500 Jahre Reformation: „Ökumenische Nacht der Kirchenmusik“

400 Sänger feierten die Reformation

14.09.2017 - 08:00

Neuwied. 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums stehen in Neuwied zahlreiche Veranstaltungen an. Ein Höhepunkt fand Samstagabend in der Neuwieder Marktkirche statt. 400 Sängerinnen und Sänger aller Generationen, aus sechzehn Chören des Kreisgebietes, gaben sich bei der „Ökumenischen Nacht der Kirchenmusik“ ein Stelldichein. Die erste Stunde gehörte den Kinder- und Jugendchören. Und während hier der ein oder andere Kleine gegen Ende des Konzerts schon mal Gähnen musste, sangen sich die Erwachsenen im Gemeindehaus erst fröhlich ein. Vier Stunden waren Zeit genug, um das gesamte Spektrum der Kirchenmusik zu erfahren. Auch Lieder von Martin Luther selbst. Er hatte der Kirchenmusik entscheidende Impulse gegeben. Luther führe die eigene Sprache in den Gottesdiensten in Deutschland ein, anstatt der lateinischen Gesänge. Verkündung und Musik gehörten für Martin Luther zusammen. „Vom Himmel hoch“, „Aus tiefer Not“ und „Gelobet seist Du, Jesus Christ“ zählen zu seinen geläufigsten Liedern, die nicht nur in evangelischen Gottesdiensten, sondern auch in katholischen Messen und bei anderen christlichen Glaubensrichtungen gesungen werden. Anders „Eine feste Burg ist unser Gott“. Dieses bekannte Lied des Reformators singen nur die Evangelischen. Am Samstag aber stand das Verbindende im Vordergrund. „Wir wollen das Verbindende, nicht das Trennende betonen“, erklärte der evangelische Kreiskantor Thomas Schmidt. Vor rund einem Jahr kamen er, der katholische Regionalkantor Thomas Sorger und Dekanatskantor Peter Uhl auf die Idee der ökumenischen Kirchennacht. Die größte Herausforderung, so Peter Uhl, lag darin, dass man durch die Fülle der Chöre keine gemeinsamen Proben durchführen konnte. Aber auch ohne klappte alles reibungslos und die Zuhörer genossen einen schönen und außergewöhnlichen Abend. Margarete Moritz vom mitveranstaltenden Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) begrüßte die Gäste. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des ACK, Herman-Josef Schneider und den Kinder- und Jugendchören gestaltete sie das Abendlob mit Psalmen, Lobgesängen und Gebeten. Beim Schlusslied „Der Mond ist aufgegangen“ nahmen die Besucher die Einladung zum Mitsingen dankend an. Vielleich auch deshalb, weil sie die Vorstellung der Kinder und Jugendchöre von St. Matthias, Crescendo (Marktkirche) und dem Kinder- und Jugendchor Waldbreitbach so begeistert hatte. Die Teenie-Jugend der Mennonitischen Brüdergemeinde Ringstraße stand dem in nichts nach. Sichtlich Spaß hatte die Jugend an den flotten und modernen Liedern wie beispielsweise „Jesus tat, was er von seinem Vater sah“. Nach einer kurzen Umbaupause waren die Erwachsenen an der Reihe. Das Lobpreisteam der Mennonitischen Brüdergemeinde Ringstraße machte mit Liedern wie „Amazing Grace“ und „Das glaube ich“ den Anfang. Im zwanzigminütigen Takt wechselten die Chöre ab. Es folgen die Chöre der Neuapostolischen Kirche, des Christuszentrums und des Herrnhuter Brüdergemeine. Seit 251 Jahren gibt es diesen Kirchenchor und es ist der Besonderheit des Reformationsjahres geschuldet, dass mitmachte. Denn eigentlich singt der Kirchenchor nur in den Versammlungen und so gut wie nie konzertant. Im Gegensatz zu den Herrnhutern ist „Sing on“ ein junger Hüpfer. Der Gospelchor sorgte für richtig Schwung und Stimmung. Die Ökumenische Nacht der Kirchenmusik hatte also echte Besonderheiten aus sechs Konfessionen zu bieten. Zu späterer Stunde waren die Kantorei der Marktkirche, die Chorgemeinschaft St. Michael/St. Bonifatius/Gospelchor Irlich-Feldkirchen und der ökumenische Bläserkreis an der Reihe. Den festlichen Abschluss gestalteten der Kammerchor Neuwied und das Vokalensemble TonArt.


Die Reformation in Neuwied


Wie kam eigentlich die Reformation nach Neuwied? In der „wechselvollen Geschichte des Hauses Wied“, beschreibt Wilhelm Tullius das so: „Die wiedischen Landeskinder gingen, um es bildlich zu formulieren, als Katholische ins Bett und wachten als Evangelische wieder auf“. Es war Graf Johann IV. zu Wied der nach der Synode 1564 in Honnefeld für alle Kirchen in der wiedischen Grafschaft die Reformation nach den Vorstellungen und Lehren des schweizerischen Reformators Johannes Calvin, einführte. Nach der Devise „cuius regio, eius religio“, übersetzt „wessen Land, dessen Religion“ mussten die Untertanen die Religion des Landesherren übernehmen. Im Buch von Wilhelm Tullius ist dies darin begründet, dass man damals meinte, den religiösen und politischen Frieden besser sichern zu können, wenn die Untertanen jeweils die Konfession des Landesherren annehmen würden. Besonders schlimm war der abrupte Wechsel in Kurtscheid. Hier verlief die Grenze zwischen der Grafschaft und dem katholischen Kurköln mitten durch den Ort. Weil aber alle Einwohner katholisch bleiben wollten, wurden die Häuser auf der evangelischen Seite abgerissen und auf der kurkölnischen Seite wieder aufgebaut. Im Stadtgebiet ist die Grenze noch heute spürbar. Während die nördlichen Stadtteile, die einst der Grafschaft zu Wied angehörten, protestantisch sind, sind die südlichen überwiegend katholisch. Mittlerweile ist das zwar mehr gemischt, aber es gibt noch ältere Mitbürger, die sich daran erinnern, dass die beiden Konfessionen in den Grundschulen getrennt unterrichtet wurden und auch auf dem Pausenhof getrennt waren. FF

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Kommentare
18.09.2017 01:55 Uhr
Paul Peter Baum schrieb:

Hierzu passt ein Video, aufgenommen vom NICHT KOMMERZIELLEN offenen Kanal Neuwied OK4. Es zeigt die Chorgemeinschaft aus Gospelchor Feldkirchen - Irlich und Kirchenchor St. Michael Feldkirchen und Kirchenchor St. Bonifatius Niederbieber. Chorleiter aller 3 ist Jörg Rasbach, Kantor und Organist an der katholischen Hauptkirche St. Matthias zu Neuwied am Rhein. https://www.youtube.com/watch?v=avUrMxN2Lzc&feature=youtu.be



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Kommentare
Michael Daum:
Eine wichtige Info fehlt in diesem Beitrag: Wie viele interessierte Bürger haben denn an der Veranstaltung teilgenommen?
Armin Linden:
Ich muss Nicole777 abosolut beipflichten. Der Deutsche freiwillig, der Somalier auf PsychKG. etabliert incl. Vollpension. Ich habe seit Jahrzehnten, nicht soviele desolate Vorgänge, spéziell hier im AW Kreis erlebt. Alles schaut zu. Die KV. AW., Polizei & Gesundheitsämter halten sich alle generell fein säuberlich zurück. Die Polizei AW. könnte man glatt schliessen. Keiner merkt es mehr. Diese BRD & dieser L.K., ist bei "Lawrence von Arabien" Stilecht angekommen. Nur erhielt Peter O´Toole mehrere Oscars. Zustände wie bei Idi Amin im Kongo seinerzeit ! Hier funktioniert nur noch das Job-Center, Sachbearbeitung bis der Arzt kommt, Haft für Knöllchen u. GEZ.
Nicole777:
Der Deutsche ist also auf freiwilliger Basis in der Psychiatrie und der Somalier aufgrund des PsychKG eingewiesen. Beide begehen die gleiche Straftat und werden unterschiedlich behandelt. Wenn sich beide Männer in einer psychiatrischen Einrichtung befinden - egal ob freiwillig oder nicht -, gehe ich davon aus, dass BEIDE psychisch erkrankt sind. Diese Ungleichbehandlung erschließt sich mir nicht ...

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