Hühnerzucht im Kreislaufmodell auf dem Wittfelder Hof

SPD-Fraktion in Wachtberg sieht Erfolgsrezept für Tier- und Klimaschutz

SPD-Fraktion in Wachtberg sieht
Erfolgsrezept für Tier- und Klimaschutz

Judith Bollig und ihre „glücklichen Hühner“ auf dem Wittfelder Hof. Foto: privat

02.11.2021 - 15:21

Wachtberg. Immer weiter wachsen durch Massenproduktion und trotzdem wenig verdienen, das ist das Schicksal vieler konventioneller Landwirte. Diesen Weg wollten Thomas und Judith Bollig nicht mehr gehen als sie den Schweinezuchtbetrieb auf dem Wittfelder Hof bei Villip 2019 von ihren Eltern übernahmen. Sie schlossen sich dem Biolandverband an und stellten den gesamten Betrieb inklusive Hofladen auf Bio um, nicht zuletzt wegen der damit verbundenen hohen Anforderungen an die Tierhaltung. Heute leben wesentlich weniger Tiere auf größerer Fläche entsprechend ihren natürlichen Bedürfnissen. Der Schweinezucht bleiben die Bolligs treu, daneben gibt es aber neuerdings Rinder und Schafe auf der Weide. Und eine wichtige Rolle spielen die Hühner. Das sind Legehennen für die Eier- und Masthähnchen für die Fleischproduktion. Alle erzeugten Produkte werden im eigenen Hofladen angeboten. Lange Transportwege entfallen.


Die Hühner liegen Judith Bollig ganz besonders am Herzen. Deshalb hat ein Hühnerleben auf dem Wittfelder Hof wenig gemeinsam mit dem Leben eines Huhns in konventioneller Haltung. Die Legehennen kommen mit 18 Wochen auf den Hof und haben dort viel Auslauf an frischer Luft und Gras zum Picken. Die „Bruderhähne“ der Legehennen werden zurzeit noch nicht bei Bolligs aufgezogen, sondern in dem Betrieb, aus dem die Legehennen stammen.

Biologisch betrachtet sind die Masthähnchen sowohl weibliche als auch männliche Tiere. Bei Bolligs kommen sie als Eintagsküken einer alten und robusten Freilandrasse auf den Hof. Sie flitzen dort den ganzen Tag draußen herum, was gut für Knochen- und Muskelaufbau ist und natürlich der Lebensfreude der Tiere dient. In drei bis vier Monaten sind sie dann schlachtfertig. Die modernen Maststraßen in konventioneller Aufzucht sind schon in fünf Wochen „fertig“, wobei sich die Tiere nur wenig bewegen dürfen, um Fleisch ansetzen. Der Knochenaufbau wird so gestört und die Tiere können sich kaum auf den Beinen halten.

Im nächsten Jahr möchte Judith Bollig sogenannte „Zweinutzungsrassen“ ausprobieren. Das sind Züchtungen, die die Nutzung der weiblichen Küken als Legehennen und der männlichen Küken zur Mast ermöglichen. Das Problem der Bruderhähne entfällt und es gibt noch weitere Vorteile, aber die Kosten sind höher. Noch sind diese Rassen neu, aber ein Versuch ist es wert. Dann könnte man alle Hühner selbst aufziehen und hätte die gesamte Hühnerzucht als geschlossenen Kreislauf in eigener Hand. Wenn der Umbau auf dem Hof endlich fertig ist, soll auch die Schlachtung vor Ort erfolgen, der Transportstress entfällt und das Klima profitiert.

Auf eine Kreislaufwirtschaft setzt man auch beim Futter. Das wird im Einklang mit den Bioland-Richtlinien für alle Tiere komplett selbst hergestellt und die Felder werden dann wieder mit dem selbst produzierten Mist gedüngt. Durch den Anbau von Hülsenfrüchten, die dem Boden Stickstoff zuführen, und eine ausgeklügelte Fruchtfolge über sechs Jahre ist der Boden fruchtbar genug, Stickstoffüberschüsse fallen weg. Das schont das Grundwasser und fördert den Humusaufbau, den wichtigsten CO2-Speicher an Land. Mit Stickstoff überdüngte Böden, wie sie bei konventioneller Tierhaltung leicht auftreten, bauen weniger Humus auf und es kann außerdem zur Abgabe der Treibhausgase Ammoniak und Lachgas kommen. „Bio-Landwirtschaft ist somit nicht nur Tierschutz, sondern auch aktiver Klimaschutz, davon brauchen wir mehr in Wachtberg“, so das Resümee der umweltpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Dr. Roswitha Schönwitz.

Mit der vorhandenen Photovoltaik-Anlage produziert der Hof bereits jetzt genug Energie für den Eigenbedarf. Bolligs wollen darüber hinaus mehr klimafreundliche Energie durch Photovoltaik auf den neuen Dächern sowie die Nutzung von Windkraft und Biogas erzeugen. Im Moment ist das allerdings noch Zukunftsmusik, dafür müssten sich die politischen Rahmenbedingungen noch weiter verbessern.

Die SPD Wachtberg ist zuversichtlich, dass die zukünftige, von der SPD geführte Bundesregierung diese Probleme anpacken wird. Denn das Beispiel zeigt, dass Landwirtschaft und Umweltschutz Hand in Hand gehen können - es sollte Schule machen.

Pressemitteilung der

SPD-Fraktion in Wachtberg

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Achtung: Der Aufruf gilt ab heute, 20 Uhr!

ver.di ruft zum landesweiten Busfahrerstreik auf

Rheinland-Pfalz/Mainz. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ruft die Busfahrerinnen und Busfahrer des privaten Omnibusgewerbes Rheinland-Pfalz, am heutigen Mittwoch, den 19.01.2022, ab 20:00 Uhr aus dem laufenden Betrieb zum Streik auf. Das Ende ist noch nicht absehbar, heißt es am Mittwoch von ver.di Verhandlungsführer, Marko Bärschneider. mehr...

Der Lagerraum der Zeltlagergemeinschaft Ahrbrück wurde von der Flut völlig zerstört - die Hoffnung möchte man dennoch nicht verlieren

„Wir haben einen Totalverlust“

Ahrbrück. Eigentlich wäre der LKW mit den großen Zelten, der mobilen Küche, den Sitzbänken und Tischen am 14. Juli raus aus Ahrbrück in Richtung Eifel gewesen. Doch das traditionsreiche katholische Zeltlager wurde vom Leitungsteam abgesagt – Corona. So befand sich das ganze Hab und Gut in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli an seinem angestammten Platz, dem Keller des Pfarrhauses in Ahrbrück. Keine 50 Meter von der Ahr entfernt. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Kommentare
Reinhard Hiß:
Ich erwarte, dass der Besitzer der Insel den Schulbetrieb beendet, das Gebäude einige Jahre verfallen lassen und dann mit dem Argument des Verfalls eine Genehmigung für einen anderen Betrieb durchsetzen wird. Die Zeit spielt für ihn. So lange kein wirklich Mächtiger sie unterstützt, werden die Schwachen,...
LM:
Toller Brief!! Respekt. Ich hoffe das auch Herr Otto Neuhoff den liest. Als ich gestern Abend im Rathaus genau das angesprochen habe, hat er als Antwort nur gesagt, dass Brüche und Neuanfänge schon mal im Leben vorkommen würde. Sorry, aber welche Werte wollen sie denn vermitteln Herr Neuhoff?...
Wolfgang Hellenbrandt4:
Ein sehr emotionaler Leserbrief. Kann ich alles mitfühlen. Meine Tochter hat selbst 1999 auf der Insel Abi gemacht. Was ist nun passiert? Ein Vertrag wird zwischen zwei Parteien geschlossen. Es ist doch jedem klar, dass nur geschriebene und festgelegte Inhalte juristisch Bestand haben. Offensichtlich...
S. Schmidt:
Die CDU hat gewaltig Mitschuld an diesem Dilemma. Die sogenannte Energiewende, die horrenden Steuern und Abgaben auf Energieformen (Strom, Treib- und Heizstoffe), sowie die, jährlich, steigende CO²-Steuern, treiben die Inflation und verteuern alle Produkte und Dienstleistungen und sind Produkte der...
Jutta Lingansch :
Wenn dies in einem Neubaugebiet geschehen ist, geh ich davon aus dass der Junge dort auch wohnt und meistens befinden sich dort auch Bolzplätze. Da würde ich mein Kind nicht jedesmal zum Spielen hinbegleiten. Und wenn das Kind in Begleitung unterwegs gewesen wäre, an der Hand der Mutter oder dem...
Gabriele Friedrich:
Welche Eltern lassen denn zwei 8-jährige Kinder alleine irgendwohin gehen? Es gibt keine Situation, in denen so junge Kinder sich helfen könnten. Es gibt auch keine schwarz-weißen Pinscher, allenfalls ein Mischling. Es war sicher weit und breit keiner da, der den KIndern helfen konnte ( oder wollte...
Service