Das Mündungsgebiet der Ahr - Teil I

Einzigartige Flusslandschaft in Deutschland

Pflegemaßnahmen: Wasserbüffel sollen Wiesen- und Auenbereiche beweiden

19.01.2019 - 19:00

Sinzig/Kripp. Die Ahr ist der einzige von 42 Nebenflüssen des Rheins von der Schweiz bis zu den Niederlanden, der in seinem Mündungsgebiet auch heute noch streckenweise in einem selbst geschaffenen Bett fließt. Sie mündet direkt gegenüber Linz in den Rhein. Bis dahin hat sie von ihrer Quelle in Blankenheim eine Strecke von 85 Kilometern hinter sich.


Das mit hohen Bundesmitteln geförderte Naturschutzgebiet (NSG) „Ahrmündung“ ist auch ein NATURA-2000-Gebiet (FFH- und Vogelschutzgebiet) mit nationaler und internationaler Bedeutung. So konnte sich der Fluss – zumindest über weite Strecken – bis heute etwas von seinem natürlichen Charakter bewahren.


Mündungsbereich ist nicht mehr natürlich


Positiv sind die laufenden und teilweise bereits abgeschlossenen Renaturierungsmaßnahmen an der Oberahr. Allerdings ist der direkte Mündungsbereich längst nicht mehr natürlich. Schon früher gab es hier Regulierungsmaßnahmen. Diese mündeten im Jahr 1985 in einen massiven Eingriff: Hierbei wurde das rechte Ahrufer, kurz vor der Mündung in den Rhein, bis an den quer verlaufenden Fahrradweg auf einer Länge von rund 150 Metern mit einer massiven Steinschüttung begradigt. Hintergrund für diesen Eingriff in das Naturschutzgebiet war damals die Fortführung des Fahrradweges in diesem Bereich. Eine Tropenholzbrücke führt seitdem den Radweg im Mündungsbereich über die Ahr. Der Fluss hat jedoch bei Hochwassern eine derartige Dynamik, dass er sein Bett ständig verändert – und sich auch weiterhin einen anderen Zulauf in den Rhein sucht.


Naturschutzgebiet seit 1977


Das Mündungsgebiet der Ahr wurde von der damaligen Bezirksregierung Koblenz mit Rechtsverordnung vom 15. März 1977 in einer Größe von zunächst 55 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In der Zeit von 1979 bis 1981 flossen 396.200 DM an Bundesmitteln in dieses Naturschutzprojekt „zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlicher repräsentativer Bedeutung.“ Mittlerweile konnte das Gebiet auf eine Gesamtfläche von mittlerweile 63 Hektar erweitert werden. Schutzzweck ist gemäß § 3 der Verordnung vom 23. Juni 1981 „die Erhaltung des natürlichen Mündungsgebietes der Ahr mit seinen Wasser-, Sand- und Schlammflächen sowie als Lebensraum seltener in ihrem Bestand bedrohter wild wachsender Pflanzen und seltener in ihrem Bestand bedrohter Tier-, insbesondere Vogelarten aus wissenschaftlichen Gründen.“


Freies Mäandrieren


Mit der Unterschutzstellung soll das Gebiet langfristig gesichert werden, dessen Erscheinungsbild sich durch natürliche Flussdynamik auch heute noch fortwährend wandele. Durch freies, unkontrolliertes Mäandrieren, ständiges Auf-, Ab- und Umlagern von Schlick-, Sand-, Kies- und Schottermassen werden die Voraussetzungen für das Überdauern flussauentypischer Pionierbiozönosen geschaffen, wie sie großflächiger nur noch in Wildflusslandschaften anzutreffen sind.

Die Ahrmündung unterliegt einem fortwährenden Wechselspiel zwischen Rhein und Ahr. Zu Zeiten des Rheinhochwassers steht sie durch Rückstau über die Grenzen des Naturschutzgebietes hinaus vollständig unter Wasser. Die Ahr lagert dann infolge der verringerten Fließgeschwindigkeit Kies- und Sandbänke an, die den mittleren Ahrwasserstand übersteigen können. Bei Rheinniedrigwasser erhält die Ahr wieder Gefälle, und es kommt zu erneuten Abtragungen von angelandeten Materialien, einschließlich der durch Seitenerosion hervorgerufenen Uferabbrüche.

Neben einer großen Zahl von Pflanzen beherbergt das Naturschutzgebiet Mündungsgebiet der Ahr auch eine Vielzahl seltener Tiere. So kommen dort neben zahlreichen anderen Arten Eisvogel, Gartenrotschwanz, Schwanzmeise, Pirol, Gebirgsstelze und Rohrammer vor. Für diese sind Brutnachweise vorhanden.


Bedeutendes Nahrungs- und Rastbiotop


Durchaus eine Besonderheit ist der Flussregenpfeifer, der die offenen Kiesbänke dort zur Brut nutzt. Jedoch ist dieses Gebiet auch für Durchzügler, wie etwa Flussseeschwalbe und Waldwasserläufer sowie für Wintergäste, ebenso von großer Bedeutung als Nahrungs- und Rastbiotop.

Auch die Fischfauna in Ahr und Ahrmündungsbereich ist wertvoll. So kommen dort unter anderem noch stark gefährdete Arten wie Nase, Äsche und Barbe vor, deren Eiablage bevorzugt auf flachen Kiesbänken erfolgt. Auch die ebenfalls bedrohten Flussäsche, Bachforelle, Flussneunauge und Stichling, die auf sauerstoffreiche Gewässer angewiesen sind, finden hier noch einen Lebensraum.

Die Stadt Sinzig hat in den letzten Jahren durch Änderung der Pachtverträge die extensive Bewirtschaftung der Flächen im Bereich des Naturschutzgebietes erreicht. Nun gibt es Planungen, die großen Wiesenflächen des NSGs durch Wasserbüffel zu beweiden und punktuell Beobachtungsmöglichkeiten für Besucher zu errichten. Die Finanzierung des Beweidungsprojektes soll voraussichtlich über Ersatzgelder der Oberen Naturschutzbehörde finanziert werden. Von Naturschutzseite erfährt dieses Vorhaben Unterstützung. Zudem plant Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. dort parallel ein Projekt „Barrierefreier Naturerkundungspfad“ im Rahmen des EU-Programms EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung).


Vorhersagen zur Entwicklung sind nicht möglich


Die Ahr verlagert ihren Lauf auch weiterhin unablässig. Mittlerweile hat sich ein typischer Mäander mit gegenläufiger Fließrichtung entwickelt. Derzeit gräbt sich die Ahr im südlichen Teil des Naturschutzgebietes ein, und nicht wie erwartet in die nördlich gelegenen Ankaufflächen. Eine Vorhersage, wie die Entwicklung auf lange Sicht weitergehen könnte, ist trotz jahrzehntelanger Ortskenntnisse nicht möglich. So kann etwa ein einziges Rheinhochwasser, das mit einem kräftigen Ahrhochwasser zusammentrifft, eine ganz neue, unerwartete Situation schaffen. Diese Entwicklung sollte man in aller Ruhe verfolgen. Bei einem eventuellen Ahrdurchbruch bedürfte es einer relativ minimalen Rückverlegung des Radweges flussaufwärts zu der bereits bestehenden Rad- und Fußgängerbrücke im Bereich der Sportanlagen.


Rheinbrücke durch das NSG?


Bereits seit Jahrzehnten fordern einige Politiker aus den Kreisen Ahrweiler und Neuwied den Bau einer Rheinbrücke zwischen Linz und Kripp. Diese würde wegen der bereits bestehenden Bebauung unweigerlich durch oder über dieses herausragende Naturschutzgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung führen. Naturschützer befürchten zudem, dass eine dann zu erwartende vierspurige Verbindung zwischen der A 3 und der A 61 durch das Ahrtal faktisch zu einer strategischen Kölner Südumgehung würde – mit absehbar stark ansteigender (Schwerlast-) Verkehrsbelastung für die Rhein- und Ahrregion.

Hierzu haben sich Mitte Juli 2018 bei einem gemeinsamen Pressetermin Hans-Günther Fischer (Verbandsbürgermeister Linz), Herbert Georgi (damaliger Bürgermeister Remagen) sowie Andreas Geron (Bürgermeister Sinzig) unmissverständlich geäußert: Diese verweisen übereinstimmend ebenfalls „auf die bereits heute ohnehin stark von Verkehrslärm und Emissionen geplagten Menschen in dieser Region“.

Ein weiterer Bericht erscheint in der nächsten Ausgabe der Zeitungen des Krupp-Verlages, unter anderem mit Statements des Sinziger Stadtbürgermeisters Andreas Gereon, SGD Nord, zu den vorausgegangenen Diskussionen wegen der Umzäunung im Ahrbereich, sowie der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler.

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