Die Sinziger Denkmalfreunde besuchten Königsfeld und erfuhren viel über seine Geschichte

Ein Dorf mit Stadtrechten

18.04.2016 - 13:21

Sinzig/Königsfeld. Erstaunlich, aber wahr: Mancher, der in Sinzig und Umgebung wohnt, war noch nie in Königsfeld. Da traf es sich gut, dass der Verein zur Förderung für Denkmalpflege und des Heimatmuseums Sinzig ins Vinxtbachtal einlud, um das Dorf, das einmal Stadt war, von seiner historischen Seite kennen zu lernen. Da die Sonne an diesem Samstagnachmittag strahlte, hatten 34 Mitglieder und Gäste Lust auf eine kleine Exkursion. Beim Bürgerhaus in Königsfeld erwartete sie Stadtführer Karl-Heinz Kurt, mit dem sie auf den Spuren der Geschichte durch den Ortskern wandelten. „Merkmale, die von der ehemaligen Stadt noch vorhanden sind“ nahm er mit ihnen in Augenschein. Beim Gang zu mittelalterlicher Bausubstanz rund um die Kirche wurde auch an manch jüngerem Haus das Bemühen der Einwohner ablesbar, Fachwerk, Bruchsteinmauern und Hofpflaster zu erhalten oder stilvoll zu erneuern. Im frühen Mittelalter gehörte das über 1000 Jahre alte Königsfeld zum Reichsgut Sinzig. Schon vor der ersten urkundlichen Erwähnung 992, als König Otto III. den Bannforst zu „Cuningesvelt“ verschenkte, soll sich aus einem königlichen Jagdhaus im 7. Jahrhundert ein Herrenhaus entwickelt haben, dem eine Wasserburg folgte.



Geschichtsspuren entdeckt


1336 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer die Stadtrechte an Königsfeld, verbunden mit den Rechten auf Graben- und Mauerschutz, Jahr- und Wochenmarkt. Stadtgraben und einspeisende Weiher sind dahin. Von der Stadtmauer sah die Gruppe Reste. Ein Bruchsteinpfeiler zeugt vom letzten Stadttor aus dem 16. Jahrhundert. Doch die stattliche Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert steht leider nicht mehr. Einst gehörte sie mit der Herrschaft Königsfeld dem Reichsritter von der Landskron. Um 1700 ging sie an Waldbott von Bassenheim. Der knechtete die Königsfelder so, dass sie keine Erinnerung an seine Herrschaft wünschten und 1830 mit den Steinen der Burg auf deren Grundmauern und Keller das Schulhaus errichteten. Außen entdeckten die Besucher noch ein Wappen derer von Waldbott, und zuvor hatte Kurth in der Krummen Gasse auf einen Wallbott-Grenzstein hingewiesen, war doch der Ort zeitweise unter vielen Besitzern aufgeteilt. Neun Häuser der Gasse brannten 1872 ab. Daran erinnert eines der 15 Schilder im Ort, während ein anderes der Geschichte der Juden von Königsfeld gedenkt, die dort auch ein Bethaus hatten.

In der sehenswerten Pfarrkirche Sankt Nikolaus, aus spätromanischen Elementen und dem Neubau von 1912 bestehend, bewunderte man etwa im Chor aus dem 13. Jahrhundert einen Barockaltar, ein kostbares gotisches Sakramentshaus und expressionistische Fenster sowie nebenan sehr alte Madonnen. Der einst einsturzgefährdete Chor aus dem 13. Jahrhundert konnte übrigens nur dank eines Ankers gerettet werden. Kurth erwähnte gleichfalls, dass der Turm nach dem Stadtbrand von 1710 teilerneuert werden musste und einer tragenden Mittelsäule übel mitgespielt wurde.


Das älteste Haus von Königsfeld


Südlich der großen Kirche, auf der tiefer liegenden Hauptstraße, steht ein Dreiseithof in Fachwerkbauweise mit Teilen des ehemaligen Zehnthofs. Stefanie Luley, die das Anwesen mit ihrem verstorbenen Mann Egbert nach dem Kauf 1974 aufwendig restaurierte, öffnete und erläuterte den interessierten Denkmalfreunden Haus, Zehnthofscheune und Garten. Der ehemalige Zehnthof des Gerhard von Landskron wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Waldbott von Bassenheim mit Fachwerk-Schmuckformen ausgestattet. Stefanie Luley hat sich intensiv mit der Vergangenheit des eindrucksvollen Gebäudes befasst. Sie vermutet in der Wohnanlage das älteste Haus von Königsfeld, da es als einziges einen Brunnen im Keller hat. Bereits um 1100 sei es errichtet worden, als Hammersteiner Zehnthof, also noch vor den Landskronern, denn „die Hammersteiner hatten als erste Besitz in Königsfeld“. Dass der Ort an wichtigen Straßen, wie der römischen Kohlstraße, lag, habe zu seiner einstigen Bedeutung geführt. Ein bei Königsfeld gefundener keltischer Mahlstein lege sogar eine noch viel frühere Besiedlung nahe. HG

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