Neues Buch von Günter Detro

Komisches für das Kaminzimmer

In „Der Mann im Mais“ versammelt der Rheinbacher Autor Günter Detro 16 seiner höchst unterhaltsamen Kurzgeschichten erstmals in einem Band und zeigt sich dabei erneut als Meister seines Fachs

Komisches für das Kaminzimmer

Günter Detro mit seinem neuen Buch. Foto: privat

27.10.2020 - 15:42

Rheinbach. In „Der Mann im Mais“ versammelt der Rheinbacher Autor Günter Detro 16 seiner höchst unterhaltsamen Kurzgeschichten erstmals in einem Band und zeigt sich dabei erneut als Meister seines Fachs.

„Ich stehe vor einer grünen Wand, die inzwischen meinen Kopf überragt …“, beginnt die titelgebende Geschichte, in der ein verzweifelter Anlieger eines jährlich wuchernden Maisfeldes eine denkwürdige Begegnung in eben selbigem hat. Dieser Text enthält bereits die meisten Lieblingszutaten von Günter Detros Kurzgeschichten. Ein argloser Beginn, ein dramaturgisch und sprachlich sorgfältiger Aufbau und eine überraschende Schlusswendung mit teils schwarzhumorigem Ausgang.

Autobiographische Bezüge sind dabei nicht ausgeschlossen. „Das Maisfeld hinter unserem Haus hat es tatsächlich über Jahre gegeben“, schmunzelt Detro, „bis meine Frau sich eines Tages mutig vor den Trecker gestellt und den jegliche Fruchtfolge ignorierenden Bauern zur Rede gestellt hat.“ Seit dieser Zeit sei es besser geworden, würden auch mal niedrig wachsendes Getreide oder Zuckerrüben gesät. Der Impuls für die Geschichte aber blieb.

Was für das Buchcover noch leicht gelang, nämlich dem Titel die naheliegende Kulisse zu verschaffen, brauchte beim jüngsten Fototermin mit dem Autor in Oberdrees ein wenig Flexibilität. Schließlich lieferte eine Plantage mit Miscanthus, im Volksmund „China-Gras“, einen großartigen Ersatz für die Ende Oktober längst abgeernteten Maisfelder und zugleich die passende Metapher: Bei dem leidenschaftlichen Sprachlaboranten mit dem Hang zum Wortspiel ist nämlich selten etwas so, wie es scheint.

Da wird ein vermeintliches Startprozedere für einen Marsflug zum Kindergartenabholritual und ein plötzlich auftauchender Zimmermann der lachende Dritte bei einem sorgfältig geplanten Diebstahl im Rheinbacher Glasmuseum. Der aufstrebende Schriftsteller „Edmond Depaire“, nebenbei: eine absolut serientaugliche Figur Detros, entdeckt seine weibliche Seite und bedient sich dazu auf nachdrückliche Art - und zum Leidwesen des zufällig erscheinenden Vertreters – eines Nudelholzes. Die Liebe zur überraschenden Pointe und das teils Bitterböse in Detros Humor lässt durchaus an Roald Dahl denken. Es entspricht der Bescheidenheit des 70-jährigen ehemaligen Gymnasiallehrers, dass er einen derartigen Vergleich, obgleich mit einem kaum wahrnehmbaren zufriedenen Lächeln, weit von sich weist.

Auch aus der Erinnerung an seinen Schulalltag schöpft Detro, der gerne schon in der Frühe schreibt und dies mit bewundernswerter Disziplin. Während „Elternschrecktag“, eine der amüsantesten Geschichten der Sammlung, auf der Hauptlinie des Buches liegt, hat er in „Das Versprechen“ die unangenehme Erinnerung an einen ob seiner Kriegserlebnisse offenbar traumatisierten Lehrers verarbeitet. An diesem Text, habe er „im Grunde 30 Jahre gearbeitet“, meint Detro.

Im Ganzen ist die Sammlung ausgesprochen vielfältig und kurzweilig. Nur wenige Geschichten sind zuvor schon veröffentlicht, viele davon jedoch im Rahmen der „TextProbe“ von Rheinbach Liest bereits einem Publikum vorgelesen worden. Der besondere Clou des aktuellen Buches: In der Tradition angelsächsischer Geschichtensammlungen hat der ehemalige Englischlehrer das Ganze mit einer Rahmenhandlung versehen. Da sitzen 16 fiktive Erzähler in einer nostalgisch anmutenden Runde vor dem knisternden Kamin und versuchen, sich mit ihrer „Story“ gegenseitig zu übertreffen. Ein Kaminzimmer wäre auch der angemessene Ort, um die Lektüre von „Der Mann im Mais“ stilvoll zu genießen. Zu einer Premierenlesung wird es aus einsehbarem Grund nämlich bis auf weiteres nicht kommen. „Auch vor diesem Hintergrund möchte man dem verdienstvollen Bonner Kid-Verlag zu diesem durchweg gelungenen Buch gratulieren“, befindet Rheinbach-liest-Vize Gerd Engel.

Auf der neuen Internetseite von Günter Detro (günterdetro.de) können sich die Literaturfreunde einen Überblick über die mittlerweile stattliche Zahl seiner Veröffentlichungen verschaffen und Kontakt zum Autor aufnehmen, der in der Corona-Zeit noch eine weitere Leidenschaft (wieder)entdeckt hat. Einmal wöchentlich verschickt der Sprachtüftler an Interessierte ein jeweils neues äußerst vergnügliches Rätsel, das sich deutschlandweit einer wachsenden Fan-Gemeinde erfreut.


Über das Buch


Günter Detro: Der Mann im Mais – Garstig-komische Geschichten, Kid-Verlag Bonn, Hardcover 164 Seiten.

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Burgfestspiele- Adventskalender 2020

Christa Spreemann:
Hallo und adventliche Grüße. Ich bin neu zu gezogen , habe aber schon von den wunderschönen Burgfestspielen gehört und würde mich freuen über den Gutschein um mir eine Meinung zu bilden in einer bis dahin hoffentlich coronafreien Spielzeit.Bleiben Sie gesund...
Gabriele Friedrich:
So kann man natürlich auch die Leute ausfragen. Ich glaube kaum das jemand hier schreibt, wie er Weihnachten feiert. Wenn 3 Geschichten hier stehen, schließe ich mich an....
Wally Karl:
Ich glaube nicht das die Politik es darauf anlegt vom Bürger verstanden zu werden. Abgehobene Gespräche werden in Politkreise als adelnd empfunden....
Gabriele Friedrich:
So ein geschwurbelter Text, nur um 100.000 Euro zu verbrennen. Bürgerinformationen sehen anders aus! WO soll WAS gemacht werden? ...
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