Fragen an den Bürgerrat Bildung und Lernen im Schulausschuss des NRW-Landtags

Fragen an den Bürgerrat Bildung und Lernen im Schulausschuss des NRW-Landtags

Bürgerrat Bildung und Lernen im Landtag NRW: Die Vorsitzende des Schulausschusses Kirstin Korte (CDU) begrüßt Cynthia Seidel und Manfred Nielson vom Bürgerrats Bildung und Lernen im Landtag NRW. Mit dabei Dr. Karl-Heinz Imhäuser, Vorstand der Bonner Montag Stiftung Denkwerkstatt, die den Bürgerrat ins Leben gerufen hat. Foto: Bürgerrat Bildung und Lernen / Ben Knabe

31.03.2022 - 14:41

Bonn. Der Bürgerrat Bildung und Lernen ist im nordrheinwestfälischen Landtag zu Gast. Die Einladung zu einem Gespräch mit dem Ausschuss für Schule und Bildung kommt von André Kuper, Präsident des Landtages, persönlich. Zur letzten Versammlung vor den Wahlen sitzen, neben den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen, also die Bürgerbotschafter Cynthia Seidel (22) und Manfred Nielson (67) im Plenum, um sich den Fragen der Politiker zu stellen. Mit dabei ist auch Dr. Karl-Heinz-Imhäuser, Vorstand der Montag Stiftung Denkwerkstatt in Bonn, die den Bürgerrat Bildung und Lernen ins Leben gerufen hat: Ein aus mehreren Hundert in der gesamten Republik ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern zusammengesetztes Gremium, das 2021 Empfehlungen für ein Sofortprogramm entwickelt hat: Es enthält Antworten auf die drängenden Herausforderungen im deutschen Bildungssystem - aus Bürgersicht. Dr. Karl-Heinz-Imhäuser wünscht sich, dass die Politik die Expertise des Bürgerrates für sich nutzt: „Bürgerräte können zu spezifischen Fragen beraten, Lösungsvorschläge bieten und somit eine Unterstützung bei landesparlamentarischen Entscheidungen sein“.


Ähnlich sieht das auch der SPD-Politiker Jochen Ott, Sprecher der Bildungskommission. Er sehe in Bürgerräten, die aus dem Querschnitt der Gesellschaft bestehen, eine große Chance als Ergänzung zum parlamentarischen System. Die Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Bildung, Kirstin Korte, schließt sich an: „Das ist etwas, was unserer Gesellschaft hilft, was selbstverständlich auch uns hilft.“ und bedankt sich für die Anwesenheit und das Engagement des Bürgerrats.

Stellvertretend für den Bürgerrat Bildung und Lernen stellen Nielson und Seidel einige Aspekte der ausgearbeiteten Empfehlungen aus dem Sofortprogramm vor. Nielson konzentriert sich auf die Verbesserung der Ausbildung von Lehrkräften und das Thema Lebensnahes Lernen. „Wir setzen einen zu starken Fokus auf die Bildungsabschlüsse und einen zu geringen Fokus auf die Inhalte“, so Nielson. Es sei wichtig die Grundkompetenzen zu stärken. Er verweist dabei auf das Unterrichtsfach Lebenskompetenzen, das in den Empfehlungen des Sofortprogramms verankert ist. „Schule muss Spaß machen und gleichzeitig auf das Leben vorbereiten“, sagt Nielson. Seidel legt den Fokus auf Demokratie und Teilhabe in der Schule und daran angeknüpft auch auf die Mitarbeit des Bürgerrats in der Bildungspolitik. Claudia Schlottmann, Bildungspolitische Sprecherin der CDU fragt, was die Beteiligten des Bürgerrats tun würden, wären sie in politischer Verantwortung. Darauf findet Seidel eine klare Antwort: „Wenn ich als junge Person über die Umsetzung entscheiden müsste, würde ich mich immer mit den Menschen austauschen, die es betrifft. Ich würde in die Schulen gehen und versuchen, die Probleme an Ort und Stelle zu lösen.“

Zur konkreten Umsetzung fragt Franziska Müller-Rech, Sprecherin für Schule von der FDP-Fraktion, wie der Bürgerrat die zukünftige Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern sieht - insbesondere auf den verschiedenen Ebenen. Sigrid Beer (Bündnis 90/Die Grünen) möchte außerdem wissen, ob der Bürgerrat sich damit auseinandergesetzt hat, warum seitens der Politik vieles nicht umgesetzt wird.

Die Frage gibt Seidel zurück: „Das fragen wir uns auch. Die Ressourcen scheinen da zu sein. Sie werden nur nicht genutzt,“ außerdem sei es gerade im Hinblick auf die Harmonisierung zwischen den Bundesländern wichtig, den Inhalt anzugleichen, dass alle Schüler die gleiche Basis haben und das gleiche lernen, so Seidel. Nielson kritisiert die Bürokratie dahinter. Er ist der Meinung, es müsse eine stärkere Vernetzung zwischen politischen Entscheidungen und der letztendlichen Ausführung geben: „Wir wissen ganz genau, wo es hakt, aber haben Probleme in der Umsetzung. Die Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft unseres Lebens.“

Die Vorsitzende Kirsten Korte bedankte sich für die Teilnahme der Bürgerräte: Ich bin mir ganz sicher, dass wir den entsprechenden Blick und die kritische Reflexion auch durchführen werden, sodass sich Ihre Mühe zu uns gekommen zu sein, sicher gelohnt hat.“


Der Bürgerrat Bildung und Lernen


Der Bürgerrat Bildung und Lernen bringt Menschen zusammen, um gemeinsam Lösungen und Ideen für eine zukunftsfähige Bildungspolitik zu entwickeln: Die von der Montag Stiftung Denkwerkstatt in Bonn ins Leben gerufene Initiative bietet bundesweit ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahren ein Forum zur demokratischen Teilhabe und bildungspolitischen Mitbestimmung. Der Bürgerrat Bildung und Lernen ist auf drei Jahre bis Ende 2023 angelegt und hat in seinem ersten Jahr insgesamt mehr als 500 Menschen aus ganz Deutschland zur Teilnahme bewegt. Als einziger bundesweiter Bürgerrat ermöglicht er gezielt auch Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die aktive Mitarbeit. Über Kinder- und Jugendwerkstätten bringen sie ihre eigene Perspektive ein, wie sie in Zukunft lernen wollen.


Über die Montag Stiftung Denkwerkstatt


Die Montag Stiftung Denkwerkstatt berät und unterstützt die gesamte Stiftungsgruppe. Dazu übernimmt sie die Aufgabe, gesellschaftlich relevante, zukunftsweisende Themen aufzuspüren, die für die Weiterentwicklung der Montag Stiftungen von Bedeutung sein können: durch Konzeption, Organisation und Moderation von Veranstaltungen, Beteiligungsformaten, Dialogforen und Werkstätten - für Expertinnen und Experten verschiedener Fachgebiete ebenso wie für die allgemeine Öffentlichkeit. Das Team der Denkwerkstatt verantwortet und koordiniert außerdem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die interne Kommunikation der Stiftungsgruppe.

Montag Stiftung Denkwerkstatt

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Zu Besuch in der Frankensiedlung

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Ja, es waren schöne Stunden mit den Kindern der Klasse, manche haben gefragt, ob sie nicht 3 Tage hier bleiben könnten. Was hätte man alles für Möglichkeiten mit diesem Projekt, immer noch und wird auch so bleiben absolutes Unverständnis über die Entscheidung des Gemeinderates der Grafschaft aufgrund...
Mathias Heeb, Grüner Fraktionsvorsitzender:
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K. Schmidt:
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