Politik | 19.07.2023

Kritik an der Landesregierung: CDU-Fraktionsvorsitzender fordert mehr Engagement für Ahrtal-Wiederaufbau

Dreyer: Kleine und große Lichtblicke im Ahrtal

Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Foto: Staatskanzlei RLP/ Elisa Biscotti

Mainz. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat in der Regierungserklärung anlässlich des zweiten Jahrestags der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal die Fortschritte und Herausforderungen beim Wiederaufbau betont. Sie gedachte der Opfer und erinnerte an die immense Zerstörung, die das Tal heimgesucht hat. Dreyer betonte das gemeinsame Ziel, das Ahrtal und die betroffenen Gebiete nachhaltig und zukunftsstark wiederaufzubauen. „Unsere Gedanken sind auch heute bei den 136 Toten, der noch immer vermissten Person und bei allen, die durch die Wassermassen ihre Liebsten, ihr Zuhause oder ihren Betrieb verloren haben“, so Dreyer. „Zwei Jahre nach dieser Katastrophe ist das Ahrtal die größte Baustelle Deutschlands. Das zeigt die gigantische Dimension der Aufgaben, die mit dem Wiederaufbau verbunden ist.“

Die Ministerpräsidentin würdigte die tausenden Helfer und Helferinnen vor Ort sowie die Menschen, die trotz traumatischer Erlebnisse den Mut für einen Neuanfang gefunden haben. Gleichzeitig erinnerte sie an diejenigen, die noch immer mit Trauer und Verzweiflung zu kämpfen haben. Besonders wichtig sei die psychologische Unterstützung, insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Dreyer betonte die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und sicherte zu, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um den Betroffenen angemessene Unterstützung zu bieten. Sie hob positive Entwicklungen hervor, wie den Zuwachs an Handwerksbetrieben und die Aufbruchsstimmung der Winzer im Ahrtal. Der Wiederaufbau von Brücken, Straßen und der digitalen Infrastruktur sei bereits im Gange. „Zwei Jahre nach der Flut liegen im Ahrtal Licht und Schatten eng nebeneinander, manchmal in derselben Straße. Dabei können alle wirklich sehr stolz darauf sein, was sie in den letzten 24 Monaten schon geschafft haben. Überall gibt es kleine und große Lichtblicke“, so Dreyer.

Tourismus ist wichtig

Die Ministerpräsidentin betonte die Bedeutung des Tourismus für die wirtschaftliche Erholung der Region und würdigte das „Nachhaltige Tourismuskonzept Ahrtal 2025“, das gemeinsam mit den Akteuren vor Ort entwickelt wurde. Dreyer erklärte, dass finanzielle Mittel für den Wiederaufbau bereitstehen und kontinuierlich ausgezahlt werden. Dreyer: „Ganz wichtig ist jetzt, dass wieder sehr viel mehr Gäste für eine Tagestour oder auch eine längere Urlaubsreise ins Tal kommen. Das ist für die Region ein zentraler Wirtschaftsfaktor, aber auch ein großes Zeichen der Zuversicht.“

Trotz der erzielten Fortschritte erkannte Dreyer an, dass es noch Herausforderungen gebe und dass die Geschwindigkeit des Wiederaufbaus erhöht werden müsse. Sie versprach, vorhandene Spielräume zu nutzen und sich für Vereinfachungen der Verfahren einzusetzen. Abschließend betonte sie erneut, dass das Land die Betroffenen nicht vergessen werde und gemeinsam mit ihnen nachhaltig und zukunftsstark wieder aufbauen werde. Auch der Katastrophenschutz war ein wichtiges Thema in Dreyers Rede. Alle staatlichen Ebenen müssen ihren Beitrag zur Verbesserung des Bevölkerungsschutzes leisten. Das gelte für den Bund, für das Land und die Kommunen. „Die verheerende Flutkatastrophe hat unabweisbar gezeigt, dass der Klimawandel längst auch bei uns angekommen ist. In Zukunft werden wir in Rheinland-Pfalz häufiger mit Katastrophen unbekannten Ausmaßes rechnen müssen: mit Stürmen, Fluten und Starkregen, mit Hitzewellen, Dürren, Niedrigwasser und Waldbränden. Um dafür besser gewappnet zu sein, richten wir unsere Strukturen neu aus und sorgen für eine bessere Ausstattung.“

Kritik von der CDU

Gordon Schnieder, Vorsitzender der CDU-Fraktion, warf der Ministerpräsidentin daraufhin vor, nicht genug getan zu haben. „Sie stehen bei den Menschen im Ahrtal im Wort! Machen Sie den Wiederaufbau wirklich zu Ihrem Regierungsschwerpunkt!“, so Schnieder. Der Christdemokrat ging in diesem Zusammenhang auch auf Fehler in der Flutnacht selbst ein. „Ihr Kabinett steht für ein schwerwiegendes Staats- und Organisationsversagen vor, während und nach der Flut vom 14 und 15. Juli 2021“, lautete die Kritik Schnieders, der der Landesregierung „organisierte Verantwortungslosigkeit“ vorwarf. Ferner bezeichnete Schnieder die Solidarität der Helfer als „größten Lichtblick“. ROB

Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Foto: Staatskanzlei RLP/ Elisa Biscotti

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
20.07.202308:49 Uhr
K. Schmidt

In einem Interview mit dem SWR war in der letzten Woche von Bürgermeister Guido Orthen zu lesen, man habe für 1,7 Mrd kommunalen Schäden im Stadtgebiet bislang 16 Mio Fördermittel erhalten. Und bei einem Antrag zum Wiederaufbau einer Straßenbeleuchtung kam vom Land die Nachfrage, was denn mit den alten Lampen passiert sei. Weiter sprach er das lange bekannte Problem an, dass der Wiederaufbaufond fordert, 1:1 wie vor der Flut aufzubauen, was an vielen Stellen ja eben genau 0 Sinn ergeben würde. Sind das jetzt die großen oder die kleinen Lichtblicke, die Frau Dreyer meint? Das Land (und teils auch die Bundesverwaltung) fährt den Wiederaufbau, fährt das Ahrtal gegen die Wand, so schauts doch aus. Worauf die Menschen hier stolz sein können: Angesichts dieser "Hilfe" des Landes nicht schon komplett verzweifelt und ausgebrannt zu sein. Aber am Beispiel von Herrn Orthen sieht man: Auch das wird, zwei Jahre danach, eher schwieriger als leichter.

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Dauerauftrag 2026
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Kirmes Polch
Lava Grill Buffet
Werbeplan 2026
Titelanzeige
Maibaumstellen in Heimersheim
Kooperationsgeschäft
Empfohlene Artikel
Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
311

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
21

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Flutschäden im Juli 2021.  Foto: ROB
935

Als Bürger dieses Landkreises fühle ich mich nicht gut beraten und auch nicht sonderlich beschützt, wenn man beim lesen des Artikels, in dem der Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz im Kreis Ahrweiler Stellung bezieht. Man könnte den Eindruck erhalten, dass die PR-Maßnahme der Verwaltung auf jeden Fall eines bewirken soll – und zwar zu Beschwichtigen. In dem Artikel war besonders und in erstaunlicher Weise zu erfahren, was alles nicht geht oder länger dauern wird.

Weiterlesen

Weitere Artikel
5

Abgabe bis 15. Mai online über das Programm LEA

Jetzt Anträge zur Agrarförderung einreichen

Region. Bis zum 15. Mai können Landwirtinnen und Landwirte Anträge auf „Agrarförderung 2026“ stellen. Bezuschusst werden Direktzahlungen, Ökoregelungen, gekoppelte Tierprämien, die Ausgleichszulage sowie die Weitergewährung für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen und des Ökologischen Landbaus. Die Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe erfolgt nach den Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Kleinanzeigen
Dauerauftrag 2026
neue Heizung?
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Heizölanzeige
Rund ums Haus
Floristik Meyer
Blumen Meyer Neueröffnung
Kirmes Löhndorf
Anzeige KW 16
Ausverkauf
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim