Allgemeine Berichte | 28.04.2020

Interview des Dekanats Ahr-Eifel

Wächst zusammen, was zusammen gehört?

Pastoralassistentin Johanna Becker (Schulseelsorge), Pfarrer Arno Lutz Henkel (PG Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Pastoralreferent Markus Hartmann (Familienpastoral) über www.verbundenanderahr.de

Bad Neuenahr-Ahrweiler/VG Adenau. Seit vier Wochen geht katholische Kirche an der Ahr andere Wege. Modern, anders, mehr „to go“. Gibt es erste Früchte zu entdecken? Ein Interview mit den Machern.

Corona nimmt Kirche das, was ihr ganz wichtig ist – Gemeinschaft. Sie ist das A und O von Liturgie und allen anderen Veranstaltungen. www.verbundenanderahr.de soll Menschen seit 1. April virtuell zusammenführen und zu einem spirituellen Leben daheim anregen. Dahinter stecken: Pastoralassistentin Johanna Becker (Schulseelsorge), Pfarrer Arno Lutz Henkel (PG Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Pastoralreferent Markus Hartmann (Familienpastoral), sowie eine Fülle von Ehrenamtlichen.

1. Brauchte es diese Seite wirklich?

Pfarrer Arno-Lutz Henkel: Ich bin überzeugt, dass diese Seite ein wertvolles Angebot ist, damit Menschen, denen der Glaube wichtig ist, oder die sich für religiöse Fragen interessieren, Anregungen für ihre ganz persönliche spirituelle Praxis finden. Natürlich kann ein virtuelles Angebot nicht Gemeinschaft oder gewohnte liturgische Feiern ersetzen. Doch schafft sie mit dem Format „Gott am Küchentisch“ einen Anknüpfungspunkt, der aus einer eher konsumierenden Haltung heraus führt. Und das in eine kreative Form des Betens - alleine oder in Hausgemeinschaft mit anderen – hinein führt. So kann man dem persönlichen Glauben einen Resonanzraum schaffen. Unsere Impulse helfen dabei.

Vielleicht löst so die Kreise eine „Erschütterung“ aus und bringt gottesdienstliche Gewohnheiten ins Wanken und legt Fragen frei: Was ist mir im Glauben wichtig? Mit wem möchte ich es teilen? Wie gelingt ein echtes Feiern dessen, was mich im Leben, gerade jetzt und unter den Bedingungen von „Sozialem Abstand“ trägt? Ja. Von daher glaube ich, dass es vor allem Menschen braucht, die bereit sind, solche Angebote aufzugreifen, zu kommunizieren und letztlich daran mitzuwirken.

2. Was ist Ihnen bei der Seite wichtig?

Markus Hartmann: Die Seite muss anregend sein und eine große Bandbreite von NutzerInnen ansprechen: Bei den einen ist ein Glaubensleben quicklebendig. Für andere ist das total ungewohnt. Die einen bringen ganz viel an Wissen und Ritualen mit. Andere sind da ganz „unbeleckt“.

Deshalb bietet sie ganz viel: praktische Tipps und Hinweise auf Aktionen, Mitmachangebote, aber auch Impulse für die Sonn- und Feiertage, mit Filmen, Musik, Texten…. Und die sind ganz offen gestaltet, sodass da noch viel Raum ist, Gebetszeiten so zu gestalten, wie es dem einzelnen oder der Familie entspricht. Da tut es gut, wenn sich die NutzerInnen vorsichtig herantasten dürfen. Deshalb sind unsere Anregungen eher offen gehalten.

Wo allerdings alle, die die Gottesdienstimpulse feiern, durch müssen: sie treten aus der Zuschauerrolle heraus und werden in Sachen Glauben aktiv. Dabei muss jede und jeder ein Stück von sich Preis geben. Aber genauso reift man im Glauben. So geschieht Glaubensweitergabe. So beginnt man einfach zu leben, was man vom Evangelium verstanden hat.

3. Was tun Sie, damit Sie alle Generationen erreichen – auch die Jugendlichen?

Johanna Becker: Ich erlebe Jugendliche momentan sehr beschäftigt. Sie stehen vor der Aufgabe, ihren Alltag neu zu strukturieren und zu meistern. Sie stellen praktische Hilfen auf die Beine (z.B: die Aktion „Jugend hilft“). Wir wollen deshalb mit unserer Seite lediglich eine Möglichkeit schaffen, um in dem Vielen, was gerade zu tun, aber vor allem zu lassen ist, einfach einmal anhalten, durchatmen, stillsein zu können. Für Kinder- und Jugendliche bieten wir daher einige YouTube-Links mit Videos verschiedener Art und vor allem alternative Liedvorschläge an, die sich mehr an deren Ohren orientieren. Geplant ist auch unsere Instagram-Präsenz deutlicher auf Jugendliche hin auszurichten, um dort vielleicht auch zusätzliche Impulse speziell für Jugend anbieten zu können. Aber das ist noch in der Planung.

Pressemitteilung des

Dekanats Ahr-Eifel

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