Politik | 31.10.2022

Der Ärger um die Bachstraße/den Platz an der Alten Post geht in die nächste Runde

Bachstraße: Gewerbetreibende sind sauer

Die Remagener Geschäftsleute Nina Hunold und Jamal Daiz sind sauer. Foto: ROB

Remagen. Die Pläne der Stadtverwaltung um die Bachstraße 5-7/ Platz an der Alten Post in Remagen sorgen weiterhin für erhitzte Gemüter. Was war passiert? Im Dezember 2021 erwarb die Stadt die Immobilie. Für diese Schritte bedurfte es der Zustimmung des Stadtrates, und der entsprechende Beschluss wurde verabschiedet. Um die zukünftige Nutzung des Hauses gleich neben der Tourist-Info ging es dabei nicht. Jedoch flatterten kurz nach Jahreswechsel die Kündigungsbescheide bei den Mietern ins Haus, so zumindest bei Nina Hunold, die seit 15 Jahren dort eine Ergotherapiepraxis betreibt. Bis Jamal Daiz, Besitzer des Sonnenstudios Marrakech, die Kündigung bekam, dauerte es etwas länger: Am 18. Mai 2022 übergab ein Mitarbeiter der Stadt Remagen die Kündigung an das Sonnenstudio. Ansinnen der Stadt ist es, ein Bürgerbüro einzurichten. Denn die Verwaltung hat Kapazitätsprobleme, gerade jetzt, wo eine umfassende Sanierung des Rathauses ansteht. Das Bürgerbüro ist momentan in der Josefstraße ansässig.

Immense Kosten bei Umzug

Dass die Mitarbeiter Platz brauchen, versteht auch Jamal Daiz, der seit 17 Jahren das Marrakech Sunrise & Wellness betreibt. Bevor Daiz seinerzeit öffnete, steckte er eine Menge Geld in das Geschäft, das damals noch einem Rohbau glich. „Alles in allem waren das 432.000 Euro“, so der Unternehmer. Das geschah mit einem bestimmten Ziel: Eigentlich wollte er das Haus selbst kaufen, so sei es auch seitens der Ex-Besitzer, einer Immobilien-Firma, zugesagt gewesen. Auch die Verwaltung sei über die Kaufabsicht informiert gewesen. Dann kam alles anders. Der Voreigentümer verkaufte schließlich den gesamten Immobilienkomplex an die Stadt Remagen, nun kam auch noch die Kündigung obendrauf. „Für mich ist das ein unwürdiges Verhalten. Langjährige und erfolgreiche Gewerbetreibende werden auf diese Art vor die Tür gesetzt .“ Als wäre Daiz nicht schon sauer genug, platzte ihm bei der Gegendarstellung der Stadtverwaltung, die als Reaktion auf die Pressemitteilung der FDP, die genau jenes Thema behandelt, verfasst wurde, der Kragen. Dort schreibt die Verwaltung, dass den Mietern bei der Suche nach alternativen Standorten geholfen werde. „Darüber wurden mit mir keine Gespräche geführt,“ versichert der Sonnenstudiobetreiber, auch wurde mir kein einziges Angebot für adäquate Räumlichkeiten unterbreitet und von Besichtigungen von Alternativlokalen kann keine Rede sein“, sagt Daiz. „Denn es gab und gibt keine Altenativlokale für mein Geschäft.“ Leicht wäre die Suche sowieso nicht, gibt er zu. Um an anderer Stelle ein Sonnenstudio zu eröffnen wären erhebliche Investitionen nötig. Daiz spricht von 65.000 Euro netto für Ablufttechnik und Starkstromaufbereitung allein für die Kabinen. „Diese Investitionssumme fällt immer wieder neu an, wenn man umzieht“, erklärt Daiz die Hintergründe.

Lediglich habe es Mitte Januar ein Gespräch mit Vertretern der Verwaltung gegeben, nachdem die Stadt das Gebäude erworben habe. Eine Kündigung sei damals überhaupt kein Thema gewesen, versichert Daiz. Im Mai - vier Monate später - wurde er vor vollendete Tatsachen in Form der Kündigung gestellt. „Das ist ein peinlicher Vorgang für die Stadt Remagen“, sagt Daiz. Initiativen zur Kontaktaufnahme seien erfolglos gewesen. Daiz bemängelt die unklaren Zuständigkeiten im Rathaus. „Entweder sind meine Ansprechpartner nicht mehr zuständig, waren nicht informiert oder im Urlaub.“ Daiz schließt in dieser Aufzählung auch den Bürgermeister Björn Ingendahl mit ein. Der Sonnenstudiobesitzer gibt allerdings zu, dass vor kurzem seitens der Stadt versucht wurde, am 6. Oktober, ein Gespräch zwischen ihm und Verwaltungsspitze zu organisieren. Dies sei aber an privaten Gründen gescheitert - Daiz war im Urlaub im Ausland. Dass zumindest versucht wurde, einen Dialog herzustellen, sei für Daiz in Ordnung. Doch gleichzeitig, zehn Monate nach dem Erstgespräch, nur ein schwacher Trotz, denn seine grundlegenden Fragen, die er per E-Mail eingereicht hatte, blieben trotzdem unbeantwortet.

„Warum dauert das alles so lange?“ fragt er konsterniert. „Die Stadt hat sich hier der Illusion einer schnellen Lösung für das Bürgerbüro hingegeben, ohne den Schaden für uns als Betroffene zu berücksichtigen“, fügt Daiz hinzu. Und der Schaden sei riesig für das Ansehen der Stadt, wenn langjährige Gewerbetreibende rausgeschmissen werden, ist sich Daiz sicher. Außerdem läge das Bürgerbüro optimal in der Josefstraße, findet er. Auch etwas anderes steht für ihn fest: „Eine Räumung unseres Lokals käme einer Geschäftsaufgabe gleich.“

Nicht kampflos aufgeben

Auch Nina Hunold möchte ihre Praxis für Ergotherapie nicht kampflos aufgeben. Hunold bestreitet die Eigendarstellung der Stadt, auf Eigeninitiative gemeinsam mit den Mietern nach alternativen Räumen gesucht zu haben. „Alle Gespräche haben auf meine Initiative hin stattgefunden“, sagt sie. Genützt habe das wenig und konstruktiv wären die Ideen nicht gewesen. Da eine Ergotherapiepraxis bestimmte bauliche Voraussetzungen benötige und auch an die Vorgaben der Krankenkasse gebunden sei, wurde ein neuer Praxisstandort nicht gefunden. Stattdessen wurde in Sinzig und Bad Breisig gesucht, da sich dort mehr Möglichkeiten böten.

Zwei von drei von der Stadt angebotene Möglichkeiten waren für Hunolds Zwecke völlig unbrauchbar. Die dritte Immobilie wäre nur unter immens hohen Energiekosten zu betreiben. Doch das hätte wiederum den wirtschaftlichen Kollaps zur Folge. Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren, habe die Wirtschaftsförderung der Stadt geraten, sie möge sich an einen Makler wenden. Auch der schüttelte den Kopf - eine neue Immobilie für Nina Hunolds Praxis gäbe es hier einfach nicht.

Mit der Situation ist Hunold sehr unzufrieden. So unzufrieden, dass sie ihr Problem am 26. September dem Stadtrat Remagens während einer Einwohnerfragestunde schilderte. Daraufhin kam ein Gespräch mit dem Bürgermeister zustande. Hunold habe in diesem Gespräch deutlich gemacht, dass ein Umzug, insbesondere über die Stadtgrenzen von Remagen und Sinzig hinaus, das Ende der Betreuung ihrer jetzigen Patienten bedeute. Gerade ältere und beeinträchtige Menschen nutzen das Angebot Hunolds. Ihre Erklärungen haben jedoch keinerlei Berücksichtigung gefunden. „Ich bin entsetzt“, sagt Hunold, „dass serviceorientierte Dienstleistungen´ den Vorzug vor medizinischer Grundversorgung erhalten.“ Und: „Die Bundesregierung hat Ergotherapeuten als systemrelevant und unverzichtbar eingestuft.“ In Remagen scheine dies etwas anders zu sein, so Hunold. Immerhin habe die Stadt die Frist verlängert, bis sie ausziehen muss. „Die Stadt hat eine Fristverlängerung um drei Monate angeboten, damit ist mir jedoch nicht geholfen, da es keine passenden Objekte auf dem Immobilienmarkt gibt“, sagt sie. Die für sie katastrophale Gesamtsituation ändere sich also nicht. „Ich kann nicht verstehen, dass die öffentliche Hand Bürger benachteiligt“, sagt die Ergotherapeutin. Eine Räumung der Praxisräumlichkeiten hätte also – aus momentaner Sicht – eine Aufgabe ihrer Selbstständigkeit zur Folge.

ROB

Die Remagener Geschäftsleute Nina Hunold und Jamal Daiz sind sauer. Foto: ROB

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