Allgemeine Berichte | 11.10.2021, 14:11 Uhr

Trierer Bischof hört Sorgen der Landwirte in der Eifel

Zukunftsängste, finanzieller Druck und soziale Ausgrenzung

Dr. Stephan Ackermann beim Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes.Quelle: Bistum Trier
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Münstermaifeld/Mertloch/Lasserg.„Mir ist es wichtig zu erfahren, vor welchen Herausforderungen stehen die Familien und wie können wir kirchlicherseits unterstützen“, das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann anlässlich seines Besuchs zweier landwirtschaftlicher Betriebe in Lasserg bei Münstermaifeld und Mertloch gesagt. Dabei erfuhr er von der komplexen Problemlage, der sich Bäuerinnen und Bauern stellen müssen. „Ich habe einen hohen Respekt davor, wie die Landwirte als Betriebe und als Familien das zu schultern versuchen.“

Auf dem Hof der Familie Rueben leben 550 Milchkühe. Das Ehepaar berichtet von vielen behördlichen Bestimmungen und steigenden Kosten, die das Arbeiten erschweren. „Die Auflagen in Deutschland sind sehr hoch“, weiß Hildegard Frey, Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung im Bistum Trier (KLB), „gleichzeitig haben wir die niedrigsten Lebensmittelpreise in der EU“. Das bestätigen auch Frank und Gisela Rueben: „Die Kosten laufen uns weg. Der Milchpreis ist sehr niedrig, und es ist nicht in Sicht, dass es besser wird“. Zu diesen finanziellen Sorgen kommen Vorurteile und soziale Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Chiara Fisch, Schülerin der Klassenstufe 13, kann dies bestätigen: „Es wird in den Schulen Mobbing betrieben und Landwirte werden oft verachtet“. Sie selbst möchte Agrarwissenschaft studieren und wünscht sich mehr Wertschätzung für Bäuerinnen und Bauern. Diese würden beispielsweise als Klimasünder beschimpft. Jedoch benötigten sie ebenfalls für ihre Existenzgrundlage ein funktionierendes Ökosystem und hätten keinerlei Interesse daran, dieses zu schädigen. Die Landwirtschaft selbst leide nämlich mit am stärksten unter den Veränderungen des Klimas. Die Familie Rueben investiert schon seit Jahren in nachhaltige Technologie: So befindet sich auf den geeigneten Dachflächen eine 500-Kilowatt-starke Photovoltaik-Anlage und vor zwei Jahren haben sie eine Biogasanlage gebaut.

Mehr Wertschätzung gefordert

Bis vor kurzem hielt Johannes Maur in Mertloch noch Schweine. „Der Vollerwerb hat sich sehr verändert: Zukunftsängste, finanzieller Druck und am Monatsende legt man drauf – da läuft etwas schief“. Die Getreide- und Futterkosten seien sehr hoch und der Endpreis niedrig. „Die Schweinehaltung hat mir immer am Herzen gelegen.“ Nun betreibt er noch Ackerbau – im Nebenerwerb.

Raimund Fisch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel nennt die große „Sozialbereitschaft“, von der die Dorfgemeinschaft profitiere wie beim Winterdienst, Naturkatastrophen oder bei der Bolivienkleidersammlung, bei der Landwirte unentgeltlich ihre Maschinen einsetzten – dies werde oftmals vergessen und würde verloren gehen, wenn immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben.

Es habe ihn betroffen gemacht, „dass Bauern so wenig Wertschätzung erfahren und sich an den Pranger gestellt fühlen“, sagt Bischof Ackermann. In diesem Zusammenhang macht er auf die Landwirtschaftliche Familienberatung Trier in ökumenischer Trägerschaft aufmerksam, die Hilfe für Menschen aus Betrieben der Landwirtschaft, des Weinbaus und dem ländlichen Raum anbietet.

Wünsche an den Bischof

Die Landwirte äußerten dem Bischof gegenüber den Wunsch, dass sich die Kirche für sie einsetze. Ackermann nimmt diesen Vorschlag auf und verspricht im Gespräch bei Einrichtungen des Bistums wie Kitas oder Schulen weiterhin konsequent auf den Einsatz von regionalen Produkten zu achten. Viele kirchliche Häuser würden dies auch bereits tun, was wiederum örtlichen Betrieben zugutekäme. Des Weiteren benannten die Landwirte das Thema „Pachtverträge“, die sie mit den örtlichen Kirchengemeinden verhandeln, als teilweise konfliktbehaftet. „Die Kirche soll kein Pachttreiber werden“, fordert Maur. Wobei er verstehe, dass diese ihren Haushalt sichern müsste. Doch er wünscht sich ein gesundes Maß. Der Bischof erklärt, dass er in die Souveränität der Verwaltungsräte nicht eingreifen könne. Doch er schlug vor, dass der Bauernverband, die KLB, die Diözesankommission Umwelt im Bistum Trier und das Leistungszentrum Kirchengemeinden im Bischöflichen Generalvikariat gemeinsam auf den bestehenden Muster-Landpachtvertrag schauen könnten, um dort vielleicht Verbesserungen zu erzielen. Diesem Vorschlag stimmen die Vertreterinnen und Vertreter dieser Gruppen gerne zu.

Ein gemeinsames Ziel

Den Abschluss des Tages hat eine Veranstaltung mit dem Titel „Landwirtschaft – eine Branche im gesellschaftlichen Spannungsfeld und vor großen Herausforderungen“ mit der Bundesvorsitzenden der KLB Nicole Podlinski als Referentin gebildet. Sie verdeutlicht, dass einerseits die Ernährung abzusichern, andererseits die Anpassung an den Klimawandel zu bewältigen und gleichzeitig das Einkommen bäuerlicher Familienbetriebe zu sichern sei. Das alles mit einer nachhaltigeren Landwirtschaft, die auch die Ökosysteme schütze. „Eine Aufgabe, bei der die Gesellschaft die Landwirtinnen und Landwirte nicht alleine lassen sollte“, so Nicole Podlinski. Die Komplexität des Themas zeigt sich auch in den Kleingruppengesprächen während der vom Dekanat Maifeld-Untermosel und Katholischer Erwachsenenbildung organisierten Veranstaltung. Rund 50 Interessierte, Landwirte, kirchliche Mitarbeiter und Vertreter von Verbänden nahmen an dem Abend teil und konnten sich letztendlich darauf verständigen, dass sie alle das gleiche Ziel haben: „Die Erde zu hegen und zu pflegen und die Schöpfung zu bewahren“, fasst Ackermann abschließend zusammen.

Die KLB im Bistum Trier, seit 2019 eingetragener Verein, ist ein Zusammenschluss katholischer Christen aus den ländlichen Räumen der Diözese. Ihr Ziel ist die Unterstützung und Begleitung der Menschen auf dem Land in ihrer Persönlichkeitsentfaltung und Lebensorientierung auf der Grundlage christlicher Wertvorstellungen. Dabei organisiert sie in regelmäßigen Abständen Betriebsbesichtigungen, zu denen unter anderem der Bischof eingeladen wird. Weitere Informationen gibt es auf www.klb-trier.de.

Die Landwirtschaftliche Familienberatung Trier bietet kostenlose Beratung für Menschen aus Betrieben der Landwirtschaft, des Weinbaus und dem ländlichen Raum. Träger sind das Bistum Trier und die Evangelische Kirche im Rheinland. Sie bietet unter Tel. (08 00) 5 46 55 00 einen „Sorgentelefon“-Service an. Weitere Informationen gibt es auf www.lfb-trier.de.

Pressemitteilung

Bistum Trier

Dr. Stephan Ackermann beim Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes. Quelle: Bistum Trier

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