VSR-Gewässerschutz e.V.

Landwirtschaft verliert Nitrate - VSR-Gewässerschutz findet sie in der Swist wieder

Landwirtschaft verliert Nitrate - VSR-Gewässerschutz findet sie in der Swist wieder

Dipl.-Phys. Harald Gülzow untersucht das Wasser der Swist. Foto: Marc Gater / VSR-Gewässerschutz

12.03.2021 - 14:16

Rhein-Sieg-Kreis. Im Rahmen seiner Nitratmesskampagne kommt der VSR-Gewässerschutz nach Auswertung der Messfahrt an der Swist im Januar 2020 zu einem erschreckenden Ergebnis: Die intensive Landwirtschaft im Rheinland führt dazu, dass der gesamte Flusslauf viel zu hohe Nitratwerte aufweist. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Wasser für einen guten Zustand höchstens 2,5 mg/l Nitratstickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Diese Vorgaben werden an der Swist stets überschritten. Der VSRGewässerschutz fordert eine stärkere Unterstützung des ökologischen Landbaus, um die Nitratbelastung in der Region zu senken. Bei der Beprobung der Swist fanden die Mitarbeiter vom VSR-Gewässerschutz heraus, dass bereits die Quellen bei Kalenborn in Rheinland-Pfalz erheblich mit Nitrat belastet sind. So wurde direkt nach dem Zusammenfluss der Quellbäche eine Nitratkonzentration von 23,6 mg/l gemessen. Bis zum Ortseingang von Esch stieg die Belastung der Swist auf einen Wert von 27,4 mg/l an. Besonders stark ist der Nonnenbach mit 74,7 mg/l belastet, der im Ort Esch mündet. Bis Meckenheim konnten die Gewässerschützer in der Swist eine Abnahme der Nitratbelastung auf 24,1 mg/l feststellen. Das liegt daran, dass zufließende Bäche wie der Altendorfer Bach mit 14,5 mg/l und der Wormersdorfer Bach mit 4,9 mg/l nur gering belastet waren. Hier gibt es weniger Ackerflächen mit intensive Landwirtschaft, sondern vor allem ein großes Obstanbaugebiet. „Auch wenn Obstbäume in der Regel Flachwurzler sind, reichen ihre Wurzeln tiefer als die der meisten anderen Ackerpflanzen. Der Baum kann daher die im Boden vorhandenen und mit der Düngung aufgebrachten Stickstoffe besser aufnehmen. Dadurch sinkt die Belastung im Grundwasser und somit auch in den Bächen“, erklärt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz, die Zusammenhänge.

Im Raum Swisttal geht die Zahl der Obstplantagen zurück und die Ackerflächen nehmen wieder enorm zu. Neben dem Gemüseanbau sind Getreide und Zuckerrüben die wichtigsten Anbaufrüchte. In dem Bereich stieg die Nitratkonzentration in der Swist dadurch stetig immer weiter an, bis sie mit 32,4 mg/l Nitrat in die Erft mündet. Der VSR-Gewässerschutz stellt fest, dass vor allem die Düngung der Ackerflächen von konventionellen Betrieben zu einer starken Nitratbelastung in der Swist führen. „Konventionelle Landwirte sind im Gegensatz zu der ökologischen Landwirtschaft einem enormen Preisdruck bei der Produktion ihrer Erzeugnisse ausgeliefert. Die Supermarktketten wetteifern um die niedrigsten Lebensmittelpreise – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Eine gewässerschonende Bewirtschaftung der Felder ist so kaum möglich“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Der ökologische Landbau hat weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Da sich die Zahl der Tiere an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen, werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden.

„Eine Ausweitung des ökologischen Landbaus und eine gleichzeitige Verringerung der intensiven Landwirtschaft würde in Zukunft zur Reduzierung der Nitratbelastung der Swist beitragen“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher eine wesentliche Erhöhung der ökologischen Flächen. Dies ist auch in Anbetracht des politischen Ziels von 20 Prozent ökologisch bewirtschafteter Landflächen bis 2030 dringend nötig. Damit die ökologischen Betriebe auch ausreichend landwirtschaftliche Flächen pachten können, rät der VSR-Gewässerschutz Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Seit 40 Jahren engagieren sich die Mitglieder des VSR-Gewässerschutz für das Leben am und im Wasser. Mit ihrer Arbeit setzen sie sich für den Schutz der Gewässer ein. Mit ihren Kampagnen treiben sie umweltpolitische Maßnahmen voran. Es ist dringend nötig, dass die Politik endlich eine Agrarwende – hin zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft – unterstützt. Die Aufklärungsarbeit der Umweltschützer in der Öffentlichkeit trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen die Zusammenhänge erkennen. Der Preisdruck der Discounter auf die Landwirtschaft ist Auslöser für eine umweltbelastende Agrarindustrie. Jeder Einzelne kann sich bewusst beim nächsten Einkauf entscheiden, eine enkeltaugliche Landwirtschaft zu unterstützen.

Pressemitteilung des

VSR-Gewässerschutz e.V.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Stellenmarkt
Weitere Berichte

Eine Umleitung wird eingerichtet

Straßenschäden bei Neuwied: L 259 wird voll gesperrt

Neuwied. Im Zeitraum vom 02.04. bis voraussichtlich 19.04.2024 werden Instandsetzungsarbeiten am Überführungsbauwerk der L 259 über die B 42 zwischen Neuwied-Block und Heimbach-Weis durchgeführt. Die Fahrbahnbefestigung im Bereich des Überführungsbauwerks weist erhebliche Schäden in Form von Rissen und Belagsausbrüchen auf. mehr...

Die Betrüger wollten vermeintlich defekte Dachrinnen zu überhöhten Preisen reparieren

Bad Hönningen: Polizei unterbindet illegale Arbeiten

Bad Hönningen. Am gestrigen Nachmittag führten Beamte der Polizei Linz eine Kontrolle an einem Mercedes Vito durch. Dabei stellten sie fest, dass die beiden Insassen im Raum Bad Hönningen Hausbesitzern Reparaturarbeiten an Dachrinnen angeboten hatten, ohne über die erforderliche Reisegewerbekarte zu verfügen. Es kam zu keinem Vertragsabschluss an diesem Tag. mehr...

Regional+
 

- Anzeige -

Ei Ei Ei – Die BLICKaktuell Osterüberraschung

Vom 18. März bis 1. April verstecken sich tolle Gewinnspiele und attraktive Aktionen von Unternehmen aus der Region in unserem Osternest. Seid gespannt, was sich hinter dem nächsten Osterei versteckt. Abonniert auch unsere Kanäle auf Facebook und Instagram, um nichts zu verpassen. mehr...

„TanZZeiT“ kam bei Besuchern gut an

Bad Breisig. Ende 2023 wurde die Idee geboren. Im Februar 2024 wurden „Nägel mit Köpfen“ gemacht und die Vertreter des Kulturvereins BREISIG.live e.V. sowie die Leitung des Marienhaus Seniorenzentrums St, Josef in Bad Breisig einigten sich auf zunächst 3 Termine für Tanznachmittage nicht nur für Senioren. Schnell war auch ein einprägsamer Name gefunden: „Breisiger TanZZeiT“. mehr...

Anzeige
 
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
LESETIPPS
GelesenNeueste
Kommentare

Neulich im Kiosk

von Gregor Schürer

Gabriele Friedrich:
Ein echt blöder Artikel. ...
Thola2:
Sehr geehrter Herr Schürer, willkommen im Leben, willkommen in 2024! Und jetzt???? Was will mir der "Dichter" damit sagen?? Das Geschilderte ist ganz normal in Deutschland. Wollen Sie uns Belehren? Und: 8 Uhr "früh"?? Das können nur Studenten oder Arbeitslose behaupten. Ich "maloche" schon um...
K. Schmidt:
Danke für das Stichwort Weihnachtsmarkt. Zu diesen wurde, z.B. von der DUH, aber auch einigen Politikern, aufgefordert die Beleuchtung wegzulassen oder zu minimieren. Und am letzten Samstag wurde groß dazu aufgerufen, für eine Stunde soviele Lichter wie möglich abzuschalten, als Zeichen für Klimaschutz...
Julia Frericks:
Die Ramadan-Beleuchtungen in Köln und Frankfurt sind wegweisende Initiativen. Die Lichter sorgen für eine festliche Stimmung, egal welcher Religion ich angehöre. Eine Stimmung, die auch bei vielen Nicht-Christen aufkommt, wenn sie z.B. einen Weihnachtsmarkt besuchen. In Köln ging die Initiative für...
K. Schmidt:
Soviel Geld, wie der Steuerzahler für die kath. Kirchen Jahr für Jahr in die Hand nehmen darf (ich meine nicht den Kirchensteuerzahler, sondern wirklich jeden!), soviel Beleuchtung kann man für die anderen Glaubensrichtungen doch gar nicht aufstellen, sonst schaffen wir die Dunkelheit ja komplett a...

Kreishaushalte in der Krise

K. Schmidt:
Die meisten der Landrätinnen und Landräte gehören doch einer Partei an, die Fraktionen der Kreistage auch. Ein Apell des Landkreistages an die Landesregierung ist nett, aber doch nicht mehr als ein unnötiger Umweg. Die Parteien, die sich auf der Landkreisebene finden, sind am Ende die gleichen, die...
Haftnotiz+
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Service