Allgemeine Berichte | 26.02.2018

Heinz Schönewald referierte über die Geschichte der Ahrtalbahn

Von der „Unvollendeten“ zur „Lantershofener Seilbahn“

„Forum Lantershofen“ lockte zahlreiche Besucher an

Freuten sich über ein sehr gelungenes „Forum Lantershofen“: Referent Heinz Schönewald (l.) und Ortsvorsteher Leo Mattuscheck. DU

Lantershofen. Einen derart großen Zulauf findet die beliebte Lantershofener Vortrags- und Gesprächsreihe „Forum Lantershofen“ auch nicht alle Tage. Mehr als 100 Besucher wollten sich den Vortrag zur Geschichte der Ahrtalbahn des renommierten Heimatforschers Heinz Schönewald nicht entgehen lassen und füllten Gaststätte wie Vorsaal des Winzervereins bis auf den letzten Platz. Im Stile eines Sportkommentators präsentierte Heinz Schönewald seinen von zahlreichen eindrucksvollen Bildern flankierten Vortrag quasi live aus der „Sprecherkabine“ des Winzervereins und hatte allerhand Fakten, Daten und Kuriositäten rund um die Eisenbahnhistorie des Ahrtals auf Lager. Gut zwei Stunden, die nie langweilig wurden. Seine virtuelle Reise begann Schönewald mit den Anfängen der 1880 erbauten Bahn, deren Endhaltepunkt lange der heute noch nahezu unverändert aussehende Bahnhof Ahrweiler war. An den Bahnhof „Ahrweiler Markt“, der erst in den 1950er Jahren erbaut wurde, war da noch nicht zu denken. Interessant auch der damals in großen Teilen gänzlich andere Gleisverlauf der „Ahrtalbahn“. So querte die Strecke hinter dem Ahrweiler Bahnhof die damalige Provinzialstraße (heute Wilhelmstraße) um nach Südwesten in Richtung Ahr einzuschwenken. Über eine Brücke bei der Lindenmühle kreuzte sie den Mühlenteich. Weiter ging der Verlauf in Richtung Römerstraße. Dort passierte sie das Gartengelände der „Schällergasse“ (heute Albert-Federle-Straße), um am Ende der Friedrichstraße den großen Vorplatz vor dem Ahrtor zu erreichen. Hier regelten Bahnbedienstete den Verkehr. Über die „Bitz“ (heute Carl-von-Ehrenwall-Allee) ging es zwischen Ahr und Klinikmauer weiter nach Westen. Etwa in Höhe der früheren Weinbauschule kreuzte sie die Walporzheimer Straße und erreichte auf diesem Weg den immer noch bestehenden, liebevoll restaurierten alten Walporzheimer Bahnhof.

Auch Holz wurde transportiert

Der historische Streckenverlauf der Ahrtalbahn ist eine von vielen interessanten historischen Facetten, die Heinz Schönewald in akribischer Recherchearbeit für sein 2016 erschienenes Buch „Die Geschichte der Ahrtalbahn“ zutage gefördert hat. Neben dem Personenverkehr war die „Ahrstrecke“ immer auch Gütertransportstrecke, beispielsweise von Holz aus den Fürstlich-Arembergischen Wäldern. Der Vortagsabend in Lantershofen brachte Details hervor, die vielen Besuchern unbekannt gewesen sein dürften, wie beispielsweise der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr existierende Bahnhof von Marienthal oder die Tatsache, dass ein Stück des heutigen Radweges an der Ahrtalbahn im Bereich der Altenahrer „Engelsley“ auf einer alten Bahntrasse errichtet wurde. Auch die militärische Nutzung der Ahrtalbahn während der Weltkriege wurde von Heinz Schönewald umfangreich dargestellt. Natürlich thematisierte er auch die sogenannte „Unvollendete“, die angefangene, aber nie fertiggestellte Bahnstrecke „Liblar-Dernau“, die eigentlich bis Rech ging. Deren Relikte in Form von Bahndämmen, Brückenpfeilern und Tunneln sind bis heute in der Landschaft deutlich sichtbar, auch rund um Lantershofen, beispielsweise im Bereich des „fliegenden Dach“ (große Brücke). Selbst als der Erste Weltkrieg tobte, trieb die kaiserliche Regierung dieses teure Projekt weiter voran – auch in der Hoffnung, so schneller Soldaten und Kriegsgerät an die Fronten transportieren zu können. 1923 wurden die Arbeiten an der „Unvollendeten“ eingestellt. Die verschiedenen Tunnel wurden später unter anderem zur Champignonzucht und als Zufluchtsstätte der Menschen vor Luftangriffen genutzt.

„Die Gleislose“

Ein weiteres Kapitel war die von 1906 bis 1917 zwischen Neuenahr und Walporzheim verkehrende, „Elektrische gleislose Bahn“. Diese chauffierte mit ihren luxuriös ausgestatteten Waggons die Fahrgäste zum Preis von 15 bis 35 Pfennigen unter anderem über die heutige Bad Neuenahrer Hauptstraße. Während des Ersten Weltkrieges zog die Staatsregierung die Kupferdrähte der 6,67 Kilometer langen Oberleitung als „kriegswichtiges Material“ ein, sodass zum 1. April 1917 der Betrieb der „Gleislosen“ endgültig eingestellt werden musste. Mit der bis 1965 von Lantershofen zum Ahrweiler Bahnhof verlaufenden Seilbahn wurde ein weiteres, lokales Detail in den Fokus gerückt. Jene Seilbahn beförderte den in der Lantershofener Grube abgebauten Ton über den Berg zum Bahnhof, um von hier entsprechend weitertransportiert zu werden. Veränderte Logistik- und Abbaubedingungen führten Mitte der 1960er Jahre zum Abbau der Seilbahn.

Freuten sich über ein sehr gelungenes „Forum Lantershofen“: Referent Heinz Schönewald (l.) und Ortsvorsteher Leo Mattuscheck. Foto: DU

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