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Letzter Akt der FrauenKulturWoche - Eva Wiedemann präsentiert Autorin Irmgard Keun und...

„Das kunstseidene Mädchen“

03.04.2017 - 09:01

Mayen. Für den krönenden Abschluss der „FrauenKulturWoche“ sorgte Schauspielerin Eva Wiedemann am Sonntagabend im alten Rathaus. Wiedemann spielte 2015 im Rahmen der Mayener Burgfestspiele die „Heidi“ und im Stück „Amadeus“ die Rolle der „Constanze“. Am Sonntag hatte sie Autorin Irmgard Keun und das „Kunstseidene Mädchen“ im Gepäck und war trotz ihrer erst kürzlich erfolgten Knie – OP nach Mayen gekommen. „Es war mir wirklich ein Anliegen, die „FrauenKulturWoche“ mit dem Vortrag über eine starke Frau und ihr außergewöhnliches Werk zu unterstützen“, sagt Eva Wiedemann, die sich privat sehr mit dem Thema Frauenrechte befasst. Denn auch in künstlerischen Berufen kenne man die himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass Frauen häufig weniger verdienen als Männer. Zudem seien Regisseure meistens Männer, den Job des Assistenten würden vermehrt Frauen ausüben, die man dann auch immer mal wieder „Kaffee kochen“ schicke. „Und wenn ich mir heute so manchen Politiker anschaue, stellt sich mir manchmal die bange Frage, wie lange ich wohl noch wählen gehen darf“, spekuliert Eva Wiedemann in ihrem Vorwort. Für Autorin Irmgard Keun hat sich die Künstlerin ganz bewusst entschieden. Keun begleitet die junge Frau nun schon eine lange Zeit, war Thema im Abitur, Vorlage beim Vorsprechen und „Das kunstseidene Mädchen“ ist inzwischen auch ein Theaterstück, in dem Wiedemann mitwirkt.

„Irmgard Keun war eine ausgesprochen starke Frau, die zu Lebzeiten in einer von Männern dominierten Welt völlig verkannt wurde“, bedauert Eva Wiedemann. „Heute Abend möchte ich sie und „Das kunstseidene Mädchen“ einmal umfassend vorstellen und ihr auf diesem Weg ein wenig Gerechtigkeit verschaffen.“

In der Vorbereitung des Abends habe sie sich generell mit der Frage befasst, wie aktuell die Diskussion über die Situation der Frau in der Gesellschaft heute noch sei und habe schnell die traurige Antwort gefunden: „Das alles ist erschreckende aktuell, denn nicht nur war Irmgard Keun ihrer Zeit in Sachen Emanzipation und Rollenverteilung weit voraus - mir kam manchmal das Gefühl, wir sind unserer Zeit schon wieder hinterher.“ Bei den Recherchen habe sie sich manches mal gefragt: „In was für einer Zeit lebe ich eigentlich?“ Am Sonntag belegte sie ihr ungutes Gefühl anhand einer Gegenüberstellung aktueller Zitate aus der Politik und solcher aus dem Werk und Leben Keuns. So äußerte der polnische EU – Politiker Janusz Korwin Mikke beispielsweise erst kürzlich im EU-Parlament: „Natürlich müssen Frauen weniger als Männer verdienen. Weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent sind, müssen sie weniger verdienen! Wissen Sie, wie viele Frauen unter den besten 100 Schachspielern sind? Keine einzige! Und das ist der Beweis, warum Frauen weniger verdienen müssen als Männer!“ Nach 1945 soll Irmgard Keun einen Roman für einen Kölner Verlag schreiben. Sie verlangt dafür 5000 Mark. Vom Redakteur wird sie gefragt, ob sie wisse, was ein Arbeiter verdiene? Darauf sagt sie: „Dann lassen sie den Roman halt von einem Arbeiter schreiben.“

Die AfD macht in ihrem aktuellen Wahlprogramm klar: „Frauenquote, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab. Sie setzt sich für den Schutz der traditionellen Ehe und Familie ein. Es gelten natürliche Geschlechterrollen.“

Ein Zitat aus den 20er Jahren von Irmgard Keun ließ Wiedemann darauf folgen: „Traditionelle Rollenbilder von Frauen: Ehefrau, Hausfrau und Mutter. Die Frau als ökonomisch abhängige vom männlichen Oberhaupt.“

Im Anschluss zeichnete die Schauspielerin das Leben der 1905 geborenen Irmgard Keun eindrucksvoll nach. Eva Wiedemann präsentierte die Autorin als eine starke, eigensinnige Frau, die sich in der Zeit der Nazi – Diktatur in Deutschland verboten wurde und ins belgische Exil flüchten musste, um weiter arbeiten zu können.

Nach einem fingierten Selbstmord besorgte sie sich einen neuen Pass, kehrte damit nach Deutschland zurück und bot politischen und gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten Zeit ihres Lebens die Stirn. Erst ein Jahr vor ihrem Tod 1982 erhielt die außergewöhnliche Frau einen Preis für ihr literarisches Werk.

Zum Abschluss spielte Wiedemann eine Szene aus dem Kunstseidenen Mädchen und erntete nicht nur dafür großen Applaus.

Durch den letzten Abend der „FrauenKulturWoche“ führte Initiatorin Marion Falterbaum, die aufgrund eines Trauerfalls persönlich kaum etwas von den tollen Events der letzten Tage miterleben konnte: „Ich freue mich trotzdem sehr über die positive Resonanz, die ich von allen Seiten bekommen habe und ich danke allen ganz herzlich, die mich in der letzten Woche so sehr unterstützt haben: Ohne Anja Steffens, Sarah Sondermann, Uwe Hoffmann, Jasmin Franz und Sabine Neiß von der Stadtverwaltung Mayen wäre das alles so nicht möglich gewesen und auch unseren Sponsoren danke ich von ganzem Herzen für die Unterstützung. Und: Ich freue mich schon sehr auf die „FrauenKulturWoche 2018“.

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Kommentare
juergen mueller:
Frau Esken u.Erfahrung? Die SPD u.gute Umweltentwicklungen u.sozial verträglicher Klimaschutz schon "immer" eine Herzensangelegenheit? Seit wann das denn?Schon mal besser gelogen. Es ist nicht zu fassen,mit welcher Abgebrühtheit man sich hier noch als glaubhaft verkaufen u.aus dem roten Scherbenhaufen noch ein einigermaßen ansehnliches Puzzel machen will.Anstatt sich die Glaubensfrage selbst zu stellen,wird weiter lustig polarisiert u.an für die mit sozialen Unwahrheiten zu fütternde Bevölkerung gearbeitet.Sozial u.christlich sollte die SPD aus ihrem Wortschatz einfach streichen.
Uwe Klasen:
Schon zweimal startete der Sozialismus in Deutschland " ... in die neue Zeit" und endete Tragisch!
juergen mueller:
Bei all dieser Lobhudelei wird wohl vergessen,dass durch SchuWi Koblenz in eine Schuldenfalle geraten ist,von der sie sich bis dato u.bis in die Zukunft nicht erholen wird.Auch unvergessen sollte sein,dass er Widerstände aus der Bevölkerung als "Blödsinn" abgetan hat.Und ja,zu seiner Zeit als OB durchgeboxte Projekte haben Koblenz auch geschadet.Apropo Umweltamt - eine Phantombehörde,deren Berechtigung über Jahrzehnte man als überflüssig bezeichnen kann,da sie in Sachen Umwelt total versagt hat.Vermessen u.voreingenommen ist zu behaupten,in seiner Amtszeit habe eine wohltuende/offenherzige Identifikation der Koblenzer Bevölkerung mit ihrer Heimatstadt stattgefunden.Ich finde,dass hier ein Mensch seine Arbeit gemacht hat nach dem Motto:"Mein Wort ist Gesetz",nach seinen Vorstellungen,keine Widerstände duldend,schon garnicht aus der Bevölkerung.Unter "etwas besonderes u.unverzichtbar" stelle ich mir etwas anderes vor.Es fehlt nur noch,dass Hofman-Göttig ebenfalls Ehrenbürger wird.
Christian S.:
Ich lebe seit Jahren in den USA. Eigentlich wollte ich zurückkehren nach Deutschland. Aber mir wird himmelangst bei diesen Entwicklungen. Ich fühle mich nicht mehr sicher bei meinen Besuchen in Deutschland. Es wird immer meine Heimat bleiben, doch eine die ich nicht wiedererkenne.
Karl:
Ein Deutschland in den wir gut und gerne leben!!!! Es kotzt einen an. Es wird einfach alles hingenommen!
Donald Trump:
An solche Vorfälle müssen wir uns erinnern, wenn wir auf dem Weg zur Wahlurne sind.
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