VSR-Gewässerschutz e.V.

Hohe Nitratbelastungen im Raum Mayen

Auswertung der Messdaten vom VSR-Gewässerschutz zeigen, dass Abwasser nicht zur Belastung beiträgt

Hohe Nitratbelastungen
im Raum Mayen

Dipl.-Phys. Harald Gülzow bereitet am Labormobil eine Wasserprobe zur Analyse vor.Foto: Marc Gater/VSR-Gewässerschutz

25.01.2021 - 11:26

Mayen. Der VSR-Gewässerschutz wurde in den letzten Wochen scharf von den Landwirtschaftsverbänden für die Aussage kritisiert, dass die Agrarindustrie die Hauptursache der Nitratbelastung ist. Ihre Behauptung, dass die hohen Werte unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre sind, widerlegt Dipl. Oecotroph. Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Wenn die untersuchten Wasserproben keine Belastung durch diese Bakterien aufweisen ist davon auszugehen, dass das Grundwasser nicht durch Abwasser belastet wird.“


Insgesamt stellte das Team der gemeinnützigen Organisation viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser fest. Bei jeder zweiten der 14 untersuchten Brunnenwasserproben im Raum Mayen wurden der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten. In allen Proben mit erhöhten Nitratwerten aus den Orten Mertloch, Fressenhof, Kruft

und Plaidt wurde keine Belastung mit E.coli festgestellt. Das beweist, dass die Ursache der Nitratbelastung hier nicht den defekten Abwasserrohren zuzuordnen ist.

Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter ist die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Hier hat sich der VSR-Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt um festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind. Gerade die städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung haben eine geringe Nitratbelastung. Diese Annahme bestätigt auch der Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes: „Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen.“

Die hohe Nitratbelastung hat gravierende Folgen für die Umwelt. Das belastete Grundwasser sickert den Gräben und Bächen zu und gelangt so über die Flüsse in die Nordsee. Dort führt die massive Nitratbelastung zu einem übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel. Ohne Sauerstoff ist kein Leben möglich – Fische sterben, sogenannte Todeszonen entstehen. Eine Verringerung der Belastung unserer Gewässer ist dringend nötig. Der VSR-Gewässerschutz findet es schade, dass die Landwirtschaftsverbände von den Nitratbelastungen, die von der Agrarindustrie ausgehen, ablenken wollen.

Eine Verringerung der Nitratbelastung ist möglich – das zeigen die geringen Nitratwerte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen wird Landwirtschaft betrieben. Die Wasserversorger schlugen schnell Alarm als sie feststellten, dass die Nitratwerte drastisch anstiegen. Dank frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und Landwirten sank die Belastung enorm. „Es wird höchste Zeit die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, so Susanne Bareiß-Gülzow.

Pressemitteilung

VSR-Gewässerschutz e.V.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Jugendzentrum Neuwied

Gemeinsam kochen mit dem Big House-Team

Neuwied. Zwar muss das städtische Jugendzentrum Big House leider weiter geschlossen bleiben, doch das Big House-Team sorgt für neue Online-Aktivitäten. So bietet es nun gemeinsame Kochstunden an. Auf dem Speiseplan stehen abwechslungsreiche und schmackhafte Gerichte, die jeweils dienstags ab 18 Uhr zubereitet werden. Los geht es ab dem 27. April. Interessierte ab 12 Jahren können sich via BigBlueButton zuschalten. mehr...

Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied

Spende der Allianz für die Erlebnispädagogik

Neuwied. Auf Initiative von Manuel Jung, Inhaber der gleichnamigen Generalagentur in Neuwied-Oberbieber, finanziert der Verein Allianz für die Jugend e. V. ein Projekt im Bereich der Erlebnispädagogik des Johanniter-Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied. Hier wurde dem Krankenhaus ermöglicht vier hochwertige Fahrräder für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem Förderbedarf anzuschaffen. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
Umfrage

Der Frühling kommt: Wo befinden sich Eure Lieblingsausflugsziele im BLICK aktuell-Land?

Eifel
Ahr
Mittelrhein
Mosel
Westerwald
Andere
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 
Kommentare
Antje:
Fast alle Testzeiten für Arbeitnehmer absolut nicht zu organisieren....

Nach 158 Jahren: MGV Oberlahnstein löst sich auf

juergen mueller:
Ja, so wird es RÜBENACH auch irgendwann ergehen. Kein Nachwuchs, weil durch neuzeitliches Denken Prioritäten anders gesetzt werden, was man in die alten Köpfe nicht hineinbekommt, die in einer Welt leben, die nicht mehr der Wirklichkeit entspricht, was man nicht wahrhaben will. NEUZEIT - etwas, was...
juergen mueller:
Eine lebendige Gesellschaft. Wen meint man politisch damit? Es läuft vieles unter Interventionen für den Umweltschutz und wird politisch groß hervorgehoben. Im Endeffekt handelt es sich hier um Peanuts, die man politisch für sich ausschlachtet u. damit der Bevölkerung Sand in die Augen streut. Das...
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen