Allgemeine Berichte | 17.12.2020

Eine eisene Säule bei Heimerzheim lässt Archäologen rätseln

Der „Iron Man“ aus dem Kottenforst

Der „Eiserne Mann“ wirft immer noch Fragen auf.Fotos: Wilfried Graff

Swisttal-Heimerzheim. Das Mittelalter gilt gemeinhin als besonders düsteres Zeitalter. Und ganz besonders dunkel war zu jenen Zeiten der Wald, der einen Großteil des Gebietes, das wir heute als Deutschland kennen, schier undurchdringlich überzog. Auch die heutige Gemeinde Swisttal hatte ihren Wald, den Kottenforst nämlich. Ganz 40 Quadratkilometer dehnt sich dieser Wald aus und bot zumindest noch vor einigen Jahrhunderten einen passenden Unterschlupf für allerlei Gesindel, weshalb es zur guten Allgemeinbildung gehörte, jene bewachsenen Areale tunlichst zu vermeiden. Aber gerade der Kottenforst hat etwas Besonderes zu bieten: Den Eisernen Mann. Wer nun an „Iron Man“ aus den Hollywood-Blockbustern denkt, ist auf dem Holzweg des Kottenforstes gelandet. Mit seine Höhe von 1,20 Metern wird der lokale „Iron Man“ dem Vergleich zum Superhelden nicht gerecht. Denn der „Eiserne Mann“ ist keine besonders harte und taffe Person, sondern eine klobige, grobe Eisensäule die im Nirgendwo des Waldes ihr jahrhundertealtes Dasein fristet. Wertgeschätzt wird er dennoch: In den Dörfern ringsherum gehört er zum Kulturgut . Und natürlich ist der „Eiserne“ Gegenstand einiger Sagen und das mit Fug und Recht. Denn trotz der Methoden der modernen Archäologie ist der Sinn oder Zweck der Stele unbekannt und nicht hinreichend geklärt.

Der Sinn und Zweck des „Eisernen Mannes“

Es gibt mittlerweile vier Theorien, warum der „Eiserne Mann“ existiert und diese sind mal mehr, mal weniger realitätsnah:

1. Der „Eiserne Mann“ ist ein Denkmal. Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges waren auch in der Region um den Kottenforst spürbar. Während des Konflikts tat sich ein General mit außerordentlicher Tapferkeit hervor. Sein Beiname lautete „Eisenmann“ und die Säule soll an ihn und seine Mut im Kampf erinnern.

2. Der „Eiserne Mann“ ist ein magisches Werkzeug. Wenn die Glocke im acht Kilometer entfernten Roisdorf bimmelt, soll sich der „Mann“ dreimal im Kreis drehen. Das gilt als ziemlich unwahrscheinlich, vorsichtig ausgedrückt. Selbiges gilt für sein Dasein als Heilsbringer für unverheiratete Mädchen. Sind diese um Mitternacht dreimal um die Säule gerannt und küssten deren Oberseite, sollten sie alsbald einen guten Mann finden. Als „Beleg“ wird angegeben, dass die Oberfläche auch schon sichtbar „abgeküsst“ wäre.

3. Der „Eiserne Mann“ ist ein Vermessungspunkt. Solche Punkte wurden zur Orientierung von Kartografen eingesetzt. So richtig einheitlich ist der Begriff aber nicht definiert, gerade wenn es um Vermessungspunkte aus früheren Zeiten geht.

4. Der „Eiserne Mann“ ist ein Grenzstein. Im Jahre 1625 wurde der „Eiserne Mann“ erstmalig urkundlich erwähnt. Dort wurde auch sein Zweck beschrieben. Er diente als Grenzmarkierung zwischen den beiden Gemeinden Heimerzheim und Alfter.

Es könnte gut das der „Mann“ nicht immer dort stand, wo er heute steht. Im Rahmen der Anlegung eines neuen Wegesystems zur Parforcejagd, wurde er im Jahre 1727 möglicherweise umgesetzt. Auch das ist nicht gesichert: Denn so leicht lässt man den Brocken aus Metall nicht versetzen. Man startete gar in der Neuzeit auch Versuche, den „Eisernen Mann“ mithilfe eines Traktors aus dem Erdreich zu ziehen. Ein Glück, dass das nicht gelang, was jedoch wenig verwunderlich ist. Der „Eiserne Mann“ geht noch einen weiteren Meter ins Erdreich wo er T-förmig ausläuft. Das lässt die Hypothese zu, dass das eiserne Stück Teil einer Art Geschirr für Zugtiere war. Viele Historienforscher aus den vorherigen Jahrhunderten schrieben ihn jedoch den Römern zu, die in der Region siedelten. Diese Annahme ist jedoch widerlegt. Archäologen stellten fest, dass es sich um Holzkohleroheisen handelt und somit einer Technik, die den Römern unbekannt war und erst im Mittelalter Standard wurde.

Der „Eiserne Mann“ ist also ein geheimnisumwittertes Metall voller Mystik. So mystisch gar, das es vor einigen Jahren den Ufologen Erich von Däniken auf den Plan rief. Der wollte im „Mann“ sogar eine Hinterlassenschaft von Besuchern aus dem Weltraum sehen – immerhin würde dies bessere zu dem am Anfang erwähnten und originalen „Iron Man“ passen.

Mehr zum „Mann“

Wer sich für weitere Informationen über die Eisenstele und Swisttal-Heimerzheim interessiert wird auch auf der Homepage des Heimatforschers Wilfried Graff fündig: www.swisttal-buschhoven.de.

ROB

Viele Wanderer nutzen die Ruhebänke am „Eisernen“ für eine Rast.

Viele Wanderer nutzen die Ruhebänke am „Eisernen“ für eine Rast.

Der „Iron Man“ aus dem Kottenforst

Der „Eiserne Mann“ wirft immer noch Fragen auf.Fotos: Wilfried Graff

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Hause Mayen/Mendig
fit für`s Alter?
Container Anzeige
SB Standesamt
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Anzeige "Rund ums Haus"
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Koblenz blüht
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Angebotsanzeige (April)
Anzeige KW 14
Titelanzeige
Anzeige Lange Samstage
Imageanzeige - Ostern