Allgemeine Berichte | 13.10.2021

Naturschutzinitiative (NI) kritisiert Landrat Hallerbach und Markus Mille vom Bauern- und Winzerverband

Wohin verschwinden die Wölfe am Rhein und im Westerwald?

Europäischer Wolf (Canis lupus). Foto: Naturschutzinitiative e.V.

Kreis Neuwied. Während in Asbach rechtswidrig das Töten eines Wolfsrüden gefordert wird, verschwinden zwischen Rheinbrohl und Bad Hönningen nach Beobachtungen der NI und nach der Berichterstattung in einer Tageszeitung mehrere Wölfe. Im Frühjahr 2020 verschwanden mindestens vier Wölfe spurlos, unter anderem die Fähe der ersten in Rheinland-Pfalz nachweislich gegründeten Wolfsfamilie. Ebenfalls ist offensichtlich die Fähe auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Stegskopf im jetzigen Nationalen Naturerbe schon seit längerem verschwunden. „Weil die Indizienkette schlüssig ist, sind sich alle Fachleute einig: sie sind tot und wurden eventuell sogar illegal abgeschossen. Das bestätigen uns auch ortsansässige Jäger. Seitdem treten nur noch vereinzelt Wölfe auf, die aber auch nicht mehr da bleiben“, so Biologe und Artenkenner Günter Hahn, Sprecher der Naturschutzinitiative (NI).

Das Rheinbrohler Rudel (das Umweltministerium bezeichnet dieses als „Feldkirchener Rudel“) lebte in seinem Optimallebensraum von Rehen, Füchsen, jungen Wildschweinen und jungen Rothirschen, sodass es nie zu Übergriffen auf Weidetiere kam. Es machte für Wald- und Naturschutz „alles richtig“. Biologen und Ökologen wissen im Gegensatz zum Neuwieder Landrat, dem Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes Markus Mille und anderen Lobbyisten um den Wert der Wölfe für die Natur als Lebensraumgestalter und für die Gesundheit des heimischen Wildes. Weil sie aber Rothirsche fressen, mussten einige sterben, vermutet die NI. Der übrig gebliebene Rüde zog sich wahrscheinlich in den Leuscheider Wald zurück, um eine neue Familie zu gründen.

Fatal: die Vertreibung aus ihrem „Paradies“ hat nun Übergriffe auf Weidevieh zur Folge, weil es in dem neuen Revier nicht genügend natürliche Beute gibt. Um die Jägerschaft hat sich eine verdächtige Mauer des Schweigens aufgebaut. Es wäre besser, den Fachleuten zum Wolfsmanagement ihre Arbeit zu überlassen und sie zu unterstützen als lauthals den Abschuss des Wolfs zu fordern. „Landrat Hallerbach und Markus Mille verhalten sich hier völlig unverantwortlich, dabei müssten sie doch das europäische Naturschutzrecht kennen und daran interessiert sein, wohin die Wölfe im Westerwald verschwinden und wer dafür verantwortlich ist. Dass der Wolf Weidetiere reißt, wollen wir auch nicht. Schließlich brauchen wir das Vieh auch für die Landschaftspflege. Und jeder Verlust schmerzt den Halter sehr. Es gibt aber klare Vorgaben, wie vorzugehen ist“, so Günter Hahn.

EuGH stärkt Schutz des Wolfes

„Ende 2019 hat der Europäische Gerichtshof den starken Schutzstatus des Wolfes nochmals bekräftigt und pauschalen Abschussgenehmigungen einen Riegel vorgeschoben. Die Gewährung einer artenschutzrechtlichen Ausnahme vom Tötungsverbot der streng geschützten FFH-Art setzt nämlich voraus, dass alle zumutbaren Alternativen ausgeschöpft sein müssen und sich der Erhaltungszustand der lokalen und nationalen Population nicht verschlechtern darf“, erklärte Gabriele Neumann, Naturwissenschaftlerin und Projektleiterin Großkarnivoren des Umweltverbandes Naturschutzinitiative e.V. (NI).

Der Wolf befindet sich nach wie vor in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Die Tötung lokaler Bestände des Wolfes ist daher artenschutzrechtlich sehr bedenklich. Nach Art. 16 Abs. 1 der FFH-Richtlinie darf die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes nicht behindert werden. Außerdem sind die nationalen Behörden verpflichtet, in jedem Einzelfall auf der Grundlage der „besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten“ nachzuweisen, dass die Voraussetzungen für einen Abschuss vorliegen und dass die Ausnahme überhaupt geeignet ist, das vorgegebene Ziel nach Artikel 16 Abs. 1 lt. a-e der FFH-Richtlinie zu erreichen.

Das ist hier nicht der Fall. Zudem seien die Handlungsempfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz zu beachten. „Eine begründete Tötung von Einzelwölfen durch ausgewiesene Experten kann nur dann gerechtfertigt sein, wenn sämtliche zumutbaren Alternativen, z.B. auch eine Umsiedlung, ausgeschöpft sind“, so der Umweltverband.

„Die Naturschutzinitiative (NI) wird daher darauf achten, dass bei Abschussgenehmigungen, gleich in welcher Region, die strengen Anforderungen des Art. 16 Abs. 1 der FFH-Richtlinie beachtet werden. Notfalls werden wir diese auch einer gerichtlichen Überprüfung zuführen“, so Gabriele Neumann und Günter Hahn.

Pressemitteilung

Naturschutzinitiative (NI)

Europäischer Wolf (Canis lupus). Foto: Naturschutzinitiative e.V.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Anne: Ein Faustschlag mitten ins Gesicht und ein Dolchstoß mitten ins Herz aller Flutopfer…nicht nur der Toten und deren Angehörigen und Freunden, sondern insbesondere der unzählig vielen traumatisierten Menschen...
  • Betroffener: Wiedermal ein Totalversagen der Justiz und es werden Täter geschützt ! Inzwischen darf man sich wirklich fragen ob diese Justiz überhaupt noch der Gerechtigkeit und dem Volk dient oder einfach nur noch die Politiker zu schützen versucht !
  • Anne: Es ist das kalte Grauen. Wahrscheinlich denkt sich der Täter in Anlehnung an den Mordprozeß im Fall Anna K. aus Gimmigen mit einem ähnlich milden Urteil davon zu kommen. In was für einer Zeit leben wir...
  • Graf: Ja, sehr GUT Ukraine, ist doch bekannt , dass koruptestes Land in Europa ist. Mit den Politiker, sind unsere bezahlt worden? Wunderbar !
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Anzeige lange Samstage
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0324#
Anzeige Praxisübernahme
Anzeige Umzug ins Thermalbadehaus
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, Juni 2026
Kirmes in Königsfeld
Kirmes in Königsfeld
Empfohlene Artikel
11

Die bekannte Lifestyle-Messe LebensArt kommt erneut nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Vom 12. bis 14. Juni verwandelt sich erstmals der Dahliengarten in eine Oase der schönen Dinge für Haus und Garten. Der Umzug in den Dahliengarten als neuer Standort der LebensArt wurde durch die bauliche Umgestaltung des Kurparks notwendig. Die beiden Projektleiterinnen Sabine Prothmann und Eva Johann vom Lübecker Veranstalter...

Weiterlesen

Luca und Laura Di Stefano haben die spannendsten True Crime-Fälle im Blick.  Foto: FELIX KIRCHNER // ENKIME
21

Region/Mogendorf. Morde, Vermisstenfälle, rätselhafte Todesfälle und ungelöste Geheimnisse – wahre Verbrechen üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Genau dieser Leidenschaft haben sich Luca und Laura Di Stefano aus dem Westerwald mit ihrem Podcast „Verbrechen Hautnah“ verschrieben. In ihren Folgen nehmen sie die Zuhörer mit auf die Spur spektakulärer Kriminalfälle, erzählen von schockierenden Taten, überraschenden Wendungen und Ermittlungen, die bis heute Fragen offenlassen.

Weiterlesen

Julian Konrad mit Pokal.  Foto: privat
15

Nürburg. Beim zweiten Rennwochenende des Polo Cup Germany auf dem Nürburgring hat Julian Konrad seine Führung in der Gesamtwertung erfolgreich verteidigt und weiter ausgebaut. Wechselnde Wetterbedingungen, hohe Temperaturen und anspruchsvolle Strategieentscheidungen prägten dabei das Wochenende für den Fahrer von Konrad Motorsport.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Orignale Linkin Park-Klampfe - die gibt es nur in der besonderen Ausstellung! Foto: Axel Live Pictures
310

Ringrocker sollten sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen:

Rock am Ring 2026: Heißer Tipp abseits der Bühnen!

Nürburgring. Pünktlich zu Rock am Ring 2026 erwartet die Festivalbesucher eine besondere Überraschung: Die US-Rockband Linkin Park bringt eine zeitlich begrenzte Sonderausstellung exklusiv an den Nürburgring. Die Ausstellung gewährt seltene Einblicke in die Geschichte einer der erfolgreichsten Rockbands der vergangenen Jahrzehnte und präsentiert zahlreiche Originalstücke aus verschiedenen Schaffensphasen der Gruppe.

Weiterlesen

Das Schießen mit dem großen Katapult sorgte für staunende Gesichter und viel Jubel.  Foto: Astrid-Lindgren-Schule
8

Die 4. Klassen auf Zeitreise zur Ehrenburg

Ritter, Burgen und spannende Abenteuer

Rheinbrohl. Zum krönenden Abschluss ihrer Grundschulzeit unternahmen die 4. Klassen einen ganz besonderen Ausflug zur Ehrenburg. Passend zum Unterrichtsthema „Ritter und Burgen“ tauchten die Kinder dort tief in das Leben des Mittelalters ein und erlebten einen aufregenden Tag voller Spiel, Spannung und Geschichte.

Weiterlesen

Spielerisch übten die Kinder, Straßen sicher zu überqueren. Foto: privat
8

Verkehrssicherheit für die Erstklässler der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl

Sicher unterwegs mit ADACUS

Rheinbrohl. Wie verhalte ich mich richtig an einer Straße? Worauf muss ich beim Überqueren einer Fahrbahn achten? Und warum ist Aufmerksamkeit im Straßenverkehr so wichtig? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Erstklässler der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl im Rahmen des ADACUS-Verkehrssicherheitsprogramms der ADAC Stiftung.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Monatliche Anzeige
Imageanzeige
Dauerauftrag 2025
Image Anzeige
Premium-Titel 2
Imageanzeige
Schulsozialarbeiter/in (w/m/d)
Kooperation Familienkonzert
Azubispots Koblenz
Azubispots Koblenz, Herr Hastrich
Kooperation
Sprudelndes Sinzig
Titel
Sonderseite Jahn Eleven
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring