Allgemeine Berichte | 25.07.2017

Ein kleines Buch gibt Antworten auf eine große Frage

Wie kann man Kindern erklären, warum es Kriege gibt?

Übersetzer Riad Alhamad (links) und Autor Zachary Gallant. privat

Unkel. „War: a childrens´s book“ ist der schlichte Titel eines Buchs für Kinder von Zachary Gallant, einem 32-jährigen amerikanischen Juden aus Baltimore, der seit drei Jahren in Unkel lebt. Auslöser für das Buch war die Frage, die ihm sein damals achtjähriger Cousin vor vielen Jahren stellte: „Zach, warum gibt es Kriege?“. Antworten fand Gallant, der in London internationale Politikwissenschaften studierte, bei seinen vielen Forschungsreisen in Kriegs- und Krisengebiete wie den Balkanländern, Georgien oder Palästina. Auf dem Weg nach Aleppo in Syrien lernte er bei einem Zwischenstopp in Deutschland seine Frau kennen, mit der er seit 2014 in Unkel lebt. Auch wenn er seitdem nicht mehr in Kriegs- und Konfliktgebiete reiste, sondern als Autor, Dozent und Vater tätig ist: Die Frage seines Cousins vergaß er nicht. Mit der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes 2014 wuchs sein Bedürfnis, eine Antwort zu formulieren. In nur einer Nacht schrieb Gallant in Gedichtform nieder, warum es Kriege gibt. Im darauf folgenden Jahr bearbeitete er den Text immer wieder in engem Austausch mit Kindern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern Psychologinnen und anderen Fachleuten, die ein Interesse an Aufklärungs- und Therapiearbeit zum Thema Krieg haben.

Die Ankunft von Geflüchteten konfrontierte Gallant auch im beschaulichen Unkel mit den Folgen von Kriegen, Gewalt und Terror. Er begann, sich im Kontaktkreis Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Unkel, einem Netzwerk von Freiwilligen, zu engagieren – von der vielfältigen Unterstützung und Begleitung einer Großfamilie, über einen Deutschkurs für Frauen mit Kinderbetreuung bis zu Gitarren- und Musikkursen. Parallel dazu publizierte ein US-amerikanischer Verlag sein Buch. Erst nur in englischer Sprache beschreibt es einfühlsam und kindgerecht, was Krieg für Menschen, speziell für Kinder, bedeutet und welche Wege es gibt, die Spirale von Angst, sozialer Ausgrenzung, Gewalt und Kriegen zu durchbrechen.

Der 40-jährige Riad Alhamad weiß, wovon das Buch spricht. Er floh 2013 mit seiner Familie aus Aleppo und ließ alles zurück: Die Trümmer seiner Unterkunft, seine Existenz als Anwalt, aber vor allem Freunde und Verwandte, die zurückblieben, im Bombenhagel starben oder im Gefängnis verschwanden, weil sie, wie auch er, sich kritisch zum Assad-Regime geäußert hatten. Er hatte Angst, selber zum Kampf mit der Waffe gegen seine Landsleute gezwungen zu werden – egal für welche Seite. „Ich bin ein Mensch der Worte, kein Mensch der Waffe“, erklärt er. Alhamad wagte mit seiner Familie die riskante Flucht über das Mittelmeer und kam Ende 2015 in Unkel an, wo er sich schnell beim Kontaktkreis Flüchtlinge für seine Landsleute engagierte. Dort lernte er Gallant kennen. Die beiden tauschten sich in Englisch aus, einer der vier Fremdsprachen, die Alhamad spricht. Und irgendwann kam auch die Rede auf Gallants Buch, das in möglichst viele Sprachen übersetzt werden soll – auch ins Arabische. Alhamad war sofort dazu bereit.

„Die Übersetzung des Buches war ein Weg für mich, meine eigenen Erfahrungen und Gefühle auszudrücken“, beschreibt Alhamad seine Motive, das Buch zu übersetzen – gratis. „Drei Jahre lang haben ich und meine Familie so gelebt, wie es in dem Buch beschrieben wird. Unsere Kinder sollten nicht in Angst und Krieg aufwachsen. Deshalb gingen wir fort und ließen alles zurück. Dass ich dieses Buch für Kinder übersetzen konnte, war für mich deshalb eine wunderbare Möglichkeit, anderen Menschen zu erklären, warum wir hier sind.“

„Es braucht nur Einfühlungsvermögen und Gespräche, um zu verstehen, dass wir überhaupt nicht so verschieden sind, dass Feindbilder überwunden werden können. Und damit muss jeder beginnen und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen“, ist eine der Botschaften, die Gallant seinen Leserinnen und Lesern mit auf den Weg gibt. Für ihn und seinen Freund Alhamad ist diese Kommunikation über kulturelle, nationale und religiöse Grenzen hinweg eine Selbstverständlichkeit.

Ein kleines Buch erregt Aufmerksamkeit

Eine deutsch-arabische Ausgabe des Buchs „War: a childrens´s book“ mit den Übersetzungen von Alhamad und Schuster ist in Vorbereitung. Das Buch für Kinder ab acht Jahren wendet sich auch an Fachleute, die mit Kindern arbeiten, beispielsweise in Schulen oder im therapeutischen Rahmen. Nun erregte es die Aufmerksamkeit der Muslim Jewish Conference, einem vor sechs Jahren gegründeten regelmäßig stattfindenden Dialog-Forum jüdischer und muslimischer Aktivistinnen und Aktivisten aus aller Welt, die angesichts der immer tiefer werdenden Gräben zwischen beiden Religionsgemeinschaften durch offenen Austausch Feindbilder überwinden wollen. Vom 6. bis zum 13. August findet die Konferenz in Sarajewo statt, wohin Zachary Gallant und Riad Alhamad eingeladen wurden, ihr Buch vorzustellen. Die bürokratischen Hürden für die Reise nach Bosnien sind bereits überwunden.

In der Verbandsgemeinde Unkel soll das Buch in der interkulturellen Woche, die in der letzten Septemberwoche stattfindet, präsentiert werden. Einzelheiten dazu werden rechtzeitig veröffentlicht.

Übersetzer Riad Alhamad (links) und Autor Zachary Gallant. Foto: privat

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