Allgemeine Berichte | 10.07.2022, 06:14 Uhr

Bauern- und Winzerverband zog ein Jahr nach der Flutkatastrophe Bilanz

Flut: Ahr-Winzer mit Schäden von über 200 Millionen Euro

Komplizierte Antragsverfahren erschweren die Abmilderung der Flutfolgen

Winzer Adolf Schreiner (links) zeigt Weinbaupräsident Hubert Pauly die auch ein Jahr nach der Flut noch brachliegende, einstige Rebfläche der Recher Flachlage „Recher Blume“.

Winzer Adolf Schreiner (links) zeigt Weinbaupräsident Hubert Pauly die auch ein Jahr nach der Flut noch brachliegende, einstige Rebfläche der Recher Flachlage „Recher Blume“.

327

Rech/Ahrtal. Von der Flutkatastrophe im Juli 2021 wurden auch die Winzer hart getroffen. Dies wurde erneut deutlich, als der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, Kreisgruppe Ahrweiler, im Recher Weingut Adolf Schreiner auf die vergangenen Ereignisse zurückblickte, aber auch aktuelle, aus der Flut resultierende Herausforderungen für hiesige Winzer und Landwirte in den Fokus rückte. Im Vergleich zu den Winzern, so der Kreisvorsitzende Franz Schäfer, war und ist die Schadenslage bei den Landwirten etwas weniger extrem. Massiv betroffen sind drei Betriebe im Bereich der Oberahr, Schäden haben 28 Betriebe zu beklagen. Über 60 Hektar Acker und Grünland wurden beschädigt, beispielsweise durch Anschwemmung von Geröll und Schutt oder durch die Befahrung mit schweren Maschinen. Die Dunkelziffer, so die Schätzung von Franz Schäfer, dürfte hier weitaus höher sein, fehle doch vielen Landwirten schlicht die Zeit, Schäden entsprechend offiziell zu melden.

Zehn Millionen Euro Spenden aus zwei berufsständischen Stiftungen

Erneut unterstrich Schäfer die große Solidarität von Berufskollegen aus ganz Deutschland, die aktiv mit anpackten und/oder Geld spendeten. Über zwei Stiftungen des Bauernverbandes konnten bislang rund zehn Millionen Euro unbürokratisch an betroffene Betriebe ausgezahlt werden. Ein weiteres Problem ergibt sich für die Landwirte aus dem Flächenmangel im Ahrtal. Oft werden Flächen von Gemeinden aufgekauft um zu Retensionsflächen zu werden, wodurch eine Konkurrenzsituation zwischen Landwirtschaft, Gemeinden und Naturschutz entsteht. „Bis heute sind wir mit der Abmilderung der Flutfolgen intensiv beschäftigt. Das wird sicherlich auch noch einige Jahre dauern“, so Franz Schäfer. In höchstem Maße dramatisch stellte sich die Lage bei den Winzern dar. „Sechzig Hektar Rebfläche waren oder sind betroffen, wovon zehn Hektar zukünftig nicht mehr bewirtschaftet werden können. 60 von 65 Betrieben sind bei einem geschätzten Gesamtschaden von über 200 Millionen Euro direkt betroffen. Hinzu kommen enorme psychische Belastungen. Sobald es regnet, zuckt man im wahrsten Sinne des Wortes zusammen“, berichtete Weinbaupräsident Hubert Pauly.

Durch die Flut anderthalb Ernten verloren

Dabei variiere die Schadenhöhe von 250.000 Euro bis hin zu Schäden in Millionenhöhe. „Durch die Flut sind uns in etwa anderthalb Ernten verloren gegangen, aber das, was geerntet werden konnte, ist dennoch ein guter Jahrgang geworden. Nicht zuletzt auch wegen der riesigen Hilfe, die wir von Winzern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland erfahren haben, sei es durch Manpower, Maschinen oder Spenden. Wir hoffen, in fünf Jahren wieder mit komplett funktionierenden Betrieben und entsprechender Gastronomie am Start zu sein“, so Pauly, der auch für 2022 auf eine gute Ernte hofft. Erhebliche Schwierigkeiten gebe es im Bereich der zugesagten Landeshilfen. Hier erschwere das komplizierte Verfahren für viele Betroffene die Antragstellung.

„Ohne die Spendengelder wären wir nicht klargekommen“

Dem schloss sich auch Geschäftsführer Dr. Knut Schubert an: „Es gibt teilweise drei Anlaufstellen, um Anträge zu stellen, man braucht Sachverständige und Gutachten. Hier wäre eine berufsständische Lösung aus einer Hand sicher optimaler. Oftmals warten die Antragsteller sehr lange auf Rückmeldung. Seit Ende September konnten Anträge gestellt werden, doch danach passierte ein halbes Jahr lang erstmal nichts. Wir hätten uns gewünscht, dass das auch überregional mehr mitbedient worden wäre. Klar ist: ohne die Spendengelder wären wir nicht klargekommen und auch wenn sie nur einen Bruchteil der Schäden abdecken, so halfen die berufsständischen Spenden vielen über den Winter“, so Dr. Knut Schubert, der für die Zukunft die Einrichtung einer interdisziplinären Task-Force aus Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz vorschlägt.

Ein weiter Weg bis zur Normalität

Winzer Adolf Schreiner, der sein Weingut in Rech in vierter Generation führt, wurde von der Flut ebenfalls hart getroffen. Er verzeichnete Schäden auf drei Hektar Rebfläche, wovon 1,2 Hektar nicht abgeerntet werden konnten. Wie es mit dem Teil seiner Rebflächen weitergeht, die in Flachlage liegen, ist noch unklar, da dies von der SGD Nord, bzw. der Flurbereinigungsbehörde entschieden werden muss. Es ist also noch ein weiter Weg, bis bei den Winzern wieder so etwas wie Normalität einkehrt.

Winzer Adolf Schreiner (links) zeigt Weinbaupräsident Hubert Pauly die auch ein Jahr nach der Flut noch brachliegende, einstige Rebfläche der Recher Flachlage „Recher Blume“.

Winzer Adolf Schreiner (links) zeigt Weinbaupräsident Hubert Pauly die auch ein Jahr nach der Flut noch brachliegende, einstige Rebfläche der Recher Flachlage „Recher Blume“.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag
Rund ums Haus Daueranzeige
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Inno aus der VG Weißenthurm
Premium-Titel 1
Nachbericht Oktoberfest
04-Marktbericht 2026
Stellenanzeige Zimmermädchen
Empfohlene Artikel
7

Lantershofen. Bald steht in Lantershofen wieder das große Oktoberfest an, welches die Bürgervereinigung alljährlich anlässlich der Ursulakirmes veranstaltet. Doch in diesem Jahr wird es zum 75-jährigen Jubiläum der Bürgervereinigung einige Neuerungen und zusätzliche Angebote geben. Die Hauptveranstaltung am Samstag, den 24.10. startet dieses Jahr bereits um 18 Uhr im festlich geschmückten Saal des Winzervereins mit Bierzeltatmosphäre.

Weiterlesen

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Verwaltung, Schulen und der am Bau beteiligten Unternehmen haben sich zur feierlichen Einweihung der Neubauten am Schulcampus eingefunden.
765

Meckenheim. Im Rahmen eines feierlichen Akts und im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Verwaltung, Schulen und der am Bau beteiligten Unternehmen hat Bürgermeister Sven Schnieber die Neubauten am Schulcampus Meckenheim eingeweiht. In seiner Ansprache hob er die herausragende Bedeutung des Projektes hervor und dankte allen Akteurinnen und Akteuren für den gemeinsamen Erfolg.

Weiterlesen

achtung baustelle
834

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Los gehts! Die Ehrenamtlichen des foodsharing-Bezirks Mayen machen sich auf, die übrigen Lebensmittel der Lukasmarktstände vor dem Wegwurf zu bewahren.
806

Mayen. Wenn die Lichter des traditionellen Lukasmarkts ausgehen und das Abschlussfeuerwerk verklungen ist, beginnt für ein ganz besonderes Team die wichtigste Schicht. Auch in diesem Jahr – und damit bereits im vierten Jahr in Folge – waren die Ehrenamtlichen von **foodsharing Mayen** am Sonntagabend im Einsatz, um übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.

Von foodsharing Mayen Lebensmittelrettung aus Mayen

Weiterlesen

Jürgen B. Hausmann (links) und Harald Classen begeisterten das Publikum in der Mendiger Laacher See-Halle.
1395

Jürgen B.Hausmann gastierte in der Laacher See-Halle

Der „dritte Anlauf“ passte

Mendig. „Wie das Leben so spielt…“ aus 27 Jahren Kabarett und fast 62 Jahren Leben: Geschichten zum Totlachen, zum Schmunzeln und zum gerührt sein. Jürgen B. Hausmann begeisterte das Publikum in der ausverkauften Laacher See-Halle mit einer kabarettistischen Retrospektive von 1964 bis heute.

Von Stefan Pauly aus Mendig

Weiterlesen