Gastspiel des Hover Septetts in Andernach

Mystisch und transzendent – armenische Sänger vermittelten Tradition ihres Volkes

01.08.2016 - 11:28

Andernach. „RheinVokal“ – eine Marke, die für den Facettenreichtum des Gesangs steht. Seit 2005 findet unter diesem Namen jährlich ein internationales Festival am Mittelrhein statt. Solisten und Ensembles gastieren in den Sommermonaten in bedeutenden historischen Spielstätten der Region, so auch in der hochgotischen Andernacher Christuskirche. Dort erwarteten die Musikfreunde in der vergangenen Woche eigentlich rund dreißig Frauen- und Männerstimmen des bekannten und vielfach ausgezeichneten „Hover“ State Chamber Choir. Auf Grund von Reisebeschränkungen konnte jedoch „nur“ eine siebenköpfige Abordnung herausragender Tenöre und Bassisten des staatlichen armenischen Kammerchors anreisen: das Hover Septett.


Hörbares und fühlbares Leid eines Volkes


„Danke Deutschland – 2. Juni 2016“, war auf einem unübersehbaren Aufsteller im Chorraum zu lesen. Die „Stimmen Armeniens“, so der Titel der Veranstaltung, verschafften sich nämlich zwei Monate nach der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestags musikalisch Gehör. Über 200 Konzertbesucher aus nah und fern erlebten die einfühlsamen Vokal-Darbietungen der sieben Musiker. Es schien, als klänge auch etwas vom Leid des armenischen Volkes in den Ohren, als wäre der Raum erfüllt von Stimmen, die die vielen Tragödien im Herzen der kleinen Nation in die Welt tragen, sie geradezu heraussingen. Mit jedem Ton bekannte sich das Ensemble zum Glauben und zur Geschichte seines Landes, das im Bergland zwischen Georgien, Aserbaidschan, dem Iran und der Türkei liegt.

Der Binnenstaat entspricht heute nur noch dem nordöstlichen Teil des ehemals viel größeren armenischen Siedlungsgebiets, das jedoch in der wechselvollen Geschichte Armeniens nur selten ein vereintes Reich war.


Armenische Liturgie: Geheimnisvoll anders


Am Anfang des Abends stand ein einstimmig intonierter armenisch-liturgischer Morgenhymnus, dann zogen die Musiker aus Jerewan, beste Sänger ihres Landes, das Auditorium mit einem Auszug aus Komitas „Heiliger Liturgie der Heiligen Armenisch-Apostolischen Kirche“ in den Bann. Komitas Vardapet, der als armenischer Mönch, Ethno-Musikologe und Komponist im Jahre 1915 zu den ersten Verschleppten des Genozids zählte und nur als gebrochene Seele überlebte, wurde zum Symbol der nationalen Tragödie. Das Vokalensemble des Staatlichen Kammerchors Armeniens vermittelte eindrucksvoll die mystische Transzendenz der „Heiligen Liturgie“, die in der armenischen Volkskultur der einfachen Menschen und im Ritualismus des östlichen Christentums verwurzelt ist. Offenherzig, glühend und ehrfürchtig vermittelte sich den Zuhörern diese Form der musikalischen Verehrung, als Spiegel der armenisch christlichen Lehre. Auf Instrumentalbegleitung verzichtend, erfüllte der sonore Klangkörper der drei Tenöre und vier Bassisten die zweischiffige Christuskirche. Mancher Zuhörer schloss die Augen, ließ sich tragen vom kontemplativen Melodienfluss, öffnete sich einer fremden Welt. Die Bedeutung des englischen Wortes „hover“ (schweben) erschloss sich so.


Vertontes Landleben


Auch die meisten armenischen Volkslieder wurden von Komitas Vardapet (1869–1935) gesammelt. Das Hover Septett bot einen Reigen spätromantischer, archaischer und dörflicher Arbeits- und Liebeslieder dar. Im weiteren Programmverlauf ergänzten die geistliche Musik des polnischen Katholiken Krzysztof Penderecki (*1933) und zeitgenössische Werke des estnischen Mönchs Arvo Pärt (*1935) sowie des jungen armenischen Komponisten Artur Avanesov (*1980) den Spannungsbogen.

„Ashkharums agh chim kashi“ („Ich würde in dieser Welt nicht seufzen“) – das armenische Lied von Sayat-Nova, im 18. Jahrhundert der größte Sänger und Liederdichter in der Kaukasus-Region, brachte zum Abschluss noch einmal das absolute Gottvertrauen der armenischen Christen zum Ausdruck. Vielleicht beispielgebend in einer Welt, in der es so manchem zum „Seufzen“ zumute ist.

Das Hover Septett gastierte in Andernach mit Liparit Avetisyan, Artur Manukyan, Edgar Varosyan (Tenor) sowie Areg Ghahramanyan, Vahagn Babloyan und Kim Sarg. Mit langanhaltendem, herzlichen und zum Teil stehenden Applaus dankte das Publikum den armenischen Künstlern für ein Chorkonzert der besonderen Art, das nochmals in einer Aufzeichnung des SWR2 am 5. November 2016 ab 19.05 Uhr zu hören ist.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Stellenmarkt
Weitere Berichte

Geldautomatensprengungen in Andernach und Montabaur

Polizei schnappt Automatensprenger: 20-Jähriger erbeutete mehrere hunderttausend Euro

Region. Nach einer Serie von Geldautomatensprengungen führten die Staatsanwaltschaft und die Polizei Köln am Morgen des 24. April Durchsuchungen in mehreren Privatwohnungen und Büros in Köln, Rheinbach und Heimerzheim sowie in einer Justizvollzugsanstalt in Nordrhein-Westfalen durch. Die umfangreichen Ermittlungen konzentrierten sich auf einen 20-jährigen Mann, der seit Februar 2024 in Haft ist und eine Strafe für ein Raubdelikt verbüßt. mehr...

Angeklagte sollen Frau schwer misshandelt, zur Prostitution gezwungen und getötet haben

Nach Mord im Koblenzer Rotlichtmilieu: Anklage gegen zwei Personen erhoben

Koblenz. Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz mitteilt, wurde nach dem Tötungsdelikt im Koblenzer Rotlichtmilieu vergangenen November nun Anklage gegen eine 40-jährige Frau und einen 48 Jahre alten Mann (beide bulgarischer Nationalität) erhoben. Den beiden Beschuldigten wird zur Last gelegt, eine mit ihnen zusammenlebende 31-jährige Bulgarin grausam und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben.... mehr...

Regional+
 

Verbandsgemeinderat beschließt Neubau der Grundschule Dernau

Alfred Sebastian geht auch vom Neubau verbundenen Schulsporthalle aus

Dernau. Die Auswirkungen der Flutkatastrophe im Ahrtal in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 sind noch längst nicht überwunden: Weder aus den Köpfen und Herzen der Menschen, noch beim Wiederaufbau der massiven Zerstörungen an Gebäuden und Infrastruktur. Nicht nur die hiervon unmittelbar Betroffenen Menschen, sondern auch die Behördenmitarbeiter/Innen sind an der Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt. mehr...

Aggression gegen Rettungskräfte in Euskirchen

Polizisten bei Einsatz bespuckt

Euskirchen. Am Sonntag, 28. April gegen 19.28 Uhr wurde den Rettungskräften eine stark alkoholisierte, verletzte Person im Bereich der Klosterstraße in Euskirchen gemeldet. Ein weiterer anwesender 48-jähriger Mann verhielt sich gegenüber den Rettungskräften verbal aggressiv. Aus diesem Grund wurden Polizeibeamte hinzugezogen. mehr...

Anzeige
 
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte
Möglicherweise in hilfloser Lage

51-jähriger Mann aus Höhr-Grenzhausen vermisst

Möglicherweise in hilfloser Lage

Höhr-Grenzhausen. Seit dem Morgen des 28.04.24 wird der 1972 geborene Frank Arenz aus Höhr-Grenzhausen vermisst. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten hat dieser seinen gewohnten Lebenskreis verlassen, bisher durchgeführte Fahndungsmaßnahmen führten bislang nicht zum Erfolg. mehr...

Taube auf Scheunendach erschossen

Zeugenaussagen erbeten nach Schuss in Rhens

Taube auf Scheunendach erschossen

Rhens. Am Donnerstag, 11. April 2024 gegen 18.30 Uhr wurde durch Zeugen beobachtet, wie in Rhens auf eine Taube geschossen wurde. Die Taube saß auf einem Scheunendach in der Koblenzer Straße und wurde dort vermutlich von einem Kleinkalibergeschoss getroffen. mehr...

Reparatur- und Kommunikations- Café der Senioren-Union der VG Bad Breisig

Reparieren statt wegwerfen

Bad Breisig. Am Montag, 6. Mai werden in der Zeit von 15 bis 17 Uhr, im „Haus der Begegnung“ in Bad Breisig, wieder Kleinreparaturen an Elektrogeräten durchgeführt. Daneben wird Unterstützung beim Umgang mit Laptop, Smartphone und Navigationsgeräten angeboten. mehr...

„Wählergruppe Kreis Ahrweiler“ tritt an

Wahl des Gemeinderats Grafschaft

„Wählergruppe Kreis Ahrweiler“ tritt an

Gemeinde Grafschaft. Ein Zusammenschluss parteiloser Bürger aus dem Kreis Ahrweiler hat auf einer bürgeröffentlichen Aufstellungsversammlung für den Ahrweiler Kreistag im direkten Anschluss auch eine Bürgerliste für den Gemeinderat der Grafschaft aufgestellt. mehr...

Ein erfolgreiches Wettkampfwochenende

DJK Ochtendung 1920 e.V. – Abteilung Leichtathletik

Ein erfolgreiches Wettkampfwochenende

Ochtendung. Am Wochenende gingen die Athlet*innen der DJK bei zwei Wettkämpfen an den Start. Das Wochenende begann mit dem 3. Mayener Laufabend. Hier startete Rebecca Kramer bei der 100 und 200 Meter Sprintdistanz. mehr...

LESETIPPS
GelesenNeueste
Kommentare
Amir Samed :
Eine im Wesentlichen auf die Medien, nicht auf die Wähler gestützte Regierung verteidigt ihre Vormacht durch Tricks, die einer demokratischen Gesellschaft nicht würdig sind, dies gilt auch für Hr. Kühnert, denn, wer in der Demokratie anderen eine Grube gräbt, wird darin selbst beerdigt. Denn Demokratie...
Amir Samed :
HR Kühnert, auch Talkshow-Kevin genannt, ist allgemein bekannt für seine Forderungen nach Verstaatlichung. In seinem Weltbild ist es Diebstahl, wenn ein Mensch sein Leben lang hart arbeitet und sich zur Altersvorsorge ein Haus baut. Stattdessen sollte dieser sein hart verdientes Geld dem Staat überlassen,...
Anonym:
Ich bin hier gerade sehr im Zwiespalt. Das ist doch der Gnadenhof wo auch bei die Harten Hunde mit Ralf Seeger gesendet wurde und der dort auch geholfen hat. Da Ralf Seeger sich dem Tierschutz mit ganzer Seele verschrieben hat kann ich mir nicht vorstellen daß er dort geholfen hätte und auch eine...
Anonym:
Ich bin hier gerade sehr im Zwiespalt. Das ist doch der Gnadenhof wo auch bei die Harten Hunde mit Ralf Seeger gesendet wurde und der dort auch geholfen hat. Da Ralf Seeger sich dem Tierschutz mit ganzer Seele verschrieben hat kann ich mir nicht vorstellen daß er dort geholfen hätte und auch eine...
MARGIT S.:
Wie krank mal einfach ohne eine 2 Meinung sowas zu beschließen???!!! Sorry aber das hier ist jein Rechtsstaat mehr !!! 15 Jahre hat diese Frau alles gegeben für diese armen Seelen..Und da behauptet eine Person etwas und wer leidet darunter???? DIESE ARMEN SEELEN!!!! Statt Auflagen und diese unangemeldet...
Ralf Dutine:
Hansen, die für meine Statistik wichtigste Info war dabei ;-)...
Hansen:
Korrektur: Das war grausanste Folter und ein Femizid. Benennt es als das, was es ist. Wir schreiben das Jahr 2024 und nicht 1980....
Haftnotiz+
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Service