Besucher einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten, müsse eine „Marke Ahrtal“ entstehen. Wie dies gelingen kann, erläuterte Katja Stefanis von der ift Freizeit- und Tourismus GmbH in einem Fachvortrag. Grundsätzlich gelte es, den Stil des Ahrtals neu zu denken. Wie das gelingen kann, schilderte Stefanis anhand von Beispielen anderer Touristik-Konzepte aus dem Schwarzwald oder dem der Ahr ähnlichen Weinbaugebiet Saale-Unstrut. Ziel sei es, für das Tal einen „neuen Stil“ zu finden. Wie dieser Stil aussehen könnte, sollen Befragungen von Betrieben, Einwohnern und Kommunen zeigen, die in den nächsten zehn Monaten durchgeführt werden sollen. Mit diesen Erkenntnissen und entsprechenden Analysen zu den Stärken und Schwächen der Region soll ein Handlungsleitfaden ausgearbeitet werden. Der soll bis 2025 fertig sein. Stefanis wies darauf hin, dass künftig auch Themen wie Klimaschutz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine erhebliche Rolle in der zukünftigen Betrachtung des Ahrtals spielen werden.

Lindner: „Keine Zeit mehr verlieren“

Das es bis 2025 noch etwas dauere, mahnte Christian Lindner, Vorsitzender des Ahrtal-Tourismus, keine Zeit mehr zu verlieren. „Genau jetzt müssen wir es machen“, sagte er in Bezug auf den Aufbau. „Wir können jetzt nicht zwei Jahre warten.“, betonte er. Dass dieses Vorhaben herausfordernd werde, weiß auch Lindner. Deshalb fordere er einen Rettungsschirm für betroffene Betriebe an der Ahr sowie weitere finanzielle Unterstützung. Wichtig sei gerade für die Winzerbetriebe, dass neue gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, um mehr Spendenerlöse über die Grenze von 5000 Euro hinaus zu bekommen.

Um die zukünftige Ausrichtung des Tals ging es auch im Vortrag des DeHoGa-Präsidenten Gereon Haumann. Geplant seien nicht nur zwei Zukunftswerkstätten. Auch solle die Errichtung eines Wissenschafts- und Besucherzentrum zum Thema Flut in den Fokus gerückt werden. Wechselausstellungen sollen hier zu Katastrophen im Allgemeinen informieren, während die Ahr-Flut in einer Dauerausstellung ein permanentes Thema bleiben soll. Die Idee dazu kam von Andreas Wittpohl, wie Haumann erklärte. Der DeHoGa-Präsident wies des weiteren auf die Bedeutung hin, dass das „Ahrtal jetzt nicht vergessen werde.“ Gehe es nach Haumann, soll das Ahrtal künftig eine der attraktivsten Regionen in Deutschland und Europa werden. ROB

Eine der Rednerinnen des Nachmittags: Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.  Fotos: ROB

Eine der Rednerinnen des Nachmittags: Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt. Fotos: ROB

Rund 80 Interessierte kamen ins Helmut-Gies-Bürgerzeiten. Fotos: ROB

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