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Gemeinderat in Hilgert zeigte auf seiner Sitzung geschlossene Einigkeit

Tempolimit 70 km/h für L 307 bei Hilgert gefordert

17.02.2020 - 10:02

Hilgert. Am Abend des 8. Januar ereignete sich auf der L 307 bei Hilgert ein tragischer Unfall. Drei Menschen kamen dabei ums Leben, weitere wurden schwer verletzt. Die Unfallursache ist bisher unbekannt. Das Ergebnis des Gutachtens steht noch aus. Seitdem wird von verschiedenen Seiten erneut ein Tempolimit auf der Strecke zwischen Höhr-Grenzhausen und Ransbach-Baumbach gefordert. Noel Kronimus startete schon einen Tag später über AVAAZ eine Online-Petition, in der er eine „Erweiterung der Geschwindigkeitsbegrenzung und verstärkte Radarkontrollen“ sowie das Aufstellen von Warnschildern „Gefährliche Einmündung“ und „Stop-Schilder an jeder Ausfahrt“ Hilgerts fordert. 766 Personen haben innerhalb kürzester Zeit diese Online-Petition unterzeichnet..


Die Geschichte der L 307


Geht man in der Geschichte des Dorfes 50 Jahre zurück, stellt man fest, dass die Verkehrssituation bereits damals, wenn auch aus anderen Gründen, als kritisch betrachtet wurde. In einem Artikel der Westerwälder Zeitung Nr. 96 vom 25./26. April 1970 fordert der damalige Bürgermeister August Harpel Haltebuchten für Omnibusse an der L 307. Weiter heißt es: „Obwohl die Gemeinde vor Jahren einen Antrag an das Straßenbauamt gestellt hat, beiderseits an der an Hilgert vorbeiführenden Landesstraße Haltestreifen anzulegen, ist bisher nichts unternommen worden.“ Auch damals hatte sich ein tödlicher Unfall ereignet.

Aufgrund der Enge des ehemaligen Straßenverlaufs wurde 1971 die Verlegung und somit der Ausbau der Landesstraße beschlossen und 1973 fertiggestellt. Über viele Jahre galt hier als Geschwindigkeitsbegrenzung Tempo 70. Irgendwann wurde dieses Tempolimit im Zuge der Abschaffung des sogenannten „Schilderwaldes“ aufgehoben und somit gilt auf dem Streckenabschnitt vom Ortsaugang Höhr-Grenzhausen bis kurz hinter der ersten Einmündung nach Hilgert bis heute die Richtgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern.


Schon im Jahr 2008 forderten die Hilgerter Tempo 70


Im Sommer des Jahres 2008 ereignete sich auf Höhe der Einmündung der Südstraße auf die L 307 ein Unfall mit Todesfolge. Damals so wie heute sah die Bevölkerung dringenden Handlungsbedarf und forderte mit rund 800 Unterschriften ein Tempolimit auf dem Streckenabschnitt von Hilgert bis Höhr-Grenzhausen sowie die Einrichtung einer stationären Radaranlage. Ziel sollte es sein, das gefahrlose Ein- und Ausfahren an allen fünf Einmündungen zu gewährleisten. Erst nach mehreren Monaten erhielten der damalige Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Johannsen und der Ortbürgermeister von Hilgert Wolfgang Gelhard eine Stellungnahme des Landrates Peter Paul Weinert. In seinem Schreiben lehnte er das Aufstellen von Tempolimitschildern unter anderem mit der Begründung ab, dass ohne eben jene Schilder die Eigenverantwortlichkeit der Verkehrsteilnehmer gefördert werde. In diesem Schreiben heißt es dazu: „Dies halte ich auch für sinnvoll, weil nur der selbständig denkende und handelnde Fahrzeugführer ein hohes Maß an Sicherheit bringt.“ Messungen der Verkehrsfrequenz und der Geschwindigkeiten hatten damals ergeben, dass eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit nicht notwendig sei. Ziel sei es, auf Beschilderungen zu verzichten, die den Straßenverkehr unübersichtlich machen, außer, wenn Sichtbehinderungen dies unabdingbar machen. Schon damals war sich der Westerwaldkreis über die hohe Verkehrsbelastung der L 307 bewusst und nannte sie in dem Schreiben die „Lebensader des Westerwaldes“.


Verkehrsdichte an dieser Stelle vier Mal höher als Landesdurchschnitt


Heute, 12 Jahre später, sind die Situation und die Forderungen der Verbands- und Ortsgemeinde ähnlich sowie der Ruf nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung seitens der Bevölkerung lauter denn je. Ein entsprechendes Schreiben des Ortsgemeinderates Hilgert wurde im Januar an die Kreisverwaltung des Westerwaldkreises als zuständige Institution verfasst.

Eine statistische Erhebung des Landesbetriebes Mobilität Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2015 macht deutlich: Die viel befahrene L 307 liegt bezüglich der durchschnittlichen Verkehrsdichte weit über dem Landesdurchschnitt. Hier passieren im Wochendurchschnitt (montags bis sonntags) 8.656 Fahrzeuge diesen Streckenabschnitt. Von Montag bis Samstag sind es sogar 10.092 durchschnittlich. Das Landesmittel hingegen liegt bei nur 2.600 Fahrzeugen. Somit weist Hilgert eine im Vergleich zu anderen Landstraßen in Rheinland-Pfalz eine an dieser Stelle um fast vier Mal höhere Verkehrsdichte auf.


Unfallzahlen der letzten fünf Jahre


Betrachtet man die Unfallzahlen außerorts auf der L 307 seit dem 01.01.2015 bis Mitte Januar 2020 ab dem Ortsausgangsschild im Bereich Haide bis zur Einmündung an der Pfeifenbäckerhalle, erhält man über die polizeiliche IT-Anwendung „GeopolisV“ folgende Statistik: 2015 ereigneten sich 11 Verkehrsunfälle, im Jahr 2016 waren es 10, 2017 kam es zu 15 Unfällen, 2018 zu 19, in 2019 ereigneten sich 18 Unfälle und zuletzt im Januar 2020 ein Unfall mit Todesfolge. Dies bedeutet ein Gesamtergebnis von 74 Verkehrsunfällen in fünf Jahren. Davon kam es bei acht Unfällen zu Personenschäden mit Schwerverletzten, bei 12 Unfällen wurden Menschen leicht verletzt und 53 Kollisionen gingen ohne Verletzungen aus. Bei den Personenschäden an der Ein- bzw. Ausfahrt zum Industriegebiet Hilgert handelt es sich fast ausschließlich um Vorfahrtsverstöße. Bei einem Unfall im Jahr 2019 ist dort die Geschwindigkeit als Ursache angegeben worden (Quelle: GeopolisV, Polizeipräsidium Koblenz).


Ist die Lobby stark genug?


Gemessen an der Verkehrsdichte scheint die Unfallhäufigkeit eher gering. Unumstritten ist jedoch, dass entstehender Personen- und Sachschaden bei geringeren Geschwindigkeiten weitaus niedriger ist. Jeder, der von einer der Ausfahrten auf die L 307 einbiegen will, weiß, wie aufmerksam man als Fahrzeugführer sein muss, damit man nicht in eine brenzlige Situation gerät.

Auch Verbandsbürgermeister Thilo Becker spricht sich für ein Tempolimit sowohl auf der L 307 als auch auf der L 310 Richtung Hillscheid aus, denn hier herrscht ebenfalls nur partiell eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h.

Des Weiteren soll geprüft werden, ob an der Einmündung der K 117 zur L 307 (Ausfahrt Industriegebiet) ein Kreisverkehr eingerichtet werden kann.

In seinem Schreiben an die sachlich zuständige Behörde sprach der Gemeinderat Hilgert die Einladung aus über die Verkehrssituation der Landesstraße zu berichten. Dies wird voraussichtlich am 22. April der Fall sein. Bleibt also abzuwarten, wie sich die Behörden angesichts der Forderungen der Kommunalpolitiker und der Bürgerinnen und Bürger Hilgerts äußern und letztlich entscheiden werden.

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S. Schmidt:
Ohne eine minimale Disziplin der Staatsbürger gerät diese Spaß- und Null-Risiko-Gesellschaft nun an den Rand des Scheiterns. Über die Jahre hat sich diese höchst fragwürdige Einstellung gegenüber Recht und Ordnung, Disziplin und Sorgfalt ausgebildet, ja sogar Menschen dies danach lebten und verlangten wurden in die „rechte“ Ecke phantasiert. Nun ist „Not am Mann“ und wir können in Teilen unserer Gesellschaft nicht auf ebendiese Tugenden zurückgreifen, die aktuell zum Schutz der Risikogruppen gebraucht werden.
juergen mueller:
Ja - Frau Dreyer, wissen WIR. Und da müssen WIR durch - auch ohne die andauernden Ermahnungen der Politik, auch wenn diese aufgrund der Uneinsichtigkeit eines Teiles der Bevölkerung man als notwendig erachtet. Sieht man sich die Medien an, dann geht alles an u.für sich normal weiter. Da ist ein Xavier Naidoo tagtäglich präsent in den Medien - dessen rechtspopulistische Gesinnung jedem bekannt sein müsste,der sich seine Texte einmal näher verinnerlicht,der jahrelang hofiert wird,dem seine Alben aus den Händen gerissen werden,ohne sich Gedanken darüber zu machen,was hinter seinen Texten wirklich steckt,einer,der mit der Blödheit u.auf Kosten seiner Fan`s zum Millionär geworden ist, einer, der mit seinen vermeintlich geistreichen Texten nur eines im Sinne hat, von seiner eigentlichen Gesinnung abzulenken, die er zu gegebener Zeit offen zur Schau tragen kann.
Jean Seligmann:
Ja, die gute alte SPD, auch sie hat sich verändert. So biedert sich Frau Esken bei den Linken an indem sie jetzt, wo viele Menschen vieles verlieren und gigantische Vermögenswerte vernichtet werden, eine Vermögensabgabe zur "Abmilderung der Coronafolgen" fordert. Gehts noch?

Kommunalpolitik und Corona

juergen mueller:
Man sollte sich auch einmal in Krisenzeiten darüber im Klaren sein, dass man nicht auf die Kommunalpolitik angewiesen ist zu wissen, was falsch oder richtig ist, sondern einzig u.alleine der gesunde Menschenverstand zählt,den nicht jeder besitzt,was die Ausnahme sein dürfte.Politiker sind auch nur Menschen,die zwar meinen,etwas besser zu wissen u.für unser Wohl zu entscheiden,aber eben nur Menschen,die letzten Endes genauso Fehler in ihrem (ich-bezogenen) Denken machen,wie wir ebenso. Sich alleine auf das Denken anderer zu verlassen,vor allem politisches,damit macht man es sich zu einfach,beraubt sich seiner eigenen Selbstständigkeit u.liefert sich den Fehlern anderer aus.
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