Allgemeine Berichte | 17.12.2015

Rheinüberquerung in Bad Breisig nur noch über Autofähre oder Umwege

Traurig: Es gibt keine Personenfähre mehr

Da liegt die ausgemusterte Fähre, festgetäut, an ihrer Landebrücke. FA

Bad Breisig. Verständliche Aufregung in der Quellenstadt: Die Personenfähre nach Bad Hönningen ist auf Dauer außer Betrieb gesetzt. Der letzte Betreiber, Helmut Mürl, ist vor einigen Wochen während der Ausübung seines Fährdienstes plötzlich verstorben. Die damit verbundene Stilllegung der Breisiger Personenfähre ist zweifellos ein herber Verlust für die Bürger beider Rheinstädte, denn manche verwandtschaftliche, freundschaftliche, aber auch geschäftliche Bindung besteht zwischen den Bewohnern diesseits und jenseits des Rheins.

Die Fähre fehlt sicher auch den Touristen beider Städte. Der Trip nach dem gegenüberliegenden Rheinseite gehörte halt oft zur Tagesgestaltung der Besucher von Bad Breisig. Da hilft auch nicht der Hinweis auf die südlich der Stadt den Rhein kreuzende Autofähre. Der lange Fußweg von ihr zu beiden Stadtzentren ist wenig verlockend. Man muss sich jedoch damit abfinden: Das Fährboot ab Rheinpromenade ist Geschichte. „Trotz vieler Bemühungen findet sich kein neuer Betreiber der Personenfähre – sie gilt einfach als zu unwirtschaftlich“, sagt Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch. Für die Stadt sei das Betreiben der Fähre nicht möglich. Das Fährboot „Brisiacum“ stünde seitens des Besitzers inzwischen zum Verkauf. Also: Keine schönen Aussichten – weder für die Touristik-Programme der Gastronomen, noch für Verwandte oder Freunde beiderseits des Stroms. Fakt ist: Der Rhein ist wie eine Mauer. Seitdem es Siedlungen auf beiden Seiten des Stroms gibt, gehört die Möglichkeit, ihn zu überqueren zum unverzichtbaren Interesse der Menschen auf beiden Seiten. Man liebt den Rhein - hier wie dort -, man besingt ihn, Dichter aller Zeiten bemühen ihre Fantasie in Geschichten rund um den viel bewunderten Strom. Aber bei aller Liebe: Etwa 300 m Wasser zwischen den Ufern sind auch ein trennendes Element. Menschen beider Rheinseiten sind, um sich treffen zu können, auf Fähren angewiesen, es sei denn, sie leben in der Nähe einer der wenigen Brücken.

Ein Blick in die Geschichte

Nicht erst seit man die Jahre zu zählen begann, gab es den Bedarf, von der einen Rheinseite zur anderen zu gelangen. Längst bevor die ersten Brücken, entstanden, gab es schon Fährleute, die mit primitiven Booten den Strom kreuzten, um Leute, Vieh und Sachen überzusetzen – aus welchen Gründen und zu welchen Bedingungen auch immer. Der Geschichtsforscher Carl Bertram Hommen schreibt in diesem Zusammenhang über unsere Region: „Schon in ältesten schriftlichen Zeugnissen wird das Amt des Fährmanns über den Rhein erwähnt.“ Weiter: „Aus einem Sitzungsbericht der Breisiger Waldmärker - Genossenschaft vom 21. Juni 1367 geht hervor, dass damals die ‚Märker’ des (zum Frauenstift Essen gehörenden) Breisiger Ländchens auch den ‚Fergen’ für die Breisiger Rheinfähre wählten.“ In dieser Versammlung, die in der Sebastianus – Kapelle in Niederbreisig stattfand, wurde die Verwaltung des Ortes von der Genossenschaft der ‚Märker’ bestimmt. Es ist überliefert, dass der Bewerber für das Fähramt vor dieser Versammlung den Amtseid leisten musste; unter anderem musste er dabei versichern, jedes Mitglied der ‚Märker - Genossenschaft’ bei Bedarf unentgeltlich nach Hönningen überzusetzen. Forscher Hommen zeigt auf, dass sich über die nächsten rund 200 Jahre nichts geändert hat; er zitiert einen wörtlichen Auszug aus dem Märker - Weistum von 1550: „Dann bestimmten die Märker auch einen ‚Fergen’, der muss die Märker umsonst überführen. Er muss dies schwören.“ Die Befugnisse der über Jahrhunderte sehr einflussreichen „Märker - Genossenschaft“ wurden im folgenden Jahrhundert erheblich eingeschränkt; statt ihrer hatte jetzt der Amtmann der Essener Fürstäbtissin das Sagen. Kraft seines Amtes z.B. verabschiedete Amtmann Hermann Graf von Manderscheid und Blankenheim Vertrauter der Fürstäbtissin am 1. April 1594 eine „besondere Fährordnung“ und übertrug dem Bürgermeister Johann Schmoll, Schiffmann zu Breisig, das wichtige Amt des Fährmanns. Umfangreiche Urkunden hierzu haben die folgenden vier Jahrhunderte unversehrt überdauert und sind heute noch vorhanden. Die Aufgabe des Fährmanns ist mit dem Namen der Familie Schmoll in der Folge häufig verbunden. Mehrere Männer mit diesem Namen, meist mit dem Vornamen Peter sind auf der Liste derer zu finden, die mit dem Amt des Fährmanns belehnt waren. Meist betrieben sie neben dem Fähr - Nachen auch Boote zur Beförderung von Frachten. Nach Heimatforscher Josef Breitbach tauchen unter den Breisiger Fährleuten später die Namen Zander, Bonnenberg, Heinrich Schmoll, Ockenfels und Wolter auf. Es gab auch Fährleute die von der rechten Rheinseite, übersetzten, nämlich die Hönninger Schiffer Bündgen, Kraus und Stein. Für sie alle war der Fährdienst ein überaus harter und wenig einträglicher Beruf. Oft wurden sie von ihrer Gemeinde subventioniert, um ihr Amt ausüben zu können. Sie hatten über die Jahrhunderte nur den Nachen zur Verfügung, der immer mit Riemen gerudert werden musste. Zunächst galt es, das Gefährt etwa einen Kilometer rheinauf zu schaffen, um dann unter Berechnung der Strömung die Fahrgäste zum jenseitigen Ufer zu rudern. Im Allgemeinen mussten die Fahrgäste mit in die Riemen greifen, um die Überfahrt korrekt zum Landepunkt zu bringen. Wenn der Wind günstig stand, setzten die Fährleute auch Segel zur Unterstützung ein. War die Überfahrt geschafft, mussten sie den Kahn wieder den Kilometer bergauf bugsieren, um ihn dann wieder zum Ausgangspunkt auf der anderen Rheinseite zurück zu bringen. An der Biergasse startete die Überquerung des Stroms. Das alte Foto des Fährnachens von Johann Josef Bonnenberg, geschossen um 1900 vor dem damaligen Hotel Bender, ist ein schönes Dokument. Er hatte den Pachtvertrag im Jahr 1886 fürsechs Jahre für jährkich 12 Mark erworben und musste den Anweisungen der preußischen Provinzialregierung von 1823 folgen: „Die Überfahrt muss zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden, sowohl bei gutem als auch bei üblem Wetter.“ Kein Fahrgast dürfe länger als eine halbe Stunde auf die Überfahrt warten. Die Überfahrt kostete damals je Person mit bis 10 Pfund Gepäck sieben Pfennig. Auf größeren Booten wurden auch Tiere (Pferde, Rinder) und ganze Fuhrwerke übergesetzt, das alles war behördlich geregelt.

Motorisierte Zeiten brachen an

Mit dem sehr anstrengenden Rudern der Breisiger Fährleute war es erst am 22. Mai 1904 zu Ende: Eine motorangetriebene Fähre wurde durch die Familie Schmoll in Betrieb genommen. Das war umso notwendiger, als die in Hönningen entstehende Industrie auch linksrheinische Arbeitskräfte anlockte. Bald marschierten Kolonnen von Arbeitern aus den westlichen Nachbarorten im Morgengrauen über Wallers, die Bachstraße und Biergasse hinab zum Rhein, um sich nach Hönningen übersetzen zu lassen. Der Schritt ihrer genagelten Stiefel weckte die Breisiger Bürger Jahrzehnte lang in der Morgenfrühe jeden Werktags. Die mehrfach durch Neubauten ersetzte erste Personenfähre war für viele die einzige Möglichkeit, zur Arbeitsstelle zu gelangen. Gegen Abend der gleiche Vorgang in umgekehrter Richtung. In den Wirren des Kriegsendes um 1945 wurde das Fährboot zerstört. Erst 1948 war es soweit hergerichtet, dass es wieder in Betrieb genommen werden konnte. Die Fähre wurde aber am 1. August 1953 durch einen bei Hilgers in Rheinbrohl gefertigten Neubau, das bis zuletzt betriebene Fährboot „Brisiacum“ ersetzt. Die Betreiber – Familie Winter / Seul wurde damals zum Inbegriff zuverlässigen Fährbetriebs. Zunächst Johann Seul, dann vor allem „De Seuls Hermann“, führte nicht nur den planmäßigen Fährbetrieb durch, man konnte ihn auch Tag und Nacht zu Sonderfahrten buchen – zu vertretbaren Kosten. Auch bei Hochwasser zeigte er mit seinem Boot viel ehrenamtlichen Einsatz in der Versorgung der Mitbürger. Leider starb Hermann Seul 1975, nur 40 Jahre alt. Die Familie Helmut Mürl übernahm Boot und planmäßigen Fährbetrieb. Besonders bei Volksfesten in einem der beiden gegenüberliegenden Städte, wenn die Menschen von der anderen Rheinseite teilnehmen wollten, z.B. Karneval, während des Zwiebelmarktes oder bei Kirmes, hatte die Fähre Hochbetrieb – sie kreuzte dann den Rhein im Viertelstunden -Takt. Durch wirtschaftliche Veränderungen war die berufsbedingte Inanspruchnahme der Fähre in den letzten Jahrzehnten geschrumpft. Nun waren es fast nur noch Touristen (zum Beispiel Wanderer auf den verschiedenen Premium - Wanderwegen auf beiden Seiten des Rheins), die die Fähre in Anspruch nahmen. Nur an den beschriebenen Festtagen wurde die Personenfähre in beide Richtungen voll genutzt. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Sommer dieses Jahres vollzog Helmut Mürl den Fährbetrieb zuverlässig und pünktlich.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seitdem lag das Boot still. Jeder hoffte, das sei nur vorübergehend. Aber nun scheint klar zu sein: Es gibt keine Personenfähre mehr zwischen Bad Breisig und Bad Hönningen. Die von der Interessengemeinschaft der Gastronomen an der Rheinpromenade zeitweise aufgestellte Gedenktafel für die Fährleute war eine gut gemeinte Geste. Die nicht ganz geglückte Initiative wurde mittlerweile abgebrochen – die Tafel ist verschwunden. Nicht motorisierte Leute, die auf die andere Rheinseite wollen, brauchen in Zukunft Kondition: Es steht ihnen ein weiter Fußweg bevor – in Bad Breisig bis zur Autofähre und in Bad Hönningen bis in die Stadt.

Bonnenbergs Fähr-Nachen vor dem Start (um 1900).

Bonnenbergs Fähr-Nachen vor dem Start (um 1900).

Die erste Motor-Fähre von 1904.

Die erste Motor-Fähre von 1904.

So kennen sie noch viele: Die Bad Breisiger Personenfähre.
Da liegt die ausgemusterte Fähre, festgetäut, an ihrer Landebrücke. FA

Da liegt die ausgemusterte Fähre, festgetäut, an ihrer Landebrücke. Fotos: FA

Da liegt die ausgemusterte Fähre, festgetäut, an ihrer Landebrücke. Fotos: FA

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