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Professor Henner Herrmanns verabschiedete sich mit einer Ausstellung von der Hochschule Koblenz

Ein Leben für Architektur und Kunst

08.12.2015 - 12:21

Koblenz. 1990 wurde Henner Hermanns, Jahrgang 1950, an die Hochschule Koblenz berufen als Professor für Freies Gestalten, Entwerfen, Gestaltung, Architekturtheorie, Bau- und Kunstgeschichte. 25 Jahre später, zum Ende des Wintersemesters 2015/16, beendet er nun seine Lehrtätigkeit.

Er verabschiedete sich mit einer in der Hochschule installierten Ausstellung von knapp 100 studentischen Zeichnungen, alle in den letzten 25 Jahren im Lehrfach „Freies Gestalten“ entstanden, und doch nur ein Drittel der Arbeiten, die ihm seine ehemaligen Studenten für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatten. Sie hätten sie über all die Jahre offenbar wie Schätze aufbewahrt, stellte er fest.

Die Zeichnungen, zum Teil mit eingeblendeten Detail-Skizzen, sind das Ergebnis einer Vielzahl von Zeichen-Exkursionen, die er zusammen mit seinen Masterstudierenden in das In- und Ausland unternommen hat. Um Kirchen und historische Bauwerke sehen und zeichnen zu lernen, das Spiel mit Licht und Schatten zu üben, fuhren die Gruppen in Städte wie Venedig, Mailand, Rom und Wien, Salzburg und Prag. Nicht nur an fernen Orten, sondern ebenso am Hochschulstandort Koblenz war Herrmanns häufig mit den angehenden Architekten unterwegs auf der Spur interessanter architektonischer und städtebaulicher Themen. Zeichnungen des Ehrenbreitsteins, vom Weindorf oder von der Florinskirche waren in der Ausstellung zu sehen.

Einer, der genau wie Herrmanns Architektur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen bei dem berühmten Kirchenbaumeister Prof. Gottfried Böhm studiert hat, ist der in Köln ansässige Architekt Wilhelm Schulte. Gerne erinnert er sich an die mehrtägige „Freihandzeichnen“-Exkursion nach Rothenburg, bei der er Herrmanns im Jahr 2010 begleiten durfte. Viele Stunden, bei Wind und Wetter, sei gezeichnet worden. Er habe da bemerkt die Angst der Studenten vor dem leeren Blatt Papier, vor dem Umgang mit den Zeichenmedien und ihre Angst, Fehler zu machen. Erst nach Tagen der Praxis hätten sich künstlerische Ambitionen und hohe Motivation entwickelt.


Legendäre Exkursionen


Gerade die immer wieder durchgeführten Fahrten in die mittelfränkische Kleinstadt an der Tauber, zuletzt im Juni 2014, scheinen auch bei den ehemaligen Studenten, von denen viele dem Vortrag und der Ausstellungseröffnung beiwohnten, legendär zu sein. Pittoreske Fachwerkhäuser, Türme, Stadttore, malerische Gassen und Plätze bieten offenbar eine Vielzahl an Motiven, anhand derer sich das perspektivische Zeichnen üben lässt. Herrmanns behauptete sogar, kein Architektur-Student habe die Hochschule verlassen, ohne nicht wenigstens einmal mit ihm in Rothenburg gewesen zu sein, wo die studentischen Gruppen stets besonders herzlich empfangen wurden. In diesem Jahr allerdings war Rothenburg ausnahmsweise einmal kein Exkursions-Ziel. Da reiste er mit einer Gruppe in den Norden der Niederlande, wo in Amsterdam, Haarlem und Zandvoort das Handwerk des Zeichnens geübt wurde. Im kleinen „Zandvoorts Museum“ wurden die besten Arbeiten ausgestellt.

„Den Zeichenstift muss der Architekt zu führen wissen, damit er um so leichter durch perspektivische Zeichnungen das beabsichtigte Aussehen seines Werkes darstellen kann“, zitierte Schulte aus den „Zehn Büchern über Architektur“ des römischen Architekten Vitruvius, der im ersten Jahrhundert vor Christus lebte. In seinem Vortrag „Der Architekt als Zeichner“ zeigte er anhand eigener Projekt-Beispiele, wie die einem Projekt zugrunde liegenden Freihand-Skizzen als separates Element im Entwurfsprozess zu verstehen sind. Trotz moderner Computer-Zeichenprogramme fließe das Skizzen-Zeichnen in seinem Beruf als Architekt nach wie vor stark in den Arbeitsprozess ein. „Beim Zeichnen werden Visionen entwickelt“, sagte er. Seine Skizzen hätten vielfach das gesamte Projekt geprägt und überzeugende Argumente bei Wettbewerben und für Auftraggeber geliefert. Eines seiner Projekte ist auch den Koblenzern bekannt: das Wohnquartier „Musikerviertel“, das auf dem Oberwerth gerade dort entsteht, wo die Hochschule Koblenz noch bis zum Jahr 2009 ihren Standort hatte. Mit handgezeichneten, die städtebaulichen Vorgaben berücksichtigenden Skizzen habe Schulte mit seinem Architekturbüro die Investoren beraten und sie überzeugen können. Zum Abschluss seiner Präsentation empfahl er allen Zuhörern: „Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Zeichenstift mit, wenn Sie in den Cafés dieser Welt unterwegs sind!“. Beim Zeichnen lerne man das Sehen und mache neue Erfahrungen. Zeichnen lehre die Sprache des Architekten und sei darüber hinaus überaus kommunikativ.

Mit dem Henner Herrmanns Zitat: „Wer zeichnen gelernt hat, wird auch später als Architekt große Würfe wagen, ohne sich dabei den Arm auszukugeln“ begann Prof. Ulf Decker seine Laudatio auf den scheidenden Kollegen, die zugleich eine Laudatio auf das Zeichnen in der Architektur war. Herrmanns habe immer großen Wert darauf gelegt, dass Architektur brennen müsse, dass sie etwas Streitbares sei. „Er war eine große Bereicherung für unseren Fachbereich“. Ebenso sah es die Kanzlerin der Hochschule, Heidi Mikoteit-Olsen. Sie bedankte sich auch im Namen von Prodekan Prof. Ulof Rückert für die hervorragende Tätigkeit Herrmanns an der Hochschule. Mit seinem Unterricht habe er den Studenten geholfen, eigene ästhetische Maßstäbe zu entwickeln.


Aktiver „Unruhestand“


Bei dem an die Redebeiträge anschließenden Umtrunk im Foyer der Hochschule gab Herrmanns inmitten der Ausstellung einen Ausblick auf seinen „Unruhestand“. Er wolle sich dann wieder mehr der Arbeit in seinem Büro in Vallendar widmen, wo er beruflich niedergelassen ist als freier Architekt. Neben dem Beruf Architekt, der für ihn eine Berufung zu sein scheint, habe er keine weiteren Hobbys. Sein Leben lang habe er sich immer nur mit Kunst und Architektur beschäftigt. Schon früh sei es sein Berufsziel gewesen, Professor zu werden, wohl beeinflusst von seinen Ausbildern, den Architektur-“Gurus“ Gottfried Böhm, James Stirling und Hans Hollein.

In seinem Internet-Blog, den er seit 2010 betreibt, wird er sich natürlich weiterhin mit aktuellen Themen aus Kunst und Architektur beschäftigen. Darüber hinaus plant er für das nächste Jahr mindestens zwei Ausstellungen mit Architektur-Zeichnungen - eine in Regensburg und noch einmal eine in Zandvoort.

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Kommentare
juergen mueller:
Ja - das Ordnungsamt ist viel mehr als nur "Knöllchen". Dafür braucht es auf dem Foto keiner mediengeiler politischer Vertreter, die keinen Anlaß auslassen, mit ihrer gestellten Anwesenheit darauf hinzuweisen, dass ohne sie nichts geht - ein Trugschluß, den noch nicht jeder begriffen hat. Man sonnt sich halt bei jeder Gelegenheit in Situationen, die anscheinend ohne künstlich politisch inszenierte Sonneneinstrahlung offensichtlich verblassen würden. Und die Farbe offenbart es dann doch - man bleibt halt "blass".
juergen mueller:
Wenn einem die Felle davon schwimmen, dann greift man halt nach etwas, was man mit seiner (un)sozialen Einstellung Jahrzehnte ganz einfach wissentlich ignoriert hat. Seit wann interessiert die SPD-Fraktion unter dem Fraktionsvorsitz von Lipinski-Naumann MENSCHEN mit niedrigen/mittleren Einkommen? Bisher konnten mit deren unverhohlenen Zustimmung Investoren ohne Rücksicht auf eine "soziale Quote" bauen auf Teufel komm raus. Diese plötzliche vermeintlich soziale Kehrtwende stinkt nur noch. Das einzig sinnvolle Instrument war bisher nur das, dessen Töne in den eigenen Kram passten. Diese Schleimer- u.Anbieterei um Wählerstimmen ist nur noch erbärmlich.
Marcel Iseke:
Die "jetzigen gefährlichen Einfahrten" sind dann nicht mehr gefährlich? Der Radweg muss einfach komplett freigegeben werden, für die Sicherheit unserer Fahrradfahrer, der Reduzierung des PKW Verkehrs, mehr Bewegung im Alltag, CO2 Reduktion und und und. Keine halben Sachen!!
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