Triumph und Tragik bei den Jugend-Hallenmeisterschaften des Tennisverbandes Rheinland

Weiler gewinnt mit letzter Kraft

Zusammenbruch von Floer

04.12.2017 - 16:55

Andernach. Zwischen Triumph und Tragik bewegten sich die Jugend-Hallenmeisterschaften des Tennisverbandes Rheinland (TVR) in Andernach. Mit purer Willenskraft verteidigte Raphael Weiler vom TC BW Bad Ems im letzten Spiel des Tages seinen Titel erfolgreich, fünf Stunden zuvor hatte sein Vereinskamerad Yannick Floer einen Schwächeanfall erlitten und musste auf der Bahre ins Krankenhaus transportiert werden.

„Es stand 6:1 und 2:0 für mich, da kam er ans Netz, hat mir die Hand gegeben und gesagt, er müsse aufgeben“, schilderte Halbfinal-Gegner Christian Djonov (TC Diez) die Situation. „Dann hat er sich hingesetzt und gemeint, er müsse sich übergeben.“ Turnierleiter Mirco Schilf unterbrach das Turnier für eine gute halbe Stunde: „Ich habe alle vom Platz geschickt, es konnte sich ja keiner mehr auf sein Spiel konzentrieren.“ Die Mutter der späteren Titelgewinnerin Emilia Feodorovici leistete als Ärztin erste Hilfe, bis das DRK kam. Offenbar hatte der 17-jährige Yannick Floer die Auswirkungen eines grippalen Infektes unterschätzt und war in seinem ersten Turnierspiel zusammengebrochen. Später vermeldete Vater Dirk Floer gute Nachrichten aus dem Krankenhaus: „Er konnte schon wieder aufstehen.“

Während Djonov also unerwartet schnell das Endspiel erreichte (Landestrainer Sascha Müller: Er hat Kraft gespart), musste Weiler in seiner Halbfinal-Begegnung mit dem Andernacher Felix Einig ein erstes Mal bis ans Ende seiner Kräfte gehen. „Die lange Pause brachte mich aus dem Rhythmus“, meinte er nach dem 7:6, 6:7, 10:6. „Wenn es so knapp ist, kann ein Punkt entscheiden“, sagte Einig, der sich freilich vom Lob seines Bezwingers („Er hat gut gespielt und war ein starker Gegner“) nichts kaufen konnte: „Zufrieden bin ich nach der Niederlage nicht, aber es hätte schlechter laufen können.“

Positiv äußerte sich der Jugendwart des TVR Michael Montada über den Nachwuchs: „Die jungen Jahrgänge haben aufgetrumpft.“ So sah es auch Coach Müller, der U14-Finalist Flynn-Tjark Baumert (Jg. 05) vom Andernacher TC und den noch ein Jahrgang jüngeren Julian Franzmann (TC Höhr-Grenzhausen) heraushob: „Sie haben gute Spiele gemacht.“ Baumert hatte dann allerdings im Endspiel der Routine von 6:2, 6:0-Sieger und Vereinskamerad Tristan Reiff nichts entgegenzusetzen. „Ich habe mich zu lange auf sein Spiel eingelassen, am Ende setzte sich dann meine Erfahrung durch“, so Reiff, der seinem Gegner Trost spendete: „Ich habe selbst erfahren, wie es ist, gegen ältere Spieler anzutreten und zu verlieren.“

Gleich beide Finalistinnen bei den Mädchen U14 kamen aus dem hochgelobten Jahrgang 2005, nachdem sie sich in der Vorschlussrunde gegen ältere Spielerinnen durchgesetzt hatten. „Das war ein offener Schlagabtausch auf gutem Niveau“, beurteilte Sascha Müller das enge Endspiel, das Annalena Noll mit 7:6, 7:5 gegen Mara Porcos (beide TC BW Bad Ems) für sich entschied. „Heute war die Vorhand meine Stärke, allerdings kam der Aufschlag nicht“, meinte die kleine, flinke Siegerin, die „mit Laufbereitschaft und Abwehrqualitäten“ (Müller) Revanche nahm für ihre Halbfinal-Niederlage bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften zu Jahresbeginn gegen die spätere Landesmeisterin Porcos. „Eigentlich“, so Noll weiter, „war bei mir nach dem Halbfinale die Spannung raus.“ Da hatte sie Titelverteidigerin Annika Berrendorf aus Andernach mit 10:8 im Entscheidungssatz ausgeschaltet, „beide haben im Matchtiebreak sehr zittrig gespielt“, meinte der Trainer. Das Endspiel der älteren Mädchen war eine klare Angelegenheit für Emilia Feodorovici vom HTC Bad Neuenahr. „Ich habe meine Aufschläge gut durchgebracht“, stellte sie nach dem 6:1, 6:1 gegen Erika Reinhardt (TC Mülheim-Kärlich) fest. „Das war heute nicht mein bestes Tennis, allerdings habe ich mir auch nicht viel ausgerechnet“, sagte Reinhardt. „Dafür ist Emilia zu gut.“

Ein ebenso abruptes Ende wie das Jungen-Halbfinale U18 nahm das Endspiel der Jungen U16. Vilislav Bonev (Andernacher TC) hatte den ersten Durchgang gegen den Koblenzer Simon Hüttner (TC Oberwerth) mit 7:6 gewonnen und lag im zweiten Satz mit 2:3 zurück, als er aufgab. „Ich habe schon seit einer Woche Husten und bekomme dann Schmerzen in der Brust“, erklärte er seine körperliche Schwäche. Hüttner, ebenfalls mit Problemen („Wachstumsschmerzen in Fersen und Knien“) hatte sich im ersten Satz nach 1:4 auf 4:5 herangekämpft, „im Tiebreak kam dann mein Aufschlag nicht so gut.“ Dann allerdings „habe ich das gemacht, was ich mir vorgestellt habe“, und er fühlte sich auf dem Weg zum Entscheidungssatz „bei 3:2 und eigenem Aufschlag.“


Djonov: „Am Ende fehlte die Konzentration“


Als dann das Endspiel zwischen Weiler und Djonov in die entscheidende Phase ging, war es draußen schon dunkel und die benachbarten Plätze wurden bereits von etlichen älteren Hobbyspielern bevölkert. Raphael Weiler gelang zum richtigen Zeitpunkt das Break zum 6:4, anschließend führte er mit 5:1. „Da fühlte ich mich zu sicher und merkte auch die Anstrengung in den Beinen“, erklärte er seinen folgenden Einbruch. Auch im Tierbreak führte er klar mit 5:0, vergab vier Matchbälle, musste nach einem begeisternden Ballwechsel das 6:6 und anschließend den Satzverlust hinnehmen. „Nach schwachen Momenten konnte ich mich herankämpfen“, meinte Djonov. Das galt auch für den Entscheidungssatz bei Weilers 8:4-Führung. „Am Ende fehlte die Konzentration“, so Djonov weiter. „Als mein Gegner konditionelle Probleme bekam, hätte ich mein Spiel variieren sollen.“ Mit letzter Kraft holte sich Raphael Weiler mit 10:7 Satz drei und den Titel. „Routine macht viel aus“, sagte er zum Schluss. „Ich bin jetzt kaputt, aber auch ein bisschen stolz.“ Kann er auch sein, nach rund fünf Stunden Tennis am Finaltag.

Die Meldungen für das Turnier im Andernacher Tennistreff Mittelrhein lagen unter dem Vorjahresniveau „das ist enttäuschend und man muss sich Gedanken über den Modus machen“, stellte TVR-Jugendwart Michael Montada fest. „Sicherlich hängen die Trauben sehr hoch, was den einen oder anderen möglichweise abgeschreckt hat“, so Montada weiter, „aber die Besetzung ist der Wertigkeit dieses Turnieres nicht angemessen.“

Thomas Wächtler

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Jens:
Wenn man der Logik einiger "Experten hier folgt, dürfte es mit Wildscheinen ,Rehen, und Hirschen keine Unfälle geben und sie dürften sich nicht in Siedlungsnähe zeigen, da sie ja durch intensivste Bejagung scheu sind. Nun es gibt in den letzten Jahren wohl immer wieder Zwischenfälle mit Wildschweinen und Rehen (meist wegen der Jagd) aber keine mit Wölfen, also kann man den Quatsch den hier einige Extremisten von sich geben getrost vergessen.
M.W.:
Die echten Experten sehen das komplett anders! David Mech, der selber früher behauptet hatte, dass Wolfspopulationen sich selber regulieren, sieht seinen Irrtum inzwischen ein! Er schlägt auch für Europa ZONIERUNG und verschiedene Arten der Regulation der Wölfe vor, weil es ohne Bejagung nicht funktioniert. David Mech ist der erfahrenste Wolfsforscher dieses Planeten. Er war an der Wiederansiedlung der Wölfe im Yellowstone Nationalpark maßgeblich beteiligt und ist Chairman LCIE (Large Carnivore Initiative Europe). Man muss natürlich englisch lesen können und seinen Verstand bemühen, um die Zusammenhänge tatsächlich begreifen zu können: http://wolf.org/wp-content/uploads/2013/08/360-Where-can-wolves-live-and-how-can-we-live-with-them.pdf
juergen mueller:
Die Konkurrenz zwischen Mensch u. Wolf ist alt.Vergessen wird hierbei,dass vor ca. 15 000 Jahren aus gezähmten Wölfen der beste aller Freunde des Menschen wurde,der Hund.Die Abneigung vieler gegen Hunde spiegelt sich in ihrer Abneigung gegen Wölfe wieder.Die Feindschaft begann spät,als der Mensch (besondere Individuen der Gattung Mensch) seinen Interessenbereich ausweitete u. der Meinung war (bis heute), alles in Wald u. Feld gehöre ihm.Fakt ist,dass der MENSCH den Wolf "böse" gemacht hat.In Europa gibt es ein interessantes Nord-Süd- u. ein West-Ostgefälle,das sich auch in der Einstellung zum Wolf manifestiert.In den großen Lebensräumen Ost- wie Südeuropa hat der Wolf überlebt - in Nord- u. Mitteleuropa wurde er ausgerottet.- gnadenlose Intoleranz bei den Mitteleuropäern - Gelassenheit/Verständnis der Süd-/Osteuropäer.Anstatt sich mit dem Thema Wolf einmal intensiv auseinanderzusetzen,ergeht man sich in Kommentaren, blind u. unpersönlich.Hirnrissig, bei uns muss alles reguliert werden.
Roswitha von Piotrovski:
Ja was soll ich sagen, es war ganz einfach ein tolles Konzert. Ihr Artikel liest sich so, als wäre ich gerade im Konzert und würden das Ganze noch einmal erleben. Sie haben jedes Detail genau beschrieben, so können auch die Menschen, die nicht dabei waren, erfahren was sie versäumt haben.
Peter Schlicker:
Verry nice
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