Allgemeine Berichte | 20.11.2020

Trotzdem – Lichtblick e.V. - Verein gegen sexuellen Missbrauch/Frauennotruf e.V.

Gegen Missbrauch und Gewalt

Quelle: Pixabay

Neuwied. Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist körperliche oder seelische Gewalt sowie sexueller Missbrauch ein brennendes Thema. Doch in Zeiten, in denen Familien im Homeoffice und/oder Homeshooling sind, rücken Menschen im privaten Umfeld näher zusammen als zuvor und manchmal

zu nahe. In engen Wohnungen kann man einander nicht mehr aus dem Weg gehen. Was folgt, ist nicht selten zunehmende Aggressivität oder gar Gewaltbereitschaft.

Opfer sind die Schwächsten im System, auch im System Familie, und das sind nicht selten Frauen und Kinder. Gewalt geschieht jedoch nicht nur zuhause, sondern auch am Arbeitsplatz oder in Institutionen. Die Betroffenen erleben

Traumatisches, trauen sich aber oft nicht, über die Geschehnisse zu reden oder Hilfe zu suchen.

Hier kümmert sich der Verein „Trotzdem-Lichtblick“ mit Sitz im Landkreis Neuwied. In diesem Verein engagieren sich Frauen seit 1993 mit ihrer Kompetenz ehrenamtlich für Frauen, die Missbrauch und Gewalt erlebt haben oder in anderen schwierigen Situationen Hilfe suchen. Es gibt telefonische und persönliche Beratungsgespräche, Hilfe bei der Vermittlung von Rechts- und therapeutischer Beratung sowie bei der Unterbringung im Frauenhaus. Zudem unterhält der Verein eine von Therapeutinnen begleitete Gesprächsgruppe für weibliche, erwachsene Opfer sexuellen Missbrauchs. Prävention ist den Ehrenamtlichen des Vereins genauso wichtig. Hierzu gehören zum Beispiel Informationsabende für Eltern in Schulen und Kindertagesstätten sowie Fortbildungen für Personen aus der Kinder- und Jugendarbeit.

Fragen an Doris Eyl-Müller, Mitglied im Vorstand des Vereins

BLICK aktuell: Welche Erfahrungen machen Sie mit der aktuellen Situation? Hat Corona mehr Gewalt erzeugt oder diese „nur“ verstärkt?

Doris Eyl-Müller: Es gibt Faktoren, die Gewalt begünstigen. Dazu gehören Stress, Frustrationen oder auch Ängste, und zweifelsfrei bedeutet die Pandemie für viele Menschen eben genau Stress, weil die Kinderbetreuung zusammenbricht, Quarantänen angeordnet werden, sie bedeutet oft Angst vor der Infektion oder Angst vor Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig entfallen Maßnahmen, die wir zum Stressabbau nutzen: kein Gemeinschaftssport, kein Treffen mit Freundinnen und Freunden, keine Konzerte oder Theateraufführungen. Damit begünstigen die Auswirkungen der Pandemie die Verstärkung ebenso wie den Ausbruch von Gewalt.

BLICK aktuell: Mit welchen Maßnahmen können Sie Hilfesuchende begleiten?

Doris Eyl-Müller: Wir unterhalten neben der begleiteten Gesprächsgruppe für weibliche, erwachsene Opfer sexuellen Missbrauchs auch ein Notruf-Telefon, und die Erfahrung zeigt, dass erstens die Anzahl der Anrufe steigt, im Oktober hatten wir den Jahresdurchschnitt der Vorjahre bereits erreicht. Und zweitens, dass Einsamkeit ein großes Thema für viele Menschen ist, und dies gilt nicht nur für alte Menschen. Auch wenn ein Sachbearbeiter oder eine Sachbearbeiterin aus dem Zweierbüro zum achtstündigen Homeoffice wechselt, ist dies unter Umständen eine massive Veränderung für die Kommunikation.

BLICK aktuell: Wer wendet sich an Sie, wer kann Hilfe bekommen?

Doris Eyl-Müller: Bei uns melden sich grundsätzlich Menschen, insbesondere Frauen, die Rat suchen. Die Fragen sind so unterschiedlich, wie es unterschiedliche Menschen gibt. Es geht wie schon erwähnt oft um Einsamkeit, aber auch um Schulden, Erziehungsfragen, Sucht, Arbeitslosigkeit und natürlich auch oft um Gewalt oder sexualisierte Gewalt, Ängste und erlebte Traumata.

BLICK aktuell: Wie sehen Sie die Zukunft des Vereins? Welche Mittel benötigen Sie, um Ihre Arbeit erfolgreich fortführen zu können?

Doris Eyl-Müller: Unser Geld geben wir für die Therapeutinnen der begleiteten Gesprächsgruppe für weibliche, erwachsene Opfer sexuellen Missbrauchs und die Betreuung des Notruf-Telefons aus. Das sind unsere Hauptposten. Als kleiner Verein ist die Summe der Mitgliederbeiträge überschaubar, der Landkreis unterstützt uns maßgeblich. Dieser Zuschuss wird aber immer erst, nachdem der Nachtragshaushalt verabschiedet worden ist ausgezahlt, denn streng genommen ist der Zuschuss ein sog. freiwilliger Zuschuss des Landkreises, und Benefizveranstaltungen konnten in diesem Jahr überhaupt nicht stattfinden, das hat uns im Oktober fast an den Ruin gebracht.

BLICK aktuell: Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Doris Eyl-Müller: Da mein Wunsch, dass Frauenhäuser, Frauennotrufe und Gesprächsgruppen für Opfer (sexualisierter) Gewalt in Zukunft überflüssig wären, fernab jeder Utopie liegt, bleibe ich mal mit dem Wunsch bei etwas Realistischem, was mit politischem Willen umsetzbar wäre: Ich wünsche mir, dass die Istanbul-Konvention, also das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt vollumfänglich erfüllt wird. Das würde nämlich bedeuten, dass die Hilfeeinrichtungen für Opfer und deren Kinder ausreichend in ganz Deutschland finanziert würden. Dass Gewalt-Präventionsprojekte, Schutzwohnungen, Fortbildungen etc. keine sog. freiwilligen Leitungen der Kommunen mehr wären, jährlich mit den Haushaltsberatungen immer wieder auf’s Neue zur Disposition ständen.

www.trotzdem-lichtblick.de/

Wie alle ehrenamtlich geführten und auf Spenden angewiesene Vereine benötigt auch Trotzdem – Lichtblick e.V. laufend Unterstützung von engagierten Menschen. Wer den Verein unterstützen möchte, kann dies tun.

Bankverbindung: IBAN – DE03 5746 0117 0000 2195 55 BIC-GENODED1NWD -HE-

Gegen Missbrauch und Gewalt

Foto: New Africa - stock.adobe.com

Quelle: Trotzdem – Lichtblick e.V.

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