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Die Mitglieder der Weinbau-Bruderschaft - Traditionen wieder belebt

Seit 15 Jahren wieder Weinbau in Bad Breisig

Seit 15 Jahren wieder
Weinbau in Bad Breisig

Die achtköpfige Weinbaubruderschaft, die in ihrem Wingert das Fest ihres 15-jährigen Bestehens feiert. (v.li.) Werner Schäfer, Reinhard Mohaupt, Kay Montoan, Reinhard Müritz, Robert Hoß, Bolko Haase, Volker Bodenbach, Rolf Henzgen.Foto: FA

12.06.2018 - 09:25

Bad Breisig. Dass im Breisiger Ländchen, besonders an den Hängen der Seitentäler, einst in großem Stil Weinbau betrieben wurde, dass der Weinbau über die Jahrhunderte gar ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Breisig und Umgebung war, das lernt in der Quellenstadt jedes Kind in der Schule. Auch, dass besonders der an den Hängen des Frankenbachtals, am Elzenberg über Oberbreisig erzeugte Wein ein besonders Guter gewesen sein soll, erzählte man sich von Generation zu Generation. Warum wurde denn um 1900 herum die Weinerzeugung im Breisiger Ländchen peut um peut unbedeutend und schließlich ganz abgeschafft? Wo doch der Rote vom Elzenberg so gut gewesen sein soll? Verschiedene Gründe werden genannt, und man weiß nie, welcher zutreffend ist. Gehen wir davon aus: Die Pflege der Weinstöcke am Steilhang des Elzenbergs war hart, und der Ertrag war immer abhängig vom Jahresverlauf. Dann war da die neu entstandene Glasfabrik in der Goldenen Meile und die in Hönningen aufblühende Industrie. Sie boten Verdienstmöglichkeiten mit mehr Sicherheit. Also widmeten viele ihre Arbeitskraft lieber dem neuen Job, als der mühseligen Kraxelei im Weinberg. Und da war ja noch die Plage der Reblaus, gegen die man noch keine harten chemischen Keulen kannte. Immer wieder musste man einsehen, dass die Plage überhand nahm und man schließlich den Mut verlor. Kurzum: Ab etwa 1920 gab es keinen Wein mehr „made in Breisig“. 1934 wurde noch einmal ein halherziger Versuch gestartet, den Weinbau wieder in Gang zu bringen - vergeblich. Im Jahr 2003 saßen wieder einmal einige historisch interessierte Bürger bei der noch im Aufbau begriffenen „Schäferhütte“ zusammen, jenem neuen Wanderziel mitten im ehemaligen Weinbaugebiet „Elzenberg“. Sie beklagten, dass in dieser idealen Lage kein Wein mehr erzeugt werde. Ein Kreis von Freunden, hervorgegangen aus einer überparteilichen Bürgerinitiative, darunter Werner Schäfer, Robert Hoß, Rolf Henzgen, Peter Eschke, Volker Bodenbach und andere Gleichgesinnte beschlossen, die nötigen Ideen und genügend „man-power“ aufzubringen, um einen Oberbreisiger Weinberg - und sei er noch so klein - neu zu erschließen. Werner Schäfer stellte neben seiner Wanderhütte ein ausreichend großes Hang-Grundstück zur Verfügung. Man gründete am 9. März 2003 eine „Weinbaubruderschaft auf Gegenseitigkeit“ mit den Zielen „das für den Weinbau erforderliche know-how gemeinsam zu erwerben, sich gegenseitig zu unterstützen und Wein für den Privatgebrauch zu erzeugen; darüber hinaus in Bad Breisig die Erinnerung an den Jahrhunderte langen Weinbau wieder zu wecken und damit einen gemeinnützigen Beitrag zur Heimatpflege, zur Erhaltung des Brauchtums und zur Gestaltung des Ortsbildes beizutragen.“

Die zuerst vollmundig klingenden Vorhaben sind tatsächlich vorbildlich in die Tat umgesetzt worden. Bruchsteinmauern wurden gebaut, Grünflächen angelegt, öffentliche Toiletten saniert und und ...

Viel Gutes für die Öffentlichkeit wurde ehrenamtlich geschaffen, und der selbst erzeugte Wein war der Motor zu alledem. Jetzt konnte die Weinbaubruderschaft in einer kleinen Feier auf der Schäferhütte auf eine 15-jährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Robert Hoß erinnert sich: „Schon am Tag nach der Gründung ging es zum Roden mit Säge, Axt, Spaten und Harke in den total überwucherten und von Kirschbäumen bewachsenen Hang.“ Das Herrichten der Fläche für die Weinstöcke war ein hartes Brot, wenn man bedenkt, dass die „Möchtegern-Winzer“ doch fast alle „Schreibtischtäter“ waren. Im Lauf der Zeit stießen immer mal neue Interessenten zu dem Kreis, dessen Initiative man bewunderte, aber viele mussten auch einsehen, dass die Mühseligkeit der Arbeit ihre Kräfte überforderte. Zum Beispiel das Ausgraben von Wurzeln alter Kirschbäume. „Das war vielleicht eine Plackerei,“ erzählt Volker Bodenbach. „ Einer kam auf die Idee, die Wurzeln mit Sprengladungen zu bekämpfen – da aber sah Werner Schäfer im Geist seine Hütte in die Luft fliegen und untersagte solch rustikale Methoden.“


„Echte“ Winzer stehen mit Rat zu Seite


Aber - die Weinbaubruderschaft machte nicht schlapp, ließ sich von echten Winzern beraten und konnte mit der Zeit gemäß den Vorschriften des Weinbaugesetzes (das nur 100 qm Fläche dazu erlaubt) drei Kleinflächen mit der Rebsorte Blauer Burgunder (Pinot noir) bepflanzen. Robert Hoß erzählt: „Zwar konnten wir irgendwann die ersten Trauben ernten (die erste Lese ergab circa 100 Liter Most mit 105 Grad Öchsle), aber damit allein war es ja nicht getan: Ein Raum zur Verarbeitung der Ernte musste gefunden werden - und da stießen wir auf Umwegen auf die Ruine des alten Backes an der Hauptstraße. Das Gebäude war in einem erbärmlichen Zustand, aber die Freunde der Bruderschaft waren bereit, das bis auf alle Außenmauern abreißwürdige Gebäude in Eigenarbeit zu sanieren. An Kirmes 2005 wurde das von der Stadt zur Verfügung gestellte alte Backes samt nebenstehendem ehemaligen Spritzenhaus nach über 2000 geleisteten Arbeitsstunden als ‚Winzertreff‘ der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem steht der ‚Winzertreff‘ bei allen dörflichen Festen für die Bürger offen - und belebt das dörfliche Leben.“

Nach wie vor läuft der Betrieb der Weinbaubruderschaft nach dem Prinzip der „Gegenseitigkeit“.

Anschaffungen für Weinbau und Kellerwirtschaft werden gemeinsam finanziert. Etwaige Spenden fließen in Maßnahmen zur Dorfverschönerung - immer in Absprache mit der Verbandsgemeinde.

Weinbau - Fachberater und Freund ist der Ahrwinzer Thomas Nelles vom gleichnamigen Weingut in Heimersheim. Er und sein Sohn Philip beraten die Breisiger Hobby-Winzer in allen Fragen rund um die Pflege des Weinbergs und der Kelterei. Heute, nach 15 Jahren, ist die Arbeit im „Versuchs-Weinberg auf dem Elzenberg und im Keller weitgehend von Routine bestimmt. Alle Mitglieder der Weinbaubruderschaft haben sich in Sachen Weinbau entweder bereits weiter gebildet oder sind dabei, entsprechende Schulungen zu absolvieren. Darauf achtet Vordenker und Kellermeister Robert Hoß: „Wir betreiben unseren Weinberg mit Passion und Leidenschaft. Wer bei uns mitmacht, muss voll mit anpacken. Der einzige, aber schöne Lohn sind die wenigen Flaschen besten Rotweins, den wir erwirtschaften. Entsprechend dem Weinrecht dürfen wir jedoch den erzeugten Wein nicht verkaufen - er dient nur unserem Eigengebrauch. Aber wir haben die Genugtuung: Es gibt wieder guten Elzenberger in Oberbreisig ! Die Tradition ist wiederbelebt.“ Der Erfolg nach eineinhalb Jahrzehnten wurde denn auch kräftig gefeiert, übrigens zusammen mit den Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen, denn die müssen ja auch immer wieder kräftig mit anpacken - besonders zu Zeiten der Lese. Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach, leider verhindert, schickte Gratulation und liebe Grüße: „Ich bewundere Eure Leistung und unterstütze sie, wo ich kann !“

FA

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Heinrich Heine:
Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

Koblenzer Schulen

juergen mueller:
Etwas anderes war von Herrn Roos auch nicht zu erwarten - zumindest öffentlich - als das man mit dem Krisenmanagement u.sogen.Stellschrauben,wenn überhaupt,das macht man dann unter sich aus.
Siegfried Kowallek:
Beim Komplex AfD, Spenden und Geheimnistuerei denke ich eher an die verdeckten Zahlungen von rund 132.000 Euro an die AfD-Politikerin Alice Weidel, bei denen die Bundestagsverwaltung wegen möglicher Verstöße gegen das Parteiengesetz Sanktionen gegen diese Partei prüft. Es stehen Strafzahlungen in dreifacher Höhe der Spenden aus der Schweiz im Raum, also rund 396.000 Euro. Jetzt will aber die AfD-Fraktion im Neuwieder Stadtrat einen Teil ihrer Aufwandsentschädigungen für einen guten Zweck spenden, was auf jeden Fall sympathisch ist im Gegensatz zu einer verdeckten Entgegennahme großer Spenden von jemandem, der etwas zu verbergen hat. Der angekündigte Verzicht auf eine medienöffentliche Bekanntgabe von Empfängern dieser Spenden befremdet mich jedoch aus zwei Gründen. Zum einen wirkt das heimliche Spenden an gemeinnützige Vereine oder Organisationen dadurch vergleichbar anrüchig wie etwa ein heimlicher Bordellbesuch, den man auch nur dann selbst öffentlich macht, wenn man erfolgreicher Kommunalpolitiker in Ochtendung ist. Zum anderen überzeugt die Begründung nicht, in der Vergangenheit sei vielerorts Druck auf Organisationen ausgeübt worden, die von der AfD eine Spende angenommen hätten. Wäre das der Fall gewesen, hätte diese Partei das doch auf jeden Fall laut und heftig angeprangert. Dieses Liebäugeln mit einem Opfermodus erinnert an den bisherigen geheimnistuerischen Umgang der AfD mit ihren Freitagsveranstaltungen im Kreis, deren Veranstaltungsort man nur auf Nachfrage mitgeteilt bekam. Dabei weiß nicht nur ich, in welcher Neuwieder Gaststätte diese Veranstaltungen stattfanden. Zudem stand deren Name sogar in einem ausgewogenen Artikel über eine AfD-Freitagsveranstaltung. Und als ich die letzte Veranstaltung dieser Partei vor den Corona-Einschränkungen in Oberbieber zum Thema „Wald und Wild“ besuchte, sah ich dort keinen einzigen Gegendemonstranten, obwohl die Partei den Veranstaltungsort zuvor sogar hinreichend öffentlich bekanntgegeben hatte. Siegfried Kowallek, Neuwied
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