Allgemeine Berichte | 10.04.2022

Die Mitglieder des Vereins der Ahrtalbahnfreunde sind keine Eisenbahnromantiker. Vielmehr unterstützen sie den Wiederaufbau der Strecke an der Ahr mit fundiertem Wissen und konkreten Forderungen an die Deutsche Bahn und die Politik

Ahrtalbahn: Von Rundbogenbrücken und neuen Haltepunkten

Massive Zerstörungen: Die Flut hat das Schienennetz der Ahrtalbahn in vielen Teilen stark beschädigt. Foto: Ulrich Stumm

Sinzig/Ahrtal. Manchmal können Namen trügen, so auch bei den Ahrtalbahnfreunden. Erwartet man gemäß der Bezeichnung des Vereins eigentlich ein Zusammenschluss von Eisenbahnromatikern, sieht es in der Praxis etwas anders aus. Seit der Gründung sind 22 Jahre vergangen und seither haben sich die Ahrtalbahnfreunde das Ziel gesetzt, die Verbindung zwischen Ahrbrück und Remagen bzw. Bonn zukunftsfähig, attraktiv und modern zu halten. Diese Bemühungen spielen sich nicht allerdings im „stillen Kämmerlein“ in einem Vereinshaus ab. Die Mitglieder unterhalten ein dichtes und funktionierendes Netzwerk aus Kontakten zu Politik und der Deutschen Bahn. Und wenn die Zukunftspläne der Verantwortlichen in die falsche Richtung zu gehen scheinen, machen sich die Vereinsmitglieder Luft. Gerade jetzt ist dies ein großes Thema im Ahrtal, denn nach der unfassbaren Zerstörung durch die Flut steht der Neustart an. „Vieles kann jetzt besser gemacht werden“, sagen Wolfgang Groß, der Sprecher der Gruppe, und Willi Tempel, der für den Verein die Öffentlichkeitsarbeit betreut. Groß arbeitete selber viele Jahre bei der Bahn am Stellwerk in Remagen. Seine Leidenschaft für den Schienenverkehr hat er aber auch nicht zum Eintritt in die Rente verloren.

Konkrete Forderungen

Die Ansprüche, die die Ahrtalbahnfreunde an den Wiederaufbau stellen, sind durchaus konkret. „Wir verlangen nicht mehr, als einen Aufbau mit modernsten Mitteln,“ erläutert Groß. Elektrifizierung ist hier das Großthema. Und dies nicht nur seit der Flut. Dass die Ahrtalbahn moderner und effizienter werden muss, ist für die Vereinsmitglieder ein Fakt. Groß unterstreicht die Bedeutung der Bahn. „Insbesondere Pendler, Schüler und Touristen nutzen die Strecke intensiv.“ Während die Schüler Größtenteils im Kreisgebiet unterwegs sind, sind 90 Prozent der Pendler unterwegs nach Nordrhein-Westfalen. Deshalb fordert der Verein auch Erweiterung der Strecke. Geht es nach Groß und den etwa 30 weiteren Mitgliedern, könnte die Ahrtalbahn nicht nur bis Bonn, sondern viel weiter in NRW hineinfahren. Vorteile habe das allemal, sagt Groß, denn der Bedarf ist da. Auch im touristischen Sektor. Denn viele Besucher der Ahr kommen eben aus dem nördlichen Nachbarland.

Neue Haltepunkte für die Ahr

Durch den Reset, den die Flutkatastrophe im Juli 2021 mit sich brachte, bieten sich vielerorts zahlreiche Möglichkeiten zur Neugestaltung. Dauerthema an der Ahr sind auch neue Haltepunkte. Bereits vor der Flut reifte die Idee eines neuen Stopps für Bahnreisende auf halber Strecke zwischen Bad Neuenahr und Ahrweiler. Auch im östlichen Stadtteil Lohrsdorf werden immer wieder Forderungen nach einem neuen Haltepunkt laut. Denn die Lohrsdorfer, aber auch die Einwohner aus Heppingen müssen zum nächsten Halt einen nicht unerheblichen Fußmarsch zum Bahnhof Heimersheim in Kauf nehmen. Dessen Lage bringt auch für Heimersheimer Bürger nicht nur Vorteile, der an der B266 und somit weit vom Ortskern entfernt liegt. Zusätzlich problematisch ist derzeit, dass die Fußgängerbrücke die vom Gewerbegebiet zum Bahnhof über die Umgehungsstraße führte, von der Flut massiv beschädigt und abgerissen werden musste. Geht es nach Groß müssen also neue Haltepunkte her. Das gilt zum einen für einen neuen Stopp zwischen Bad Neuenahr und Ahrweiler sowie eine zusätzliche Möglichkeit zum Ein- und Aussteigen im Bereich Lohrsdorf bzw. Heppingen. Doch hier gibt es ein Problem, wie Groß erklärt. Die derzeit dieselbetriebenen Züge sind für „Stop-and-go“ nicht ausgelegt. Zu lang dauere es, bis die Züge beschleunigt haben um bei einem engmaschigem Netz aus Haltestellen nach nur kurzer Fahrtdauer wieder zu halten. Dann würde die Ahrtalbahn in diesem Bereich noch langsamer tuckern, als sie es ohnehin schon täte, wie Groß hinzufügt. Die Lösung bringt die Elektrifizierung der Bahn. Elektrisch betriebene Züge können problemlos halten und wieder beschleunigen. Generell würde die Elektrifizierung auch in Sachen Geschwindigkeit nur Vorteile bringen. Die Ahrtalbahnfreunde wünschen sich sowieso einen schnellere Fahrtgeschwindigkeit der Bahn.  Zusätzlich müsse die Strecke digitaler werden. Signale werden heute noch mit Drähten umgestellt und somit mechanisch gestellt. Dass das auch digital geht, sei schon seit langem möglich. Nun müsse die Technik auch im Ahrtal Anwendung finden.

Zufrieden mit der Deutschen Bahn

Als die Deutsche Bahn relativ schnell nach der Flut verkündete, dass die Ahrtalbahn bis Ende 2021 wieder zwischen Ahrweiler und Remagen verkehren werden, wurde dies mit einer gewissen Skepsis innerhalb der Bevölkerung aufgenommen. Doch die DB setzte das Vorhaben erfolgreich um. Nach anfänglichen Problemen mit der Technik fuhr die Bahn wieder die besagten Haltepunkte an. Möglich war dies durch den vergleichsweise geringen Zerstörungsgrad auf diesem Abschnitt, während die Situation westlich von Walporzheim weitaus katastrophaler ist. „Hier hat die Bahn gute Arbeit geleistet“, sagt Groß. In den vielen Gesprächen mit den Vertretern der Deutschen Bahn habe Groß deutlich gemerkt, dass die Ahrtalbahn einen hohen Stellenwert habe.

Keine Rundbogenbrücke mehr

 

Kürzlich gab die Bahn nun bekannt, dass bis 2025 die komplette Strecke wieder befahren werden solle. Dass das klappen könnte, bezweifelt Groß nicht. Ausschreibungen liefen bereits. Sinnvoll sei es, die Strecke von Walporzheim nach Ahrbrück etappenweise freizugeben und nicht „alles in einem Rutsch“. Falls Schritt für Schritt aufgebaut werde, wäre eine Freigabe der Teilstrecke – zum Beispiel zwischen Walporzheim und Dernau – wieder früher denkbar.

Eine Menge Arbeit werde das aber allemal, so Wolfgang Groß.  Dies sei allein der Tatsache geschuldet, das alle Brücken von den Wassermassen der Flut fortgerissen wurden. Gerade an Rundbogenbrücke kam es zu so genannten Verklausungen: Trümmer, Bäume und Autos, die von der Flut mitgetragen worden blieben dort hängen, stauten das Wasser der Ahr und bauten zusätzlich Druck auf. Kaum eine der malerischen Steinbrücken hielt der Naturgewalt Stand. Eine Rückkehr zu dieser Bauweise sei ausgeschlossen, hier herrsche breiter Konsens bei allen Verantwortlichen. Nun stelle sich die Frage, wie künftige Brückenmodelle aussehen könnten. Wichtig sei, dass die Brücken des Ahrtals nicht zu tief liegen.

Die sollen zum einen im Falle eines neuen Hochwassers die erwähnten Stauungen verhindern, sich aber ebenfalls in des harmonische Gesamtbild einfügen. Entsprechende Modelle gäbe es in der Schweiz und somit einem Land, das stets von Hochwasser bedroht ist. Die wären nicht nur zweckmäßig, sondern auch ansehnlich. „Wie die Brücken konkret aussehen können, wissen wir noch nicht,“ sagt Groß. „Aber wir fordern das Modernste, was machbar ist.“ Brückenmodelle „von der Stange“ möchte man nicht sehen, vor allem, um die malerische Landschaft des Ahrtals nicht zu verschandeln.

Viele weitere Baustellen

Die Ahrtalbahnfreunde möchten zusätzlich weitere Baustellen anpacken. „Ganz wichtig wird es sein, die Haltepunkte an der Ahr endlich barrierefrei zu gestalten,“ erklärt Vereinsmitglied Willi Tempel ein weiteres Ziel. Auch hier böte die Flut einen Chance, dieses Vorhaben endlich anzugehen. Die Idee, einen neuen Kreuzungspunkt in Mayschoß zu schaffen, solle ebenfalls beachtet werden. Ein Dorn im Auge sei auch der Mittelbahnsteig in Bad Bodendorf. Dass hier noch Personal eingesetzt werden müsse, um die Schranken für Fußgänger zu senken und zu heben, sei nicht mehr zeitgemäß. Generell benötige es im gesamten Bereich der Ahrtalbahn Außenbahnsteige.

Um ihre Ziele zu erreichen, soll der Sinn der Öffentlichkeit weiter  für das Thema geschärft werden. Deshalb möchten die Ahrtalbahnfreunde auch ihre Darstellung nach außen forcieren. Social Media ist hier ein großes Thema. Aber auch ungewöhnliche Ideen bleiben nicht außen vor. So können sich Groß und Tempel gut vorstellen, aus alten Stellwerken kleine Museen zu machen. Die Ahrtalbahn habe eine spannende Historie und die soll erlebbar werden. ROB

Wolfgang Groß (r.) und Willi Tempel haben konkrete Vorstellungen für die Zukunft der Ahrtalbahn. Foto: ROB

Wolfgang Groß (r.) und Willi Tempel haben konkrete Vorstellungen für die Zukunft der Ahrtalbahn. Foto: ROB

Massive Zerstörungen: Die Flut hat das Schienennetz der Ahrtalbahn in vielen Teilen stark beschädigt. Foto: Ulrich Stumm

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