Laacher Forum: Rheinschwimmer Andreas Fath und sein unglaubliches Abenteuer

„Ich muss unbedingt ins Wasser“

02.11.2016 - 17:00

Maria Laach. „Ich muss unbedingt ins Wasser.“ Aber es musste für den gebürtigen Speyerer Andreas Fath schon der Vater Rhein sein. Diesem für durchschnittliche Freizeitsportler lebensgefährlichen Abenteuer hat sich der gut durchtrainierte Chemieprofessor von der Hochschule Furtwangen gestellt. Er durchschwamm und erkundete den 1231 Kilometer langen Fluss von der Quelle bis zur Mündung.



Gefährliche Bojen


Gefährlich waren die Rheinkähne, Bojen und Stromschnellen. Doch richtig erschreckt haben ihn die bedenklichen Konzentrationen an mikroskopisch kleinen Kunststoffpartikeln, Antibiotika, Drogen und Süßstoffen, so das Fazit der bei seinem Unternehmen entnommenen Wasserproben. „Wir sind im großen Maß selbst verantwortlich für das, was wir im Rhein finden“, erklärte der Professor im Laacher Forum. Den Rhein durchschwimmen, wo er schwimmbar ist, war sein Ziel. Und so ging Fath bereits an der Quelle, am eiskalten Tomasee, ins Wasser. Schon dort finden sich Spuren unserer Zivilisation in Form von Chemikalien und Mikroplastik. Im Oberlauf ist der Fluss wild, gilt aber ab Ilanz als schwimmbar. Bereits an den ersten Staustufen sah er große Mengen an Plastikmüll: „Der Rhein ist eine riesige Plastikmühle. Du hörst den Kies am Grund mahlen. Der Kunststoff wird zermahlen.“ Die mikroskopisch kleinen Teile gelangen über Fluss- und Seefische in den Menschen.

Das Mahlen vom Kies am Grund, das Rauschen des Flusses, das Motorengeräusch der Schiffe: Vor allem laut ist es im Vater Rhein. Immer wieder gab es für Fath erhebende Momente, wenn ihn liebe Menschen am Ufer mit einem heißen Kaffee versorgten.

Am Rhein haben ihn vor allem die geschmacklichen Unterschiede beeindruckt: „An einer Kläranlage hatte ich den Geschmack von Diesel im Mund.“

Mit seinen Anteilen an Phosphaten, Nitrat, Schwermetallen und mit seinem Sauerstoffgehalt habe der Strom durchaus Trinkwasserqualität: „Aber da gibt es noch andere Stoffe. In Köln war die Wasserqualität am schlechtesten.“


Große Gefahren


Bei seinem Vortrag sprach der Referent auch über die Gefahren als Schwimmer, dass etwa beim Stehen zwischen den Steinen im flachen Lauf die Beine gebrochen werden können oder dass er an Bojen hängenbleiben kann.

Doch all diese Mühen waren vergessen, als sich ihm in Rotterdam der weite Blick aufs Meer öffnete und er Salzwasser schmecken konnte. Unideologisch führte der Chemieprofessor seinen Zuhörern vor Augen, welch gefährlicher Mix sich im Rhein befindet und dass wir alle etwas dagegen tun können. Der Rhein sei ein „Patient“, vollgepumpt mit Antibiotika durch die Tierhaltung, Coffein, Diclofenac, Süßstoffen, Benzotriazol, dem möglicherweise krebserregenden Climbazol aus Antischuppenshampoos und einer besorgniserregenden Konzentration an Mikroplastik in den Fischmägen. Professor Fath: „Wasser bewegt sich im Kreislauf. Also sollten wir nicht nur unser Trinkwasser, sondern auch unser Abwasser im Auge behalten. Vielfach sind es Produkte, die wir täglich benutzen. Und unsere Kläranlagen sind noch nicht so weit, alle Stoffe zu eliminieren.“ Im Laacher Forum riet Professor Fath den Besuchern auch dazu, etwa auf Getränke mit Süßstoffen zu verzichten. Auch der geringere Verbrauch von Kunststoffen hilft. Kunststoffe an sich seien für den Menschen nicht so gefährlich, jedoch die daran gelagerten Giftstoffe, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Fath: „Niemand kann mit allen Wassern gewaschen sein, da wir unser Wasser ständig verändern.“


Vorschau


„Was müsste Luther heute sagen?“ lautet der Vortag von Dr. Heiner Geißler am Mittwoch, 16. November, um 20 Uhr im Laacher Forum. Professor Annelie Keil und Dr. Henning Scherf thematisieren am Donnerstag, 24. November, das Sterben und den Abschied leben lernen. Sie werden ihre ganz persönlichen, bitteren wie tröstlichen Erfahrungen offenlegen und Mut machen, den Abschied gemeinsam zu leben. Der Vortrag von Pater Anselm Grün OSB am Mittwoch, 30. November,, ist bereits ausverkauft. Buchungen und Nachfragen: Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, 56653 Maria Laach, Telefon (0 26 52) 5 93 65, www.maria-laach-buchhandlung.de oder E-Mail an buchhandlung@maria-laach.de.

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Kommentare
Sebastian Goerke:
Herr Daum, nein es geht hier jetzt eben nicht um Mautsäulen sondern um echte Blitzeranlagen. Mit Mautsäulen können Durchfahrtverbote nicht kontrolliert und geahndet werden. Das ist mit Blitzeranlagen, die feststellen, dass es sich um eine unerlaubte Durchfahrt handelt anders....
Gabriele Friedrich:
Bei Ihren genannten Möglichkeiten @Herr Daum, können die aber nicht die LKW Fahrer abzocken. Auch hier geht es eher ums Geld als um den guten Schlaf der Bürger. Straßenbelag kostet auch Geld, das man ja anscheinend nicht ausgeben will oder kann....
Michael Daum:
Schmerzensgeld ist ja nett, kommt nur leider nicht bei den Menschen an, die die Schmerzen von dem Lärm haben! Außerdem hieß es doch von offizieller Seite, dass bei den wenigen Kontrollen fast alle LKW eine Genehmigung zur Durchfahrt besessen hätten. Da hilft dann auch die Aufstellung von LKW-Blitzern...
Gabriele Friedrich:
Impflinge hört sich für mich einfach nur widerlich an. Und ja, Herr Müller-typisch deutsch-versagend....
juergen mueller:
Darauf habe ich gewartet, auf diese immerwährend aus jeder Situation heraus deutsch produzierten Unwörter. IMPFLINGE. Hört sich kindisch an, ist aber eben typisch deutsch. Wer hat`s erfunden? Irgendeiner aus dem Politik- bzw. Verwaltungslager bestimmt. Da sitzen ja sicherlich auch genügend Impflinge,...
juergen mueller:
Könnte heisst auf gut deutsch geht nicht. Und ein neues Konzept für Jugendliche? Wie könnte das aussehen? Ich kenne den Standort. Die Lage ist prädestiniert für das, was überall stattfindet (ohne zu verallgemeinern) ein Treffpunkt für Jugendliche mit Alkohol, Zigaretten (es darf auch mal etwas Gras...
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