Politik | 25.10.2019

Kreis Neuwied subventioniert ÖPVN bis Juli 2020

Kreissauschuss wendet Insolvenz der MVB mit Rettungsschirm ab

Damit Schüler und Menschen ohne Auto mobil bleiben, bewilligte der Kreisausschuss den MVB 50.000 Euro/Monat Zuschuss.Fotos: FF

Neuwied. Es war eine Entscheidung mit heftig Wut im Bauch. Trotzdem sprach sich der Kreisausschuss einstimmig, bei Enthaltung der AfD, für die Bezuschussung der Mittelrheinischen Verkehrsbetriebe (MVB) mit monatlich 50.000 Euro aus. Und zwar aus Alternativlosigkeit. Wenn der Kreis Neuwied den Busverkehr in der Stadt Neuwied nicht bezuschusst, hätten die MVB zum 1. November Insolvenz angemeldet. Dann wären Schüler nicht mehr zu Schule, Arbeitnehmer nicht zur Arbeitsstelle und Kranke nicht mehr zum Arzt gekommen. „Uns ist praktisch die Pistole auf die Brust gesetzt worden“, drückte es Landrat Achim Hallerbach (CDU) drastisch aus. Die letzten Wochen seien für ihn und seinen Kreisvorstandskollegen Michael Mahlert (SPD) nervenaufreibend und zum Teil schlaflos gewesen. Beiden schwebte das Szenario im Kopf, dass sich Anfang der Sommerferien im Hunsrück abspielte. Der dortige Busbetreiber war insolvent und im ÖPVN ging nichts mehr. Bis zum 3. Juli 2020 sind die monatlichen Finanzspritzen beschlossen. Was danach passiert wird in den nächsten Wochen von einem Planungsbüro ergebnisoffen skizziert. „Die Überlegungen gehen auch in Richtung Bürgerbus, Bus on demand bzw. zurück zur Kommunalisierung“, erläuterte Michael Mahlert. Achim Hallerbach stimmte schon einmal alle darauf ein, dass eine Kommunalisierung sehr viel Geld kosten würde. Wenn dieser Weg beschritten werde, dann müsse das in enger Abstimmung mit der Stadt Neuwied geschehen. Soll heißen: Die Stadt muss sich an den Kosten beteiligen. Derzeit obliegt die Schülerbeförderung dem Kreis, der die Fahrtkosten bezuschusst. Zumindest nach aktuellem Recht, wird es vom Land Rheinland-Pfalz für den ÖPNV keine Bezuschussung geben. Angesichts der aktuellen Klimadiskussionen könnte sich das zukünftig ändern. Wenn das Land den ÖPNV zur Pflichtaufgabe der Kommunen macht, muss auch Geld fließen. Bei einer Kommunalisierung geht Reiner Kilgen (CDU) von einer hohen siebenstelligen Summe aus. Als ehemaliger Neuwieder Bürgermeister kennt er noch den ÖPNV der Stadtwerke. Für Verärgerung sorgte beim Kreisvorstand und den politischen Fraktionen die adhoc Situation. Zwar sei der Kreisvorstand schon seit August mit den Geschäftsführern Axel und Kim Zickenheiner wegen Abrechnungsproblemen beim Jobticket im Gespräch gewesen. Aber erst am 25. September sei man mit der Insolvenz zum 1. November konfrontiert worden, berichtete Achim Hallerbach. An Vorschlägen für Einsparungen seien die MVB nicht interessiert gewesen. Auskünfte, welche Strecken besonders defizitär sind, wurden nicht erteilt. Erwartungen seitens der MVB, dass die Fahrgastzahlen steigen, hätten sich nicht bewahrheitet. „Einzig mögliche Einsparungen beim Schülerverkehr wurden uns genannt“, berichtete der Landrat. Dabei sei der Schülerverkehr ein lukratives Geschäft, mit dem der defizitäre Linienverkehr üblicherweise kompensiert wird. „Wir brauchen den ÖPNV, für uns steht die soziale Komponenten im Vordergrund“, erklärte Michael Mang die Zustimmung der SPD. Mit der Alternativlosigkeit begründete Michael Christ die Zustimmung der CDU Fraktion. Er sprach sich als Freund einer Kommunalisierung aus und ist gespannt auf die Ergebnisse des Planungsbüros. Susanne Haller (Bündnis 90/Die Grünen) ist skeptisch, was den Fahrplan anbelangt. Dass eine Alternative im Juli 2020 an den Start geht, hält sie für sehr sportlich. Susanne Haller kommt aus Berlin. Sie berichtete von einem tollen System, aber öffentlich bezuschusst sei dies ebenfalls. Parteifreund Ralf Seemann schloss sich dem an. „Wir erkaufen uns zunächst nur Zeit“, so der Grüne. Über die MVB ist er verärgert.

Nur Alibi Hybrid auf der Straße

Der Betrieb schicke ein halbes duzend Alibi Hybrid Busse auf die Straße und ansonsten nur stinkende und laute Dieselfahrzeuge. „Das Unternehmen hat die Gunst der Stunde genutzt“, vermutete Jochen Bülow (Die Linke). Zwar stimmte auch er für die Bezuschussung, warnte aber davor, damit Tür und Tor zu öffnen. „Das muss an anderer Stelle im Kreis gut erklärt werden“, meinte der Linke. Achim Hallerbach ließ durchblicken, dass man an den Kreisgrenzen zu NRW so alternativlos nicht sei. Noch deutlicher als Jochen Bülow sprach sich Udo Franz (FWG) aus. „Ich fühle mich hinter das Licht geführt. So mit uns umzugehen ist ein no go“. Er echauffierte sich darüber, dass den MVB bei der Übernahme des Streckennetzes im Jahr 2018 doch die Zahlen vorgelegen hätten. Vergeblich wollte er wissen, was denn nun genau zum Defizit führt. Ulrich Schreiber (FDP) stellte in Frage, ob der ÖPNV angesichts klammer Kassen generell vom Kreis finanziert werden kann. Andreas Bleck erklärte die Enthaltung der AfD so: „Wir stören uns an der mangelnden Transparenz und dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit Steuergeld bezuschusst wird“.

FF

Die Mittelrheinischen Verkehrsbetriebe (MVB) hatten mit der Insolvenz und damit der Einstellung des Busbetriebs zum 1. November gedroht.

Die Mittelrheinischen Verkehrsbetriebe (MVB) hatten mit der Insolvenz und damit der Einstellung des Busbetriebs zum 1. November gedroht.

Damit Schüler und Menschen ohne Auto mobil bleiben, bewilligte der Kreisausschuss den MVB 50.000 Euro/Monat Zuschuss.Fotos: FF

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Imageanzeige
Dienstleistungen
Mitarbeiter IT-Administrator
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Anzeige Tag der offenen Tür am Zeiberberg
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf.
64

Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können

Stadt Mayen trauert um Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Weiterlesen

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat
17

Sie ist gerade nicht besonders verlässlich. Kriege, Krisen, harte Worte in der Politik. Vieles ist in Bewegung, manches gerät aus den Fugen. Für uns Erwachsene ist es schon nicht einfach, alles zu verfolgen – und erst recht nicht, alles zu verstehen. Und zu begreifen, warum die Mächtigen ihre Gewalt- und Kriegsspiele treiben. Wie machen Kinder das?

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund ums Haus
Dauerauftrag 2026
Titel
Anlagenmechaniker
Anzeige Lange Samstage
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Wohnträume
Wohnträume
Werksverkauf Anhausen
Wohnträume
Angebotsanzeige (April)
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sachbearbeiter (m/w/d)