Kabarettist Matthias Ningel begeisterte im Kapuzinerkloster Cochem

Weitreichende Erkenntnisse über das Erwachsenwerden

04.05.2016 - 11:07

Cochem. Nach seinem erfolgreichen Gastspiel in der bayerischen Landeshauptstadt hatte er gerade erst seinen Koffer abgestellt, da ging es für den „Klavier-Hacker“ und Kabarettisten Matthias Ningel (Hambuch) schon wieder auf die Bühne des Cochemer Kapuzinerklosters. Hier präsentierte er, nach seinem mit acht Kleinkunstpreisen veredelten Beitrag „Omegamännchen“, kürzlich mit „Jugenddämmerung“ sein neues Programm. Zahlreiche treue Ningel-Fans, aber auch interessierte Neulinge hatten sich dazu im Pater-Martin-Saal des Kulturzentrums eingefunden und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Sie kamen flott, amüsant und höchst unterhaltsam mit einem gut aufgelegten Protagonisten, der sich gleich zum Auftakt einem intensiven Austausch mit dem Publikum bezüglich aktueller Spiel- und Informationszwänge hinsichtlich seines ständig präsenten Handys mit dem Überangebot von unnützen APPS unterzog. „Die beste APP der Welt sind sowieso meine Eltern“, wusste er es abschließend auf den Punkt zu bringen und begab sich mit den weisen Worten „Zeit lässt sich nicht konservieren“ verbal auf den immens beschwerlichen Weg des Erwachsenwerdens. Hier zeigte Ningel per Selbstaufmunterung dann auch den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, was ihn unisono zu sagenhaften Erkenntnissen führte, nachdem ihn die Mama persönlich vor die Tür gesetzt hatte. Was hatten die Eltern ihm auch bloß für einen Blödsinn beigebracht, wie zum Beispiel: „Iss deinen Teller leer, dann gibt es schönes Wetter.“ „Und was haben wir heute davon - fette Kinder und Klimawandel.“ Die Erkenntnisse von Ningel sind umfassend, weitreichend, und werden auch hinreichend begründet, führen aber zum Vergnügen der Zuhörer stets in die Zwischenzeilen einer amüsanten Aufklärung über den Start ins Leben, deftig gespickt mit gemeinen Wahrheiten und hohem Wiedererkennungswert. Danach hat es Herr Ningel mit den Fernseh-Serien, vor allem mit denen aus den USA. Diese vergiften laut seinen detaillierten Ausführungen während ihrer Prime-Time bis morgens um 4 Uhr den tagsüber apathisch dahinvegetierenden Konsumenten, der überdies im Online-Stream ertrinkt und sich nur noch von Pixeln stimulieren lässt. Spätestens jetzt muss der exzellent formulierende Kabarettist mal unterstreichend in die Tasten des Klaviers greifen, um dem stets in seinem Bannstrahl befindlichen Publikum auch mal ein erleichterndes „Ablachen“ zu ermöglichen. Dann textet er zu beidhändigem Spiel die sozialkritische Ballade „Knick, Knack, Blubb“, ein musikalisches Meisterwerk, das zum Widerstand gegen den Kitsch in der Welt aufruft. Spätestens jetzt kommen bei den Zuhörern erste „Tempos“ zum Einsatz, um damit anhaltenden Lachtränen rigoros Einhalt zu gebieten. Die lassen sich aber gar nicht so einfach aufhalten, peinigt Ningel die Lachmuskulatur des ihm ausgesetzten Kulturvolks doch aufs Trefflichste. So hat er sich, bevor er der beste Softie im Yogakurs wurde, zunächst einer schrägen „Hangover-Tour“ zwecks bald anstehender Verabschiedung vom Junggesellendasein gewidmet und weiß auch in der Folge über sein jetzt vor Flexibilität strotzendes Rückgrat zu berichten, was ihn bezüglich seiner beruflichen Karriere garantiert in höhere Sphären katapultieren wird. Mit einem gellenden Aufschrei zur Entspannung des in seinen Augen angespannten Publikums verabschiedet er sich von demselben in die Halbzeitpause, bevor er im Anschluss wieder alle Register einer tollen Bühnen-Show zieht. Bissig, kritisch, selbstironisch, mahnend, aber stets höchst amüsant, bleibt Matthias Ningel dabei immer am Puls der Zeit und damit auch als ein verdienter Gewinner zurück. TE

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