Allgemeine Berichte | 13.10.2021, 13:28 Uhr

Für manchen, zugezogenen Anwohner war die akustische Anzeige der Uhrzeit zu laut

Nach Beschwerde: Erpeler Kirchenglocken dürfen nachts nicht mehr schlagen

Der Kirchturm St. Severins in Erpel. Foto: privat

Erpel. Osanna, Severinus, Maria und Donatus sind zur Zeit etwas ruhiger als sonst, zumindest nachts. Das sind die Namen der vier Glocken im Turm der Pfarrkirche St. Severin und die wurden vor kurzem von 22 Uhr bis 6 Uhr zum Stillsein verdonnert. Der Grund: Kürzlich zugezogene Anwohner fühlen sich in ihrer Nachtruhe gestört. Das Problem ist nicht das eigentliche Läuten, wie es zu Gottesdiensten üblich ist, sondern die einzelnen Schläge, die die Uhrzeit bekannt geben. Um drei Uhr nachts schlägt´s drei Mal, um Mitternacht wird gar 16 Mal geschlagen. Zu viel für manchen Nachbarn, der so kein Auge zubekam.

Hans Simon ist der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Simon kann den geplagten Anwohner verstehen. In Deutschland gelte das Emissionsschutzgesetz, sagt er, und das gelte auch für die vier Glocken St. Severins. Die Beschwerde ist also juristisch gerechtfertigt. Emotional sieht das etwas aus. Er und seine Kollegen im Vorstand finden es sehr schade, dass die Glocken nicht mehr schlagen dürfen. Die akustische Anzeige der Uhrzeit sei eine schöne, uralte Tradition, sagt er. Glocke Osanna wurde beispielsweise im Jahre 1388 gegossen und läutet so schon seit Jahrhunderten.

„Gesetzeslage ist klar“

Dass die Situation so ist, wie sie ist, sei schade, führt Simon aus. Man habe sich mit dem genervten Einwohner getroffen und friedlich und bei einer Tasse Kaffee pro und contra beleuchtet. Doch die Standpunkte blieben. Und so blieb dem Kirchenvorstand keine andere Möglichkeit, den Glockenbetrieb zur reinen Tagschicht zu degradieren. „Die Gesetzeslage ist völlig klar,“ sagt Simon. Und ein Rechtsstreit böte keine Chance auf Erfolg. Somit füge man sich, auch wenn ein anderer Ausgang für die Kirchengemeinde schöner gewesen wäre. Außerdem: „Wir haben uns in den umliegenden Orten im Seelsorgebereich einmal umgehört“, erläutert Simon. „Nur in Erpel gab es noch den nächtlichen Glockenschlag. In allen anderen Gemeinden ist das nicht mehr Fall, da sich auch dort überall Menschen beschwert haben“, fügt er hinzu. Das liturgische Läuten, bei Feiertagen oder Gottesdiensten, ist nicht betroffen. Das sei ganz wichtig zu unterstreichen, sagt Simon. Wichtig ist ihm auch, dass es seitens des Kirchenvorstandes für die Nachtruhe der Menschen Verständnis gibt.

Irgendwo hört der Spaß auf

Dem schlaflosen Bürger wurde ja auch geholfen. „Aber dann ging es ja noch weiter“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. Ein weiterer Anwohner trat an den Kirchenvorstand heran und gab an, dass ihn oder sie das Schlagen ebenfalls massiv störe – und dies auch tagsüber. Der Wunsch: Die Glocken mögen nun komplett verstummen, egal ob Mitternacht oder Mittag. Für Simon hörte hier der Spaß allerdings auf. „Die Forderung entbehrt jeglicher rechtlicher Grundlage,“ weiß er. Eine Einsicht des Beschwerenden sei im Moment nicht zu erwarten. Die Angelegenheit liegt nun bei den Anwälten beider Seiten. Einen Erfolg des Klägers hält Simon allerdings für ausgeschlossen.

Mancher vermisst das Geläut

Das nächtliche Geläut der vier Glocken wird von manchem Erpeler schmerzlich vermisst. Deshalb liegen bereits Unterschriftenlisten in Geschäften aus, um Osanna, Severinus, Maria und Donatus bald auch nachts wieder hören zu dürfen. Allen voran setzt sich der Ortsverband der CDU für die Reaktivierung der Tradition ein. „Auch die Mitglieder der CDU Erpel sprechen sich geschlossen dafür aus, die Glocken auch Nachts erklingen zu lassen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Glocken rund um die Uhr erklingen zu lassen, bedeute für die Erpeler ein Stück Heimat. Somit wäre das Geläut ein Gegenstand öffentlichen Interesses. Und das gelte auch für die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. ROB

Der Kirchturm St. Severins in Erpel. Foto: privat

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