Allgemeine Berichte | 22.02.2017

Basaltlavagrubenfeld Kottenheim

Der letzte Layen-Schmied vom Winnfeld

Werkzeuge mussten häufig geschärft werden - Ernst Hoffmann betrieb dazu eine Schmiede

Ernst Hoffmann bei der Arbeit am Amboss.Privat

Kottenheim. Wer heute durch das zwischen Ettringen und Kottenheim gelegene Winnfeld - Wernnloft sagen die Einheimischen - spaziert, in dem nun wieder ein üppiges Grün vorherrscht, der kann sich kaum vorstellen, dass dieses Basaltlava-Abbaugebiet einst wie eine Mondlandschaft aussah: hier gab es tiefe Löcher mit steilen Basaltlavawänden, Kränen, Hütten und Laderampen, dazwischen Abfallhalden, übersät mit Schlääch. Bis in die anfänglichen 1960er Jahren herrschte hier, ähnlich wie auf dem Mayener und Ettringer Feld, ein betriebsames Arbeiten am heimischen Stein, der über Jahrhunderte für Viele in der Region den mühsamen, täglichen Broterwerb bedeutete. Mit vielen speziellen Werkzeugen (Hämmer des Pflastersteinschlägers, Spitzten, Schlageisen, Kreuzhacken, Flächten, Dötzer), um die am meisten verwendeten zu nennen, wurde die Basaltlava in die gewünschte Form gebracht. Und da dieser Stein eine entsprechende Härte aufweist, ist es auch verständlich, dass die Arbeitsutensilien verhältnismäßig schnell ihre Schärfe oder Spitze einbüßten. Von daher war es für die am Stein arbeitenden Steinmetze, Steinhauer und Pflastersteinschläger notwendig und existenziell, dass sie ihre stumpf geschlagenen Geräte möglichst umgehend wieder in einen brauchbaren Zustand versetzt bekamen. Diese Dienstleistung für die damals noch zahlreichen Steinarbeiter erbrachte jeweils ein Layen-Schmied.

Die Schmieden auf dem Winnfeld

Neben der ehemaligen Firma „Winnfeld-Brechwerk“ mit den dazu gehörenden Steinbrüchen, die gegenüber dem Steinmahlwerk eine eigene Schmiede unterhielt, arbeitete Ernst Hoffmann für die zahlreichen Grubenbetriebe im fast gesamten Winnfeld-Bereich in seiner Layen-Schmiede. Diese hatte er von der Firma TUBAG überlassen bekommen. Hoffmann, Jahrgang 1905, war in Kottenheim als „de Baere-Ernst“ bekannt. (Der familiäre Beiname hatte seinen Ursprung bei der Großmutter, eine geborene Baer, die aus Obermendig stammte).

Die betriebene kleine Schmiede stand einst an zentraler Stelle oben am flachen Hauptweg des Winnfeldes, zwischen der jetzt nach und nach von einem Verein instand gesetzten Lay der ehemaligen Firma Gebr. Montebaur und der Wegegabelung, deren Verlängerungen jeweils zur K 20 führen. Von weitem schon drang aus den Schmieden am Tage oft ein typisches metallenes Hämmern nach außen; hier bei „Bäre-Ernst“ lagen dann meist etliche Werkzeuge in der vom Blasebalg angefachten Glut, welche er dann auf seinem Amboss wieder in die richtige Form brachte.

Schilderungen vom Ablauf in der Schmiede

Ausführlich im Detail schilderte der aus Mayen-Hausen stammende Heinrich Sauerborn Mitte der 1970er Jahre, selbst einst als Steinmetz auf der Lay beschäftigt, wie die Arbeiten in solch einer „Schmidd“ abliefen. Die Erinnerung an die Layen-Schmieden wollte auch er festhalten, waren deren Akteure doch wichtige Dienstleister für die Arbeiter. Sauerborn schilderte, dass ein Schmied meist in der eigentlichen Mittagszeit, in der die Steinarbeiter nach dem zur Lay gebrachten verzehrten Essen regelmäßig auf einer alten Matratze ausruhten, doch oft viel Betrieb und eine stressige Arbeit unter gewissem Zeitdruck zu erledigen hatte. Ähnlich beschrieb auch die Tochter von „Baere-Ernst“ die Arbeitszeit ihres Vaters: die Mutter musste das Essen für ihn spätestens um 11.30 Uhr zur Schmiede auf dem Winnfeld gebracht haben, welches der Vater dann eilig vertilgte, damit er um 12 Uhr, wenn die ersten Layen-Arbeiter zur Schmiede kamen, sofort mit seiner Arbeit loslegen konnte. Die Steinmetze, deren Werkzeug im Verlaufe des Vormittags stumpf und unscharf geworden war, erwarteten vom Schmied, dass er ihnen das Gerät für den noch langen Nachmittag wieder ohne großen Zeitverlust auf Vordermann brachte; sie warteten dann in und außerhalb der verrußten Hütte, bis die notwendig gewordene Arbeit des Herrichtens erledigt war. Ähnlichen Hochbetrieb hatte der Schmied dann auch abends, wenn die Arbeiter auf der Lay Feierabend machten, während er dann noch einiges zu tun hatte. Die abends dem Schmied überlassenen stumpfen Geräte waren wohl alle von den Besitzern entsprechend gekennzeichnet, sodass sie diese am anderen Morgen vor der Hütte abgestellt, sofort als die ihren erkennen konnten. In früheren Jahrzehnten, so bei Sauerborn nachzulesen, bezahlten die Arbeiter alle diese Schmiedetätigkeiten an ihrem Werkzeug beim nächsten, vierzehntägigen Zahltag, der so genannten „Kihr“; spezielle andere Aufträge oder Neuanfertigungen mussten dem Layen-Schmied immer direkt bezahlt werden.

Rechnungen gingen an die Firmen

Nach dem letzten Krieg, so die Tochter von „Baere-Ernst“, war die vorgenannte Zahlungsweise der Schmiededienstleistung allerdings nicht mehr gebräuchlich. Wenn der Vater abends nach Hause kam, schrieb er oft noch mit seinen rußgeschwärzten Händen auf, was er erinnerungsmäßig tagsüber alles geleistet hat, ehe er dies dann später in Ruhe für die einzelnen Firmen schriftlich festhielt. Nicht mehr der einzelnen Arbeiter, sondern die entsprechende Firma, denen die jeweiligen Arbeiter angehörten, erhielten am Monatsende eine Rechnung, die die Tochter nicht nur nachrechnete, sondern auch austragen durfte. Die Entlohnung des Schmiedes fürs „Scharfmachen“ der Werkzeuge war relativ gering: 16 beziehungsweise 18 Pfennig - so die Erinnerung der Tochter - berechnete der Vater pro Stück. Um in diesem Beruf mit seiner Hände Arbeit eine Familie zu unterhalten, da musste schon einiges über den Amboss gehen, erst recht, wenn man bedenkt, dass ja im Winter die Arbeiten auf der Lay weitgehend zum Stillstand kamen, die Arbeiter „stempeln“ gingen und infolge dessen auch kein Bedarf zum Schärfen von Werkzeug bestand. Wenn der Arbeitslohn des Schmiedes im Sommer zufriedenstellend ausfiel, dann musste er zwangsläufig für die einkommensschwache Winterzeit Rücklagen bilden.

Als in den frühen 1960er Jahren die Basaltlava-Förderung auf dem Winnfeld bis auf die Abräumung der früheren Abfallhalden (Röhrtche) eingestellt wurde, musste „Baere-Ernst“ zwangsläufig dort auch seine Layen-Schmiedetätigkeit einstellen. Doch mit seinem Sohn führte er bis zur Erreichung seines Rentenalters Bau-Schmiedearbeiten (Anfertigungen von Gittern und schmiedeeisernen Toren pp.) aus.

Franz G. Bell

Ernst Hoffmann bei der Arbeit am Amboss.Foto: Privat

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