Ein Besuch in Verdun als Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung

Geschichte erlebbar machen

Geschichte erlebbar machen

40 Schülerinnen und Schüler des städtischen Gymnasiums und der Gesamtschule Rheinbach besuchten Verdun. Foto: privat

20.09.2022 - 08:53

Rheinbach. „Ich habe heute am Kreuz von Louis Girard gesessen. Er ist 1892 geboren worden und am 24.10.1916 gestorben. Ich habe mir überlegt, dass er vielleicht mit seiner Frau und einer kleinen Tochter in einem Vorort von Paris gewohnt haben könnte, bevor er in den Krieg befohlen wurde. Sicher hat er es geliebt, Zeit mit seiner Familie zu verbringen, es aber gehasst, als er Abschied von seiner Familie nehmen sollte. Er hat wahrscheinlich niemals jemandem mitgeteilt, dass er eigentlich glücklich war, auch wenn er nie viel gelacht hatte. Seine letzten Gedanken, als er starb, galten seiner Frau, er fragte sich, wer sie nun versorgen würde. Zu uns heute würde er sicher gerne sagen, dass wir dankbarer für das Leben sein sollten, das wir leben dürfen, und alles dafür tun sollten, dass Kriege vermieden werden.“

Still und andächtig trugen sich die rund 40 Schülerinnen und Schüler des städtischen Gymnasiums und der Gesamtschule Rheinbach gegenseitig solcher Art Texte vor, die sie sich auf dem Nationalfriedhof am Beinhaus bei Verdun zu einzelnen Kreuzen ausgedacht hatten. Sichtlich bewegt gaben sie an, dass es etwas ganz anderes sei, alles wirklich vor Ort zu sehen und erleben zu können. Alte Geschichtsbücher könnten das so in der Art gar nicht vermitteln, wie es beispielsweise der Besuch im Festungswerk der Ouvrage de la Falouse oder im Beinhaus mit dem einleitenden Film tun können. „Man kennt grausame Bilder aus irgendwelchen Spielfilmen, aber das hier sind ja reale Aufnahmen. Unfassbar!“, formulierte Mia (Französischkurs von Frau Ewald, Klasse 9, SGR).

Die zweitägige Busfahrt wurde durch den jungen Verein „Partnerschaft des Friedens Rheinbach/ Douaumont-Vaux e.V.“ organisiert und von mehreren Lehrkräften und Vereinsmitgliedern begleitet, unter Ihnen der Vorsitzende Stefan Raetz und Vorstandsmitglied Tamara Vogt. Beide betonten die Bedeutung solcher Gedenkfahrten gerade für Jugendliche heutzutage. „Ohne großzügige Unterstützung und Förderer wäre dies so nicht möglich!“, räumt Raetz ein und hofft auch weiterhin auf Hilfen für den Verein.

Freudestrahlend bemerkten die Jugendlichen schon nach der Ankunft am Mittag, dass sie beim gemeinsamen Essen im Abri de Pèlerins die Getränke auf Französisch bestellen und sich für die Mahlzeit bedanken konnten. Auch der Führung durch das Fort Douaumont-Vaux in französischer Sprache vermochten viele tatsächlich schon weitgehend zu folgen und bedankten sich am Ende gar mit persönlichen Worten auf der Fremdsprache bei Nicolas Czubak für die vielen Informationen. Einige formulierten sogar eigenständig Rückfragen. Czubak führte die große Gruppe als Gäste der Partnerschaft des Friedens Rheinbach/Douaumont-Vaux e.V. nur allzu gerne rund 1,5 Stunden kostenlos durch die Befestigungsanlage und verlieh abschließend dem gemeinsamen Gedenken an diesem Ort besondere Bedeutung. „C’est notre histoire commune! Et c’est à vous comme jeunes Allemands et Français de protéger la bonne relation entre nos deux peuples!“ (Es ist unsere gemeinsame Geschichte und es ist an euch als junge Generation Deutschlands und Frankreichs die gute Beziehung zwischen unseren beiden Völkern zu bewahren.) Stephanie Ewald (Lehrerin am Städtischen Gymnasium und stellvertretende Vorsitzende der Partnerschaft des Friedens hatte die Führung für die Teilnehmer ohne Französischkenntnisse übersetzt.

Am Abend präsentierte dann der eigens angereiste Geschäftsführer, Johannes Killinger, des Unternehmens Masterkitchen aus der Nähe von Stuttgart Möglichkeiten, wie das im Laufe des Tages gesammelte Bild und Videomaterial für ein Projekt in Virtual Reality, Augmented Reality oder 360°Videos nutzbar gemacht werden könnte, um möglichst vielen interessierten Menschen die Möglichkeit zu bieten, diese besonderen Gedenkstätten (eben auch digital) zu erleben. Die Jugendlichen könnten hierbei eingeladen sein, selbst tätig zu werden, z.B. an der Bildbearbeitung, der Errechnung von Hotspots, der Modellierung von 3D-Objekten oder dem Verfassen mehrsprachiger Infotexte. Killinger traf mit den Ideen zu dieserart digitalen Projekten sicherlich einen wesentlichen Interessenschwerpunkt der jungen Menschen, die an dieser Fahrt teilnahmen, und Geschichte nun ganz bestimmt nicht mehr langweilig finden. Schülerinnen und Schüler wie Mia und Leonie (Französisch, Kl. 9, SGR) boten sogar freiwillig an, für diese Fahrt in anderen Klassen zu werben und auf dem Volkstrauertag am 13.11.2022 ihre Eindrücke zu schildern, ebenso wie Tim (Leistungskurs Geschichte von Herrn Jan Gerdemann, Q2, SGR) und Jule, Vanessa und Jona (Klasse 9 von Frau Anette Schwenk, Gesamtschule). Dort ebenfalls vertreten sein werden Olivier Gérard (Direktor des Beinhauses) und Armand Falque (Bürgermeiser aus Douaumont-Vaux), die an diesem Tag ein Gesteck niederlegen wollen. Französische Jugendliche werden voraussichtlich Ende November nach Rheinbach kommen, um dort Bäume des Friedens zu pflanzen und ihre Friedenspartnerstadt näher kennenzulernen.

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juergen mueller:
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Sabine Weber-Graeff:
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juergen mueller:
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