Allgemeine Berichte | 17.11.2017

Mahnmal-Einweihung am Marienhaus Klinikum St. Antonius Waldbreitbach

„Sich mit Herz und Verstand für eine liebens- und lebenswerte Welt einsetzen“

Den deportierten und ermordeten Heimbewohnern des Zweiten Weltkriegs wurde ein ehrendes Denkmal gesetzt

Richard Baus, der geistliche Rektor der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, segnete das Mahnmal ein. privat

Waldbreitbach. Es war eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte der Einrichtung: 1943 wurden 120 Bewohnerinnen des St. Antonius-Krankenhauses deportiert und damit in den sicheren Tod geführt. Am 7. Mai wurden sie vom Bahnhof Weißenthurm aus in geschlossenen Waggons in die Pflegeanstalten Gugging und Meseritz gebracht. Auch wenn sich dort ihre Spur verliert, ist davon auszugehen, dass sie von den Schergen des NS-Regimes ermordet wurden. 74 Jahre später (und das ganz bewusst am 9. November, als 1938 mit der Reichspogromnacht die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten systematisch wurde) weihte das Marienhaus Klinikum ein Mahnmal ein als „ein Zeichen wider das Vergessen“, wie es Krankenhausoberin Therese Schneider bei ihrer Begrüßung im Gottesdienst formulierte. In einer Zeit, in der Menschen wieder zunehmend ausgegrenzt und diskriminiert werden, sei es wichtig, sich „mit Herz und Verstand für eine liebens- und lebenswerte Welt einzusetzen“, betonte sie.

Das Mahnmal, das der Bildhauer Hans Rams gestaltet hat, ist einem Tor nachempfunden. An den Innenseiten befinden sich 120 Striche oder Einkerbungen. Diese erinnern an die Deportierten, deren Namen heute nicht mehr bekannt sind; die deshalb anonym bleiben und kein Gesicht haben. Indem er diese Striche goldfarben ausgefüllt hat, gibt Hans Rams den Deportierten ihre Würde zurück und unterstreicht die Wertschätzung, die die Heutigen ihnen zollen. Das Mahnmal ist so platziert, dass der Betrachter durch den Torbogen hindurch auf die Mutterhauskirche der Waldbreitbacher Franziskanerinnen blickt, und trägt die Inschrift: „Danach sah ich: Eine Tür war geöffnet am Himmel“ (dieser Vers stammt aus der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament). Beides zusammen verweist auf die Hoffnung der Christen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Ausgrenzung nimmt wieder zu

Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen, die anders sind, hat in Deutschland in den letzten Jahren leider Gottes in erschreckendem Maße wieder zugenommen. Darin waren sich Heimleiterin Marion Kaster, Schwester Edith-Maria Magar, die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, und der designierte Landrat Achim Hallerbach in der anschließenden Diskussion einig. Das trifft auch heute noch Menschen mit psychischer Behinderung, obwohl sich hier im Zuge der gemeindenahen Psychiatrie viel verbessert hat. Gerade auch im Kreis Neuwied ist das Netzwerk für Menschen mit psychischer Behinderung eng geknüpft.

Die weitverbreiteten diffusen Ängste, in einer globalisierten Welt abgehängt zu werden und zu den Verlierern zu gehören, müssten sicherlich ernst genommen werden. Aber Angst sei kein guter Ratgeber, betonten Schwester Edith-Maria und Achim Hallerbach. Die Gesellschaft müsse sich viel stärker wieder auf ihr Verbindendes und verbindliches christliches Wertefundament besinnen und sich wieder als wehrhafte Demokratie begreifen. Das notwendige Rüstzeug ist also vorhanden, es muss nur gezielt eingesetzt werden, damit Ausgrenzung und Diskriminierung keine Chance haben.

Dazu verpflichtet die Erinnerung an die 120 Menschen, die 1943 aus dem St. Antoniushaus deportiert wurden und denen das Marienhaus Klinikum am 9. November ein ehrendes Denkmal gesetzt hat.

Richard Baus, der geistliche Rektor der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, segnete das Mahnmal ein. Foto: privat

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