Allgemeine Berichte | 02.09.2014

Erster Rheinbacher Römertag war trotz schlechten Wetters ein voller Erfolg

Heldenhafte Gladiatorenkämpfe zogen die Besucher in ihren Bann

Das Städtische Gymnasium hatte sich in seiner Projektwoche mit den Römern und den Griechen beschäftigt.

Rheinbach. Nicht nur die Gladiatoren standen knöcheltief im Matsch beim ersten Rheinbacher Römertag. Doch die Anziehungskraft der Veranstaltung war stark genug, um weit über 1.000 Besucher anzulocken, die den Regenschauern und der herbstlichen Kälte trotzten und sich vom historischen Spektakel begeistern ließen. Es gab einen bunten Reigen von Aufführungen, Spielen und Informationen über die Zeit der Römer und ihre Bedeutung für das Rheinland. Aber auch jede Menge Anschauungsmaterial zum Anfassen und vor allem für die Kinder eine Unmenge von Aktionen zum Mitmachen weckten Erinnerungen an das alte Rom.

Die Hauptattraktion war zweifellos die martialische Kämpfertruppe von der Gladiatorenschule „Amor Mortis“, die in der mit weichem Sand präparierten Arena ihre robuste Kampfeskunst demonstrierte. Gladiatorenbesitzer „Leonidas“ schickte nacheinander seine Männer in den Ring zum heldenhaften Zweikampf in verschiedenen Gladiatorengattungen. Zuerst waren die „Provocatoren“ an der Reihe, mit Rechteckschild und Kurzschwert sowie Beinschiene am linken Bein und Armschiene am rechten Arm. Es folgten die „Essedarii“ mit Brustschild, Kurzschwert und Wurflanze sowie eisernem Gladiatorenhelm, Bein- und Armschutz.

Besonders eindrucksvoll war der Auftritt des „Retiarius“, der mit Wurfnetz, Dreizack und Dolch gegen den „Secutor“ antrat. Da krachten die Schwerter metallisch aneinander, die Schilde schepperten und die Wurflanzen flogen surrend durch die Arena, dass einem angst und bange werden konnte um die Gesundheit der Gladiatoren. Doch auf die hatte der imposante „Summa Rudis“, der muskulöse Schiedsrichter, ein stets aufmerksames Auge. „Wir wollten den römischen Alltag wieder aufleben lassen und die Kultur der Römerzeit erlebbar machen“, erläuterte Lorenz Euskirchen, Vorsitzender des Veranstalters „Freundeskreis Römerkanal“, die Intention hinter dem Spektakel. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit wurde aus dem Freizeitpark für einen Tag eine „Oppidum Romanum“, eine römische Stadt, wie Vizebürgermeister Claus Wehage in seinem Grußwort feststellte. „Schließlich haben die Römer nicht nur Krieg und Eroberung in unserer Region gebracht, sondern auch die römische Kultur und zahlreiche Bauwerke, die wir noch heute bewundern.“

Überreste römischer Bauwerke beeindruckten die Besucher

Überreste davon waren auch beim Römertag zu bestaunen, etwa „Aquädukt-Marmor“ von der elf Meter hohen und 1.400 Meter langen Römerkanal-Brücke, die dereinst bei Lüftelberg stand. Die Frontinus-Gesellschaft stellte die Wasser- und Energieversorgung einst und jetzt einander gegenüber, und Geschäftsführerin Petra Fricke wusste: „Wir ziehen heute noch Nutzen aus dem Wissen von damals.“ Das bestätigt auch Diplom-Vermessungsingenieur Ralph Heiliger vom „IngenieurteamZwei“ aus Rheinbach, der Vermessungsinstrumente der Römer vorstellte. Die Römervilla in Blankenheim präsentierte Skizzen und Modelle von den Ausgrabungen anno 1894 sowie Ziegelsteine aus der Original-Hypokauste, der Warmluftheizung, die einst die Römervilla erwärmte.

2011 hatte das Amt für Bodendenkmalpflege beim Landesverband Rheinland die Überreste einer römischen Villa im Gewerbepark Nord in Rheinbach ausgegraben. Man habe Umfassungsmauern eines Wirtschaftsgebäudes mit einer Darre zum Trocknen von Getreide und zum Mälzen gefunden. Das Gebäude habe wahrscheinlich zu einer Villa Rustica, einem landwirtschaftlichen Gut, gehört, erläuterte die Archäologin Dr. Jennifer Morscheiser. Eine Reihe von Fundstücken aus diesen Ausgrabungen stellte sie in einer Glasvitrine vor. Die Villa habe wohl vom ersten bis zum vierten Jahrhundert nach Christus existiert, bis zum Einfall der Germanen im damals römischen Rheinland, vermutet Morscheiser.

Bei ihr beschäftigten sich die Kinder zudem mit dem römischen Windmühlenspiel, ähnlich dem heutigen Mühlespiel, oder sie schrieben wie einst die römischen Schüler ihre Namen mit Metallgriffeln auf Wachstafeln. Am Stand der Römerthermen Zülpich durften die Kinder Mosaiken selber legen, am Stand des Glasmuseums Rheinbach Glasmosaiken basteln und am Stand des Naturzentrums Eifel Nettersheim eine schwere Weizenmühle aus Stein bedienen, um das Mehl für ein Fladenbrot oder ein Müsli zu mahlen.

Schon im alten Rom gab es viele Schummler

Schon im alten Rom gab es viele Schummler beim allseits beliebten Würfelspiel, weshalb man sich schon damals den „Würfelturm“ ausgedacht hatte, der das Betrügen unmöglich machen sollte. An der Einkleidestation staffierten sich die Mädchen als römische Damen aus mit Stoffen aus gewebter Wolle, die mir Naturfarben eingefärbt waren. „Die Jungen rennen hier immer voller Begeisterung mit Schwertern, Schild und Helm durch die Gegend - wir wollten einmal etwas für die Mädchen tun“, so Claudia Hipplier-Born von der RömerWelt Rheinbrohl. Das Ankleiden war zur damaligen Zeit insbesondere für höher gestellte Personen wie Senatoren alles andere als einfach, das erfuhren die Kinder. Eine Toga an- oder auszuziehen - das ging nur mit einem Sklaven an seiner Seite. Und auch der Gang zur Toilette musste frühzeitig angekündigt werden, damit man mit dem Auswickeln rechtzeitig fertig war.

Mit dem von zwei Kaltblütern gezogenen und originalgetreu nachgebauten römischen Reisewagen fuhren die Besucher durch den Freizeitpark und kamen dabei auch am beeindruckenden Stand des Städtischen Gymnasiums vorbei, das die Ergebnisse seiner „Römer-Projektwochen“ präsentierte, ergänzt mit Arbeiten zur griechischen Mythologie. Die verschiedenen Jahrgangsstufen spannten einen weiten Bogen von der antiken Technik über den Tempelbau bis zur Theologie.

Das Städtische Gymnasium hatte sich in seiner Projektwoche mit den Römern und den Griechen beschäftigt.
Heldenhafte Gladiatorenkämpfe zogen die Besucher in ihren Bann

Spannende Gladiatorenkämpfe der Gladiatorenschule „Armor Mortis“ begeisterten die Zuschauer.

Das Städtische Gymnasium hatte sich in seiner Projektwoche mit den Römern und den Griechen beschäftigt.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, kann man in aktueller Sache in Neuwied sehen. Hier wurden im Rahmen einer Schulhofumgestaltung 3 nachweislich verkehrssichere gesunde 100 Jahre alte...
  • Koblenzer Bürger: Die Forderung der FDP, die Baumschutzsatzung abzuschaffen, ist ein längst überfälliger Schritt gegen staatliche Überregulierung. Es ist widersprüchlich, Hauseigentümer auf dem eigenen Grund und Boden...
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, haben wir in aktueller Sache in Neuwied gesehen. Hier wurden an einer Schule im Rahmen einer Umgestaltung 3 einhundert Jahre alte nachweislich gesunde...
  • Boomerang : Seit 2011 eine Frau durch einen herabstürzenden Ast in d Rheinanlagen ums Leben kam will keiner mehr für die Sicherheit verantwortlich sein. Mit alten Bäumen ist es wie mit alten Menschen, die können weg und machen nur Arbeit.
  • Bernd Hilger: Und wann wird sie für den Verkehr freigegeben ?
Werbeplan 2026
Dauerauftrag 2025
MAYA Azubi Messe
Start in den Frühling
Innovatives rund um Andernach
Mitarbeiter im Verkauf
Zukunft trifft Tradition KW 10
Christoph Rosenbaum
Empfohlene Artikel
9

Rheinbach. Gedankenkreisen, das einfach nicht zur Ruhe kommt – Overthinking deluxe. Genau darum geht es bei einer Lesung mit der Bestsellerautorin und Philosophin Judith Werner, zu der RHEINBACH LIEST e.V. gemeinsam mit dem Netzwerk für Frauen und dem Coachhaus im Rahmen des Frauenmonats einlädt. Die Veranstaltung findet am 19. März 2026 um 19 Uhr im Coachhaus, Koblenzer Straße 4, statt. Die Autorin...

Weiterlesen

13

Rheinbach. Die Stadt Rheinbach und der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis (SkF) etablieren seit Mai 2025 gemeinsam das Angebot „Aufwind“ – ehrenamtliche Familienbegleitung. „Aufwind“ hat das Ziel, junge Familien mit Kindern bis zu 6 Jahren im Alltag zu entlasten und ihnen Unterstützung zu bieten, damit sie den Herausforderungen des Familienlebens mit mehr Leichtigkeit begegnen können.

Weiterlesen

Weitere Artikel
3

Mit der Rute ins Glück: Forellenangeln an der Vereinsanlage

Forellenfischen 2026: Termine und Teilnahmekonditionen

Bad Breisig. Das Angeln findet in der Vereinsanlage „Am Tiefpfad“ hinter dem ehemaligen Rasthaus B9 statt. Teilnehmer, die aus Richtung Sinzig kommen, sollten die Abfahrt Industriegebiet Goldene-Meile nehmen und vor der Brücke rechts auf den Wirtschaftsweg abbiegen. Aus Richtung Bad Breisig wird an der Kreuzung links in Richtung Aldi, Lidl und Vergölst abgebogen. Dann geht es geradeaus durch die Bahnunterführung, ebenfalls auf den Wirtschaftsweg in Richtung altes Wasserwerk.

Weiterlesen

Symbolbild.
18

Maßnahmen und Kontrollen zeigen Wirkung: Weniger Verkehrsunfälle auf der Panoramastraße

08.03.:Polizei zieht positive Bilanz nach Verkehrskontrolle auf der B 259

Cochem. Am Sonntag, dem 8. März 2026, führte die Polizeiinspektion Cochem eine Verkehrskontrolle auf der B 259, der Panoramastraße, durch. Diese Strecke ist bei Motorradfahrern besonders beliebt, und bei sonnigem Wetter waren bereits die ersten Zweiradbegeisterten unterwegs. In der Vergangenheit kam es auf dieser kurvenreichen Straße häufig zu schweren Unfällen mit Motorrädern. Maßnahmen wie die Reduzierung...

Weiterlesen

7

Oedingen. In der Kreisliga Gruppe A zeigte sich die 1. Mannschaft nach der schwachen Leistung im letzten Auswärtsspiel gut erholt und setzte sich bei der TTSG Kempenich/Spessart glatt mit 7:3 durch. Das sonst so erfolgreiche Doppel Stefan Mauel/Thomas Eregger musste diesmal aber gleich zu Beginn eine knappe Fünfsatzniederlage einstecken. Dafür war aber auf Norbert Dahm/Michael Meyer Verlass, die ausgleichen konnten.

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Dauerauftrag 2026
Mayener Ausbildungsmesse
MAYA
Zukunft trifft Tradition KW 10
Titel
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
First Friday Anzeige Februar
Innovatives rund um Andernach
BSW -WK 4
Rund ums Haus
Anzeige zu Video „Dein Geld, Deine Regeln – so planst du smart für die Zukunft!“