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Sankt Urbanus Kapelle Oeverich wurde 80 Jahre alt

Jubiläum wurde mit stimmungsvollem Kapellenfest gefeiert

Der Stammtisch „Kapellenmäuse“ will den Erlös wie auch in den vergangenen Jahrzehnten wieder in Renovierungsarbeiten stecken

25.07.2016 - 15:26

Oeverich. Seit gut 20 Jahren kümmern sich die „Kapellenmäuse“ um die Oevericher St. Urbanus-Kapelle. Die mittlerweile 32 Damen des Stammtischs aus Oeverich, Niederich und Beller sind mitverantwortlich dafür, dass sich die Kapelle heute in einem guten Zustand befindet. Anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Kapelle hatten die emsigen Damen um „Chefin“ Christa Welter und „Pressesprecherin“ Hilde Bell einmal mehr zum beliebten „Kapellenfest“ eingeladen, von dessen Erlös in den vergangenen Jahrzehnten die immer wieder anstehenden Renovierungsarbeiten nach und nach in die Tat umgesetzt worden waren.

Zum Kapellenjubiläum gab es auch einen Gottesdienst am Sonntag, den die stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Maria Sonntag, als Andacht leitete. Dabei bestaunten die zahlreichen Gottesdienstbesucher auch die kleine Ausstellung von Fotografien und Zeitungsausschnitten aus den vergangenen Jahrzehnten zur Geschichte der Kapelle.


Viel Eigenleistung schon beim Bau


Schon beim Bau der Kapelle in den Jahren 1933 bis 1936 hatten die Bürger aus Oeverich und Niederich viel Eigenleistungen investiert, bevor der damalige Pastor Josef Knopp das Gotteshaus an Pfingsten 1936 feierlich einweihen konnte. Zuvor hatte an der gleichen Stelle bereits ab dem 17. Jahrhundert eine Kapelle gestanden, die jedoch wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Bei deren Abbruch 1933 kam zur allseitigen Überraschung unter der hölzernen Altarplatte ein älterer Altartisch aus Tuffstein zum Vorschein, der in einer Aushöhlung ein grünglasiertes, etwa fünf Zentimeter hohes Tongefäß mit sieben bis acht Knochenstückchen und zwei Zähnen enthielt. Zu wem diese Reliquien gehörten, konnte nicht mehr ermittelt werden. Das Reliquiar wurde später in die neue Altarplatte eingelegt und die Öffnung verschlossen.

Der Historiker Ottmar Prothmann nannte den Bau der Dorfkirche in seiner Festschrift zum 50-jährigen Bestehen derselben ein „Jahrhundertereignis“, an dem viele Menschen aus Oeverich und Niederich beteiligt gewesen seien. Das noch brauchbare Steinmaterial der alten Kapelle fand in den Fundamenten und in der Einfassungsmauer des heutigen Gotteshauses Verwendung. Nach den Plänen des Architekten Carl Mataré aus Ahrweiler wurde die neue Sankt Urbanus-Kapelle errichtet, wobei die Bauausführung vom Plan in einigen Details abweicht. Beispielsweise ist der Turm breiter als vorgesehen gebaut worden. Das

Bauwerk war mit Gesamtkosten von 7.000 bis 8.000 Mark veranschlagt, die man durch das Kapitalvermögen der Kapelle, Spenden der Dorfbevölkerung und den Erlös aus dem Verkauf des Kapellenlandes im Oevericher Unterdorf finanzieren wollte.


Bauphase verlief nicht nach Plan


Die Bauphase selbst verlief alles andere als nach Plan, da sich der Architekt eine Dauerfehde mit den Maurern lieferte, weil man sich in einigen technischen Details uneinig war. So berichtet es zumindest Prothmann in seinem überaus interessanten Büchlein zur Geschichte der Urbanus-Kapelle in Oeverich. In den 1933 gelegten Grundstein legte man demnach eine in Latein abgefasste Urkunde sowie drei Steine aus Rom, dem Heimatort des Kapellenpatrons, mit denen man den in Trier ausgestellten Heiligen Rock berührt hatte. Ferner sind darin Weizenähren und ein Fläschchen Wein enthalten sowie ein geheimnisvolles Schriftstück mit dem Titel „Oeverich von heute, Licht und Schatten“, das Pastor Knopp damals verfasst hatte. Bis heute weiß niemand, was darin geschrieben steht. Alles in allem verschlang der Rohbau 51.000 Zementschwemmsteine, 110 Kubikmeter Kies, 85 Kubikmeter Sand, 330 Sack Zement und 100 Zentner ungelöschten Kalk. Die Schlussabrechnung belief sich auf 17.000 Reichsmark, von denen Pastor Knopp und sein Bruder, der als Arzt in Koblenz tätig war, 3.452 Mark dadurch spendeten, dass sie auf die Rückzahlung eines Darlehens in gleicher Höhe verzichteten.


Gottesdienst im Rohbau gefeiert


Noch im Rohbau des Gotteshauses feierte der frischgebackene Priester Jakob Klein aus Oeverich wenige Tage nach seiner Primiz in der Pfarrkirche Leimersdorf am 22. August 1934 eine heilige Messe. Am 15. Januar 1935 wurde mit der Einweihung des unter der Kapelle gelegenen „Kapellensaales“ der erste fertiggestellte Teil des Gebäudes seiner Bestimmung übergeben. Für die von dem Kölner Glasmaler Ludwig Reckel jr. geschaffenen Glasmalereifenster fand sich anfangs niemand, der die erforderlichen 200 Mark als Spende pro Fenster aufbringen wollte. Erst als Gemeindevorsteher Thomas Josef Stang aus Niederich das erste Fenster gestiftet hatte, war der Ehrgeiz der Oevericher geweckt; binnen kürzester Zeit bildeten sich mehr Stifter, als Fenster vorhanden waren.

Das Chorgemälde im Innenraum der Kapelle stammt vom Bonner Maler und Illustrator Alfred Gottwald. Im Mittelpunkt ist Christus, der Priester-König, am Kreuz. Unter dem Kreuz steht links Maria in einer Gebetshaltung, gleichsam als Symbol für die betende Kirche. Auf der anderen Seite soll Johannes das Priestertum symbolisieren. Über diese Szene erhebt sich – die ganze Halbkugel der Apsis ausfüllend – der geöffnete Himmel, aus dem Gottvater herabschaut und die Arme zum Segen ausbreitet. Zwischen Vater und Sohn schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Laut Prothmann war die Idee des Bildes also nicht, die Dreifaltigkeit Gottes darzustellen, sondern die Verdeutlichung der Wandlung bei der heiligen Messe, die nach kirchlichem Verständnis eine unblutige Erneuerung des Kreuzopfers auf dem Kalvarienberg sein soll.

In den vergangenen Jahren hat sich viel getan rund um die Kapelle, die an Pfingsten 1936 feierlich eingeweiht wurde. Der untere Kapellenraum, der 65 Jahre lang nur als Abstellraum verwendet worden war, wurde mit dem Erlös einiger Kapellenfeste und viel ehrenamtlichem Einsatz als Versammlungsraum fertiggestellt. Auch diesen Raum nutzten die „Kapellenmäuse“ bei ihrem Kapellenfest. Sonst treffen sie sich jeden zweiten Donnerstag im Monat dort, um Neuigkeiten zu erfahren und gemeinsame Aktivitäten abzusprechen. Auch der Vorplatz und der Eingangsbereich wurden vor einigen Jahren umgestaltet sowie die Außenmauern saniert. Darüber hinaus wurde der Turm der Kapelle erneuert, wofür allein rund 15.000 Euro von den Kapellenmäusen beigesteuert wurden. Es folgte die komplette Dachsanierung, dann erhielt die Kapelle auch noch einen neuen Anstrich und vor zwei Jahren wurde der Zaun rund um die Kapelle erneuert. Seit dem vergangenen Jahr wird nun wieder angespart, um die geplante Innenrenovierung demnächst anpacken zu können. Erst vor kurzem wurden neue Heizkörper installiert, wozu die Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg ebenso wie die Kreissparkasse Ahrweiler jeweils 1.000 Euro und der Theaterverein „Vorhang auf“ 400 Euro als Spende beisteuerten.


Auch bei Brautleuten sehr beliebt


Seit Pfarrer Alexander Burg seinen Dienst in der Grafschaft angetreten hat, werden auch wieder regelmäßig Gottesdienste in der Kapelle abgehalten. Obwohl eigentlich im Urlaub, ließ er es sich natürlich nicht nehmen, persönlich beim Kapellenfest vorbeizuschauen und sich mit einer großen Portion Spießbraten und selbst zubereiteten Salaten der „Kapellenmäuse“ zu stärken. Die schmucke Kapelle ist übrigens auch bei Brautleuten sehr beliebt, die sich dort gerne das Eheversprechen geben. Und zur Oevericher Maikirmes laden der Junggesellenverein und das Maikönigspaar sonntags dorthin zum Gottesdienst ein.

Am Sonntag war der selbstgemachte Reibekuchen mit Apfelmus ein Genuss, am Morgen hatten die Kapellenmäuse dafür anderthalb Zentner Kartoffeln geschält, gerieben und frisch zubereitet. Die Stammtischfrauen legen allerdings auch Wert auf die Feststellung, dass ihre Männer stets fleißig beim Kapellenfest mithelfen, etwa beim Aufbau des Zeltes und bei anderen „Männerarbeiten“.

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Kommentare
Uwe Klasen:
Zitat Andreas Biebricher:"Die ... Grünen ... maßen sich an, alleine zu definieren, was richtig ist, was man sagen darf und was nicht, kurz: was politisch und moralisch korrekt ist. Andersdenkende werden in die Ecke gestellt und stigmatisiert. Das ist intolerant und undemokratisch." --- Wie Recht Herr Biebricher damit hat! Und meine Anerkennung, den Mut zu haben dies so klar zu formulieren!
juergen mueller:
Dieses Thema geht uns ALLE an und ich stelle einfach mal in den Raum, dass die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder, u.damit meine ich in erster Linie diejenigen der CDU,Freie Wähler sowie natürlich die AfD, die sich in Sachen Integration ja bereits einen Negativ-Namen gemacht hat u.macht im Aufsuchen einer Badeanstalt eine Minderheit ausmacht.Deshalb wäre eine Bürgerbefragung das Ziel gewesen.Das was hier mal wieder "im kleinen Rahmen" beschlossen wurde nenne ich intolerant u.undemokratisch.Die Aufklärungsarbeit von CDU-Biebricher ist widersprüchlich u.spiegelt seine alleinige Auffassung/Meinung dar,die zumindest mich nicht im geringsten interessiert,da sie kein Maßstab für die der Bürgerschaft darstellt.Politisch wurde sich (auch) mal wieder selbst übertroffen,indem Bade- u.Schulordnung Gegensätze aufzeigen,die inakzeptabel sind.Das was Sie,Herr Biebricher, hier predigen hat mit Offenheit,Respekt,Toleranz u.Aufeinanderzugehen nicht das Geringste zu tun.Das ist pure Polemik.
Uwe Klasen:
Mit den Worten einer (berühmten) Zeitgenossin: "Nun sind sie halt da! - Wir schaffen das!"

„Verschwunden – Letzte Spur Lahnstein“

JAHN, SABIENE :
Danke der Redakteurin für diesen guten Beitrag, der detailverliebt die Stimmung des Abends wiedergibt. Eine schöne Sprache hat sie. Ein kleiner Fehler ist leider unterlaufen. Nicht in Lahnstein fließen Rhein und Mosel zusammen, sondern in Koblenz. Das aber schmälert nicht den ansonsten gut recherchierten Beitrag. Glückwunsch Lahnstein, es war ein schöner Anlass in dieser tollen Stadt zu gastieren. Feiert froh durch das neue Jahr, Euerm Jubiläumsjahr! Beste Grüsse, Sabiene Jahn
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